INTERVIEW Gesa Wichmann ist seit 40 Jahren als Erzieherin in Wildeshausen tätig

„Ich wollte immer Kinder stärken“

Gesa Wichmann setzt bei ihrer Arbeit oft auf die Musik. Foto: bornholt

Wildeshausen – Seit 40 Jahren ist Gesa Wichmann Erzieherin in Wildeshausen. Im Interview erzählt sie, was sie motiviert, welche Einstellungen sie vermitteln möchte, und welche Probleme sie im Erziehungswesen sieht.

Frau Wichmann, 40 Jahre als Erzieherin, warum haben Sie sich das angetan?

Wichmann (lacht kurz, wird dann wieder ernst): Ich wollte immer Kinder stärken, ihnen eine Basis geben, damit sie sich entwickeln können.

Wie meinen Sie das konkret?

Die Mädchen und Jungen sollen Dinge entdecken und sich entwickeln können – dafür haben wir im Kindergarten zum Beispiel ein Mikroskop.

Das weckt Neugierde und sie können eigene Erfahrungen sammeln. Es hat mir immer Freude gemacht, sie dabei zu unterstützen.

Welche Werte und Normen wollen sie den Kindern mitgeben?

Freude am Tun zu haben. Das lebe ich vor. Außerdem gehört zur Erziehung eine soziale Komponente. Durch Untersuchungen wie die Pisa-Studie ist die Wissensvermittlung stark in den Vordergrund getreten. Aber es geht auch um Empathie und darum, Regeln zu akzeptieren. Sich in den anderen hineinzuversetzen ist ganz wichtig.

Erzieher stehen heutzutage ziemlich unter Druck. Viele Eltern haben hohe Erwartungen. Würden Sie sich im Rückblick noch einmal für den Erzieher-Beruf entscheiden?

Ich glaube ja. Auch meine Zeit als Leitung war eine gute Zeit, obwohl es manchmal nicht einfach war. Die Sprachförderung, die ich danach gemacht habe, war wieder dichter am Kind. Das gefiel mir gut. Und die Gruppenleitung, die ich nun mache, ist genau das, was ich jetzt will.

Gibt es einen Geheimtrick, mit dem Sie eine Verbindung zu den Kindern aufbauen?

Ich setze gern auf Musik und habe auch Erfahrungen in der musikalischen Früherziehung in der Kreismusikschule gesammelt.

War es früher einfacher, Kinder zu erziehen?

Ich kann das nicht mit Sicherheit sagen. Aber meinem Gefühl nach ja, obwohl das auch etwas mit meinem Alter zu tun haben könnte. Die Zeit ist einfach schnelllebiger geworden, und das Familienleben hat sich verändert. Die Kinder haben es schwerer, vielfältige Erfahrungen zu machen, weil oftmals beide Eltern berufstätig sind und sie seltener draußen sind.

Es ist ja auch so, dass Mädchen und Jungen oft noch nicht „trocken“ sind, wenn sie in den Kindergarten kommen.

Wir müssen mehr tun, weil sich der pflegerische Aufwand erhöht hat. Aber die Personalsituation hat sich nicht verbessert.

Haben sich die Kinder verändert?

Gar nicht. Aber der Konsum von Medien ist ein anderer geworden. Die ganzheitlichen Erfahrungen sind geschrumpft. Das wirkt sich auf die Sprache und die Merkfähigkeit aus. Es geht doch darum, nicht nur zu schauen und zu hören wie beim Fernsehen oder Computer spielen, sondern anzufassen und zu fühlen.

Sie haben in mehreren Kindergärten gearbeitet und zig Kinder kennengelernt. Was war ein besonders schöner Moment Ihrer langen Karriere?

Die Feten mit den Eltern des Kindergartens an der Neuen Straße. Das war eine Baracke, so ein Nachkriegstrümmerbau. Das war nicht das Modernste, aber alle Erzieher haben so viel Wärme und Engagement da reingelegt, es war einfach schön. Außerdem ist es immer spannend, ehemalige Kinder zu treffen. Und im

Alltag ist es ganz großartig zu sehen, wie Kinder sich trauen, etwas Neues auszuprobieren, und ihre Grenzen erweitern. Dieses gute Gefühl, diese Freude kann man in ihren Gesichtern ablesen.

Wie schaffen Sie es, professionelle Distanz zu den Kindern zu wahren, wenn es in Ihrem Beruf doch oft um die Nähe zum Kind geht?

Ich sehe mich als Partner der Kinder und versuche, zu ermöglichen, dass sich jeder entwickeln kann. Man muss Kinder ernst nehmen, mit ihren Höhen und Tiefen, und sich fragen: Was brauchst du jetzt gerade im Moment?

Sie sind jetzt 60 Jahre alt, haben noch ein paar Jahre bis zur Rente. Wie geht es weiter?

Ich bleibe der „Schneehasen“-Gruppe in der „Sternschnuppe“ treu. Wenn ich in Rente gegangen bin, möchte ich reisen und meine Schmuckfertigung weiter entwickeln.  bor

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