Cristin Wendt aus Wildeshausen veröffentlicht ihren ersten Comicband

„Ich habe gelernt, etwas durchzuziehen“

Cristin Wendt

Wildeshausen/Neu-Ulm - Von Ove Bornholt. Der Lebensweg von Cristin Wendt aus Wildeshausen hat die heute 33-Jährige nicht nur aus dem Norden nach Neu-Ulm in Bayern geführt, sondern auch von der Förderschülerin zur Comiczeichnerin gemacht. Der erste Teil der auf fünf Bände angelegten Reihe „Message“ ist im baden-württembergischen Ludwigsburger „Cross Cult“-Verlag erschienen. Es handelt sich um ein „Sci-Fi-Action-Horror-Epos“, in dem eine künstliche Intelligenz die Erde vor der globalen Erwärmung retten sollte. Stattdessen macht sie jedoch Jagd auf die Menschen. Die Zeichnungen stammen von Wendt, während sie die Texte gemeinsam mit Ronja Büscher aus Hamm geschrieben hat.

Wendts Lebensweg ist ähnlich spannend wie die Geschichte ihres Comics. Schon auf der Wallschule sei sie gemobbt worden, erzählt sie. Schon als Kind und später als Jugendliche zeichnete sie gerne, auch um sich aus dem Alltag „wegzuträumen“, wie sie sagt. „Es war fast wie eine Therapie“, meint die Wildeshauserin.

Ihre Bildungskarriere ging auf der Förderschule Hunteschule weiter und sollte eigentlich mit einem Hauptschulabschluss nach einem Berufsvorbereitungsjahr enden. Doch daraus wurde nichts, weil das Schulsystem umgestellt wurde. „Ein anderes Lernsystem war für mich schwierig“, sagt Wendt.

„Es ist schwer, mit gar nix eine Ausbildung zu finden“, erinnert sich Wendt. Doch die Wildeshauserin gab nicht auf. Schließlich besuchte sie mit ihrer Mutter eine Informationsveranstaltung des Berufsbildungswerks in Bremen. „Ich wollte Raumausstatterin werden. Aber als ich gesehen habe, dass da 15 Mädchen mit ganz viel Stoff sitzen, dachte ich: Das ist doch nicht meins.“

Es folgte die Eingebung, bei den Tischlern vorbeizuschauen. „Ich habe die Maschinen gesehen und spontan beschlossen, dass ich das machen will“, sagt Wendt. Eine gute Wahl: Nach der Ausbildung arbeitete sie bei Mercedes in Bremen.

„In meinem Leben gab es ziemlich viele Stolpersteine. Ich habe gelernt, etwas durchzuziehen“, sagt die junge Handwerkerin. Auch angesichts von Vorurteilen gegen die ehemalige Förderschülerin und Frau in einem Männerberuf. Ein weiteres Hindernis stellte sich ihr mit der Finanzkrise entgegen. „Dann war wieder Stillstand.“ Doch Wendt gab wiederum nicht auf und zog mit ihrem aus Süddeutschland stammendem Lebensgefährten, einem Informatiker, nach Neu-Ulm, wo sie einen neuen Job fand. Sie stellt Teile für Wohnmobile her. „Teils ist es eine recht stupide Arbeit“, findet Wendt. Sie müsse meistens Maschinen einstellen und bedienen.

In den Pausen blüht dafür ihre Kreativität auf, denn dann schnappt sich Wendt ihr Tablet und zeichnet damit. Der Großteil ihres Werks entsteht in dieser Zeit. „Ich würde verrückt werden, wenn ich das 24 Stunden am Tag tun würde“, bekennt sie mit einem Lachen. Zu Hause sei sie eher der entspannte Typ.

Für den „Message“-Comic greift die Künstlerin auf Mangas, also asiatische Zeichnungen, zurück, und vermischt sie mit westlichen Einflüssen. Die Hauptgeschichte der vier anderen Bände hat sie bereits im Kopf. Dass ihr Comic veröffentlicht wurde, hat Wendt selbst sehr überrascht. Sie habe das Stück einfach mal an den „Cross Cult“-Verlag geschickt, sagt sie.

Inzwischen hat sich die gebürtige Wildeshauserin ganz gut im Süden Deutschlands eingelebt, spricht das rollende R der Bayern wie selbstverständlich mit. Eines fehlt ihr allerdings noch in der neuen Heimat: „Es gibt keinen Pinkel und Grünkohl. Meine Mutter muss immer Carepakete schicken.“

„Message“

Der 80-seitige Comic ist im „Cross Cult“-Verlag erschienen und kostet 20 Euro.

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