100 neue Arbeitsplätze

Neuer Bebauungsplan für Hydrotec in Aussicht

Erweiterung: Die Firma Hydrotec in Wildeshausen will eine Eisengießerei errichten. Grafik: Hydrotec
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Erweiterung: Die Firma Hydrotec in Wildeshausen will eine Eisengießerei errichten. Grafik: Hydrotec

Die Firma Hydrotec will an der Düngstruper Straße in Wildeshausen eine Gießerei errichten. Der Verwaltungsausschuss der Stadt Wildeshausen hat nun die ersten Weichen für eine Betriebserweiterung gestellt.

Zunächst wurde in der vergangenen Woche der zweieinhalb Jahre alte Beschluss zur Aufstellung des Bebauungsplanes aufgehoben, der dem Betrieb den Bau eines Betonwerkes ermöglichen sollte. Wie berichtet, ist nun geplant, eine Eisengießerei zu errichten, um die Produktion am heimischen Standort zu stärken. Dafür kann nun nach Beschluss des Verwaltungsausschusses ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Im weiteren Verfahren gilt allerdings ein besonderes Augenmerk bezüglich den Belangen des Verkehrs, der Immissionen aus Staub, Abgasen, Schall und Lärm, sowie des Wasserverbrauchs und weiteren Aspekten des Umwelt- und Klimaschutzes, heißt es im Beschlussprotokoll. 

Artikel vom 4. Dezember: Eine Produktion von 15.000 Tonnen Gusseisen pro Jahr im Zwei-Schicht-Betrieb bei einem Verbrauch von 15 Millionen Kilowattstunden sowie 100 neue Arbeitsplätze: Es sind beeindruckende Zahlen, die Jürgen Unewisse aus dem Vorstand der Firma Hydrotec am Donnerstagabend im Wildeshauser Bauausschuss präsentierte. Wie berichtet, plant das international tätige Mittelstandsunternehmen mit Sitz in der Kreisstadt, seine Produktion zum Teil nach Deutschland zu verlegen.

Dazu soll der Firmensitz an der Düngstruper Straße um eine neue Eisengießerei für Gullys erweitert werden. Die Politik votierte einstimmig dafür, den Bebauungsplan entsprechend zu ändern. Die Produktion soll 2023 anlaufen.

„Schon ein kleines Abenteuer“

„Eine neue Gießerei auf der grünen Wiese zu bauen, ist schon ein kleines Abenteuer“, räumte Unewisse ein. „Aber Deutschland ist der drittgrößte Gießerei-Standort der Welt.“ Es gebe rund 200 derartige Anlagen im Land. So ungewöhnlich sei das Projekt also auch wieder nicht.

Hohe Anforderungen stellt aber schon der Stromverbrauch der Elektroschmelzöfen, den es braucht, um das Eisen auf 1 500 Grad zu erhitzen. Laut Peter Strauß, Hydrotec-Mitarbeiter und für die Baumaßnahme zuständig, hat die EWE zugesichert, die entsprechende Strommenge liefern zu können. Dafür müssen aber noch anderthalb Kilometer Kabel verlegt werden. Das Unternehmen selbst will auf seinem Grundstück eine sehr leistungsfähige Fotovoltaik-Anlage errichten, die im Megawattbereich Strom produziert.

Ehrgeizige Pläne, deren Anspruch von einem anderen Fakt illustriert wird: „Seit einem Jahr versuchen wir, eine deutlich kleinere 100-Kilowatt-Anlage umzusetzen. Das ist schon ein Akt“, gestand Unewisse.

Eisen, Sand und Wasser werden wiederverwendet

Bleibt zu hoffen, dass das Großprojekt Gießerei besser läuft. Den Segen der Politik haben die Hydrotec-Manager schon mal. Der Manager führte auf Nachfragen aus, dass die hergestellten Produkte in der Regel aus recyceltem Eisen bestünden. Geplant seien Gussformen aus Sand, der ebenfalls zu 99 Prozent wiederverwendet wird. Und auch das benötigte Wasser solle zum Großteil im Kreislauf unterwegs sein.

„Das ist ein mutiger Schritt“, bewertete Ulli Kramer (CDU) die Pläne. „Und es werden Transportwege vermieden. Das ist auch ein Beitrag zum Umweltschutz.“ Oliver Klär (Grüne) interessierte sich für die Fotovoltaik-Anlage. „Es wäre sehr wünschenswert, wenn das Dach der Gießerei auch eine bekäme“, richtete er sich an Unewisse. Die Pläne sehen aktuell vor, dass das Dach begrünt wird. Wolfgang Sasse (CDU) lobte die Schaffung von 100 Arbeitsplätzen und hob hervor, dass es um ein „älteres Wildeshauser Unternehmen gehe, das sich gut entwickelt hat“. Angesichts dieser zwei Pluspunkte solle die Politik den Startschuss geben. „Und wir bleiben trotz Gießerei Luftkurort“, betonte Sasse.

„Schwerindustrie“ im Gewerbegebiet?

Es wurden aber auch Bedenken geäußert. So hinterfragte Karl Schulze Temming-Hanhoff (parteilos), ob Schwerindustrie in dem Gewerbegebiet überhaupt machbar sei. „Natürlich ist eine Gießerei Industrie, aber sie ist nicht ,schwerer‘ als das Betonwerk, das 100 Meter weiter steht“, entgegnete Unewisse. Majken Hjortskov (Grüne) wollte wissen, wie viele Schadstoffe ausgestoßen werden. Der Hydrotec-Manager konnte keine genauen Daten nennen und verwies auf Filter. Letztendlich enthielt sich Hjortskov dann. Die Stellungnahme der Verwaltung zum Klimaschutz lautet wie folgt: „Es handelt sich um einen Betrieb mit einem erheblichen Energiebedarf (Strom). Zurzeit liegen jedoch noch keine Informationen zu tatsächlich benötigten Mengen vor. Die Unternehmensleitung gibt an, Energien aus nachhaltigen Ressourcen verwenden zu wollen. Die Auswirkungen auf den Klimaschutz sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht absehbar.“

Die Beratung im Ausschuss war nur der erste Schritt zur Aufstellung des Bebauungsplans. Im weiteren Verfahren, das sich erfahrungsgemäß rund ein Jahr hinziehen wird, wird es mehr Details und eine Bürgerbeteiligung geben.

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