Familie Meyer im Selbstversuch

Unnötigen Plastikmüll vermeiden: „Ich komme mir vor wie eine Verräterin“

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Müll einsparen bei den Meyers: Tochter Jantje hilft beim Einschmelzen alter Kerzen. Mutter Janin hat im Unverpackt-Laden eingekauft.

„Einen Milchkaffee zum Mitnehmen, ein belegtes Brötchen mit Käse, ein Croissant und ein normales Brötchen“ – ich stehe beim Bäcker und komme mir vor wie eine Verräterin. So viel unnötiger Verpackungsmüll!

Wildeshausen - Von Janin Meyer. Hoffentlich sieht mich niemand, der mich kennt oder meine Teilnahme an der Gelbe-Sack-Challenge des Landkreises verfolgt. Bis jetzt lief alles super – und in der letzten Woche der einmonatigen Aktion, an der ich für diese Zeitung mitmache, so ein Rückfall.

Ich bin mit meiner Tochter auf dem Weg zum Kinderarzt: Verdacht auf Mittelohrentzündung. Schlaf gab es etwa zwei Stunden, Frühstück ist aufgrund der dauerweinenden Zweieinhalbjährigen ausgefallen. Eine gute Ausrede habe ich zumindest. Und immerhin verspricht die Aufschrift auf dem Deckel meines Kaffeebechers, er sei organisch abbaubar.

Deutliche Reduzierung von Restmüll

Wieder zu Hause beruhigt der Blick in unseren Behälter für Kunststoffmüll mein Gewissen: Am Ende von Woche vier der Challenge ist er so gut wie leer. Noch vor Kurzem mussten wir ihn mindestens einmal pro Woche leeren. Wenn die Müll-Ersparnis so bleibt, dürften wir demnächst mit weniger als einem gelben Sack pro Monat auskommen. Und auch unser Restmüll hat sich im Lauf der vergangenen vier Wochen deutlich reduziert. Zunächst war noch zu sehen, dass es Altlasten zu beseitigen gibt. Erst nach und nach verschwand der Verpackungsmüll aus unseren Schränken. Der Wettbewerb macht nicht nur unsere Mülltonnen leerer, sondern auch unser Haus aufgeräumter.

Gespräche drehen sich um Einsparen von Müll

Auch in der letzten Woche des Wettbewerbs drehen sich viele Gespräche im Freundes- und Familienkreis um das Einsparen von Verpackungsmüll, und mich selbst beschäftigt das Ganze weiterhin sehr. Aber ich habe gemerkt, dass es sich um ein recht komplexes Thema handelt, das für uns am Ende der Challenge längst nicht abgeschlossen ist. Es gibt immer noch hier und dort etwas zu verbessern. Immer wieder finde ich verschiedene Möglichkeiten und Ideen, in unterschiedlichen Bereichen Müll zu sparen.

Kerzen gegossen, Teelichter eingespart

Gemeinsam mit meiner Tochter gieße ich zum Beispiel Kerzen in kleine Glasgefäße. Sie sollen in Zukunft unsere Teelichter ersetzen. So sparen wir gleich doppelt Müll: Die leeren Teelichthüllen fallen weg, und auch abgebrannte Kerzen finden einen neuen Verwendungszweck. Zudem hat meine Tochter großen Spaß an der Sache.

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Für den Einkauf habe ich mir inzwischen die dünnen Gemüsenetze zugelegt, die es vielerorts zu kaufen gibt. Bisher kam ich immer gut ohne sie zurecht, aber beim Anblick der losen Nüsse und Champignons im Supermarkt musste ich zugreifen. Die wiederverwendbaren Netze sowie ein paar extra Beutel und Tüten habe ich jetzt immer in meiner Einkaufstasche liegen, die im Hausflur hängt. Nach dem Einkauf kommen sie direkt dorthin zurück. Genauso wie leere Eierpappen. So muss ich vor dem Wocheneinkauf nur noch ein paar Dosen für Käse- und Wurstwaren einpacken und bin schnell bereit, loszufahren.

Challenge: Besuch in einem Unverpackt-Laden

Vor eine neue Herausforderung stellt mich in der letzten Woche der Challenge der Besuch in einem Unverpackt-Laden. Momentan bin ich ohnehin einmal pro Woche in Bremen. Da bietet es sich an, auch diese Alternative einmal auszuprobieren. Für den ersten Besuch nehme ich mir reichlich Zeit. Schon mehr als eine Stunde vor meinem eigentlichen Termin komme ich bei dem Laden an. Tatsächlich bin ich etwas aufgeregt, bevor ich durch die Tür trete. Ganz kurz überlege ich sogar, mein Vorhaben abzubrechen.

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Doch dann kommt zum Glück die Vernunft durch. Es ist doch kein Problem, sich als Neuling auf diesem Gebiet zu erkennen zu geben – vermutlich freuen sich die Mitarbeiter sogar über neue Gesichter. Mit diesen Gedanken behalte ich Recht. Die nette Betreiberin erklärt mir genau, wie alles funktioniert: Das selbst mitgebrachte Gefäß auf die Waage stellen, mit dem bereitliegenden Kreidestift das Gewicht inklusive Deckel auf dem Gefäß notieren und dann auffüllen. Wer keine eigenen Gefäße dabei hat, kann entweder unterschiedliche Behälter im Geschäft erwerben oder greift auf ein Sammelsurium an „Gratisgläsern“ zurück, die in einem Korb bereitstehen. Ich habe mich zu Hause gut mit Gurken- und Marmeladengläsern ausgestattet und kann direkt loslegen.

Große Auswahl im Unverpackt-Laden

Die große Auswahl überwältigt mich: Es gibt mehrere Müslisorten, unterschiedliche Nudeln, Gummibärchen, Schokodrops und jede Menge mehr. Ein ganzer Tisch voller Gewürze – ob gemahlen oder ganz – steht bereit. Sogar ein Bereich mit Waschmittel, Badreiniger, Seife und vielem mehr ist vorhanden. Verschiedene Utensilien runden das Angebot ab. Hier hätte ich auch meine Seifensäckchen und die wiederverwendbaren Abschminkpads bekommen, die ich im Internet bestellt habe – sogar vom selben Anbieter.

Unverpackt-Laden: Nur die Menge, die man braucht

Nun muss ich überlegen, was ich einkaufen möchte. Da ich vorher das Angebot nicht kannte, habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Leinsamen brauchen wir auf jeden Fall. Die dürfen mit. Die Gummibärchen lachen mich einfach an – sie müssen auch mit. Über Salzbrezeln wird sich meine Tochter sicher freuen. Nudeln brauchen wir immer. Außerdem nehme ich noch eine Mischung für Bratlinge mit, die nur im Wasser aufquellen muss, ein paar Bananenchips und ein Dinkelmüsli. Bei den Hygiene- und Reinigungsartikeln halte ich mich erst einmal zurück. 

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An der Kasse bin ich positiv überrascht. Ich hätte mit einem höheren Preis gerechnet. Allerdings habe ich – außer bei den Nudeln – auch keinen direkten Vergleich im Kopf. Die kosten das Fünffache im Vergleich zum Discounter. Was ich am Unverpackt-Laden praktisch finde: Alles, was ich brauche, kann ich in genau der Menge einpacken, die ich benötige. Vor allem bei Zutaten, die ich nur selten benutze, ist das ein klarer Vorteil.

Müllvermeidung: Nach und nach Kleinigkeiten ändern

Für mich steht fest: Mein Einkaufsverhalten werde ich auch nach dem Wettbewerb so beibehalten wie in den vergangenen vier Wochen. Gleichzeitig möchte ich mich weiter über Möglichkeiten der Müllvermeidung informieren und nach und nach Kleinigkeiten ändern. Denn wer mit offenen Augen und etwas Zeit einkauft, findet inzwischen sogar im regulären Supermarkt oder in der Drogerie Alternativen. Auch online gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Und dank der Algorithmen von Suchmaschinen bekomme ich umso mehr Vorschläge angezeigt, je mehr ich mich durch Anbieterseiten und Nutzerforen klicke.

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