Hohe Mieten, dürftiger Wohnraum

Ehrenamtliche Helfer kritisieren: Werksarbeiterfamilien werden ausgebeutet

Am Briefkasten eines Hauses in der Innenstadt wechseln ständig die Mieter. Die Namensschilder wurden unkenntlich gemacht.

Wildeshausen – Sie kommen aus Südosteuropa, um im Landkreis Oldenburg, speziell in Wildeshausen sowie der Gemeinde Großenkneten, zu arbeiten. Bulgaren, Rumänen, Sinti und Roma suchen nach Jobs und nach Wohnungen, in denen sie mit ihren Familien leben können. Dabei landen sie offenbar oft in nicht akzeptablen, zu kleinen und verschmutzten Absteigen.

Einige Vermieter verdienen damit eine Menge Geld und können sich recht sicher sein, dass die ausländischen Bürger sich nicht beschweren. So ist der Eindruck von ehrenamtlichen Helfern aus Wildeshausen, die mit diesen Zuständen konfrontiert werden und sich an den Landkreis Oldenburg wenden, wenn sie Menschen finden, die trotz großer Angst, ihre Wohnung zu verlieren, reden mögen.

In einer jetzt veröffentlichen Antwort des Landtages (Drucksache 18/3324) auf eine Kleine Anfrage von mehreren Grünen-Landtagsabgeordneten wird aus dem Landkreis Oldenburg mitgeteilt, dass es seit 2013 34 Kontrollen in Unterkünften für Beschäftigte gegeben hat. 15 Kontrollen verliefen mit Beanstandungen. Moniert wurden Überbelegung, ungesunde Wohnverhältnisse, schlechter baulicher Zustand, unzulässige Wohnnutzung und formelle Rechtswidrigkeit. 2018 gab es im Landkreis sechs Kontrollen, die aufgrund von Anzeigen oder Hinweisen durch Gemeinden erfolgten.

Der Pressesprecher der Stadt Wildeshausen, Hans Ufferfilge, bestätigt einen regelmäßigen Kontakt zum Landkreis. So versuche man auf diesem Weg, die Belegung in Wohnungen zu ermitteln und das zu kontrollieren. Es komme auch vor, dass Vermieter nachfragten, wie viele Personen in ihren Häusern amtlich gemeldet seien.

Offenbar wissen manche Vermieter nicht, wer in ihren Wohnungen wohnt. Nach Einschätzung von ehrenamtlichen Betreuern, die namentlich nicht genannt werden wollen, gibt es aber wohl auch einige Vermieter, die das gar nicht so genau wissen wollen, wenn eine entsprechende Miete gezahlt wird. 

So komme es beispielsweise an der Hermann-Ehlers-Straße vor, dass zwölf Erwachsene in einer Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung hausen, die privat vermietet wird. In Aumühle wurde eine Unterkunft gemeldet, die ganz offensichtlich so marode ist, dass das Dach auseinanderfällt. Auffällig viele Namensschilder an der Klingel finden sich auch bei Häusern in der Nähe des Marktplatzes und in Zwischenbrücken.

„Wenn wir eine Meldung bekommen, dann schauen wir uns das an“, so Berthold Lüsse vom Gesundheitsamt des Landkreises. Allerdings sei der Kreisverwaltung nicht bekannt, wo viele Menschen gehäuft in kleinen Wohnungen leben, weil es sich meistens um private Mietverhältnisse handelt. In der Regel, so Lüsse, kontrolliere der Landkreis Unterkünfte zusammen mit dem Bauordnungsamt. „Wir nehmen das ernst“, versichert er. So stehe jeder Person eine Fläche von mindestens sechs Quadratmetern zu. Es müsse Wasch- und Trockenmöglichkeiten geben. Zudem dürften keine hygienischen Mängel vorhanden sein.

Egal ob Landkreis oder Stadt Wildeshausen, alle Beteiligten sprechen von einer hohen Dunkelziffer. Laut Integrationsbericht der Stadt waren am 11. April 2018 1 264 Bulgaren in Wildeshausen gemeldet. Knapp zehn Monate später waren es bereits 1 388 – ein Anstieg um rund zehn Prozent. Die Zahl der Rumänen stieg in diesem Zeitraum von 59 auf 74.

Das sind aber nur die offiziellen Zahlen. Denn dieser Personenkreis meldet sich oft erst an, wenn Kinder der Schulpflicht unterliegen oder eine Arbeitsstelle angetreten werden soll. Wie viele Menschen bei Bekannten und Verwandten unterkommen und zum Teil unter miserablen Bedingungen leben, darüber kann niemand verlässlich Auskunft geben. Es sei denn, die Betroffenen würden sich melden.  

dr

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