Horst Behnke erforscht die Geschichte der Wildeshauser Postvorsteher / Teil I

Husaren nehmen Postamtsleiter als Geisel

Im Sommer 1753 wurde im Garten des Küsters Vogelsang an der Herrlichkeit das neue Posthaus gebaut. Postmeister Johann Ludolph Sellschop bezog das Gebäude am 4. Juli 1755. - Repro: Panschar

Wildeshausen - Die Stadt Wildeshausen hat der günstigen Lage an der „Flämischen Straße“ (heute B 213) nicht nur seinen wirtschaftlichen Aufschwung im Mittelalter zu verdanken, sondern auch seine Bedeutung als Postamtstandort. Horst Behnke (von 1966 bis 1972 Oberpostmeister) hat die Geschichte der Wildeshauser Postvorsteher von 1650 bis 1995 nun niedergeschrieben und sein Manuskript unserer Zeitung zur Verfügung gestellt.

Bereits im Mittelalter war die Wittekindstadt aufgrund der zentralen Lage Kreuzungspunkt etlicher Handelswege. Die „Flämische“, auch „Holländische Straße“ genannt, führte durch den Ort, als von einem geregelten Postdienst noch nicht gesprochen werden konnte. So bestand Anfang des 16. Jahrhunderts ein Botenweg von Hamburg über Bremen und Wildeshausen bis nach Amsterdam. Die Fußboten benötigten für die gesamte Strecke im Sommer sechs und im Winter sieben Tage, dazu ebenso lange für den Rückweg.

Um auch Reisende und Gepäck befördern zu können, schafften die Boten eigene Pferde und Wagen an. Da die oft schwer beladenen Fahrzeuge aber nur sehr langsam vorankamen und so manchmal mehr Zeit benötigten als früher die Fußboten, kam es zu Verzögerungen bei der Briefpost.

Daher wurde 1650 eine selbstständige „reitende Post“ installiert. Magnus von Höfften war der erste Posthalter in Wildeshausen. Die Börsenältesten zu Amsterdam und Hamburg hatten die Route eingerichtet.

1656 tat der oldenburgische Graf Anton Günther einen wichtigen Schritt, der als Gründung der oldenburgischen Post gilt. Er übertrug von Höfften seine gesamte Briefbeförderung sowie die seiner Familie, des Hofes und der gräflichen Verwaltung. Neun Jahre später ernannte der Adelige den Wildeshauser zum Oldenburger Postmeister. Dafür erhielt von Höfften eine jährliche Vergütung von 150 Reichsmark. Er organisierte die ersten regelmäßigen Reitposten ab Oldenburg nach Bremen, Cloppenburg, Jever und weiteren Orten.

Sein Nachfolger wurde Christoph Creutzmann, der von 1659 bis 1675 das Amt des Wildeshauser Postmeisters innehatte. Von ihm ist nur bekannt, dass seine Klage auf Scheidung „gegen seine abwesende Frau wegen wiederholten Ehebruchs“ anerkannt wurde.

Nach der Eroberung Wildeshausens durch den münsterschen Fürstbischof Christoph Bernard von Galen erhielt die Stadt eine tägliche Fahrpost, die nicht nur der Briefbeförderung, sondern auch dem Personenverkehr diente. Die Wittekindstadt wurde zur damaligen Zeit von drei Fahrposten angefahren: Zum einem die Hamburg-Amsterdamer Post sowie die Bremer Fahrpost über Linden nach Zwolle und zum anderen die „Bremische Stadtpost“ nach Naerden in Holland. Alle drei verkehrten zweimal in der Woche.

Neue Postwege für schnellere Verbindung

Als die Stadt 1700 zu Hannover kam, wurde Levin Franz Meyer aus Hoya Fürstlich Cellischer Postsekretär bei der jetzt „Kurfürstlich Braunschweig-Lüneburgischen Postanstalt“. 1704 wurde eine Postfuhre begründet. Das Unternehmen sollte hauptsächlich dem Reiseverkehr zwischen Amsterdam, Bremen und Hamburg dienen. Es war nicht beabsichtigt, „die allerseits reitenden Posten und Correspondentien dadurch zu hindern oder abzuschaffen“. Die Route sollte von Amsterdam zur See und auf den Kanälen mit Treckschuten (kleine Schiffe, die vom Ufer aus von Pferden gezogen wurden) nach Zwolle, von da nach Osnabrück und weiter über Wildeshausen, Delmenhorst nach Bremen und Hamburg führen. Die Verbindung hielt sich aber nur bis Ende 1728.

Im Sommer 1753 wurde im Garten des Küsters Vogelsang an der Herrlichkeit ein neues Posthaus gebaut. Der damalige Postmeister Johann Ludolph Sellschop bezog das Gebäude am 4. Juli 1755.

Wie gefahrvoll die Tätigkeit bei der Post sein konnte, zeigt ein Vorfall, über den der Wildeshauser Pfarrer berichtete: „1761, den 27. September, ganz früh kamen von Goldenstedt 24 Husaren nach Wildeshausen, forderten 10 000 Reichstaler Kontribution, kriegten aber nur 1 200 Taler.“ Daher nahmen sie Geiseln, unter anderem den Bürgermeister, Amtschreiber, Voigt und „Post-Commissair“ Justus Wilhelm von Hinüber sowie dessen Vater, der das Amt des Ober-Amtmanns inne hatte. „Am 8. Oktober“, heißt es weiter. „kam Herr Ober-Amtmann Hinüber in Wildeshausen an, nachdem er 8 500 Reichstaler nachzuschicken versprochen hatte.“ Die Geiseln wurden aber erst am 28. Oktober wieder frei.

Wie es danach mit dem Postwesen in Wildeshausen weiterging, verraten wir morgen im zweiten Teil unserer Reihe.

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