Alfred Panschar stöbert im Archiv 

„Höllische Furie“ führte Krieg gegen die Katholiken

Graf von Wasaburg ( links) und der schwedische Feldmarschall Reichsfreiherr Dodo von Kniphausen.

Wildeshausen - Viele Herren hatten die Wildeshauser im Laufe ihrer Jahrhunderte andauernden Geschichte. Darunter auch die Schweden, die hier an der Hunte zwar nur einige Jahrzehnte das Sagen hatten, aber immerhin ein Kapitel Stadtgeschichte mitschrieben. Beim Stöbern im Archiv ist Alfred Panschar vom Bürger- und Geschichtsverein auf einen Artikel zu diesem Thema gestoßen.

„Angefangen hatte dieses Kuriosum während des Dreißigjährigen Krieges, als auf protestantischer Seite König Gustav Adolf II. von Schweden (1594 bis 1632) in das Kampfgeschehen eingriff. Genau am 10. Mai 1632 eroberte im Auftrage seines Landesherren der schwedische General Baudissin Wildeshausen. Wie damals üblich unter schlimmer Plünderung und bei reichlicher Beute, die die schon arg gebeutelte Bevölkerung, egal ob katholisch oder evangelisch, aufbringen musste.

Die Schweden richteten sich danach hier ein, wie auch in anderen Städten des südlichen Oldenburgs. War doch zeitweilig das ganze Niederstift Münster im Besitz dieser nordischen Macht. Im Bistum Osnabrück wurde der Oberst Gustav Gustavson, Gustav Adolfs unehelicher Sohn, als Administrator eingesetzt. Im Laufe dieses Krieges wurde Wildeshausen auch wieder von katholischen Truppen besetzt.

Die Herrschaftsverhältnisse gingen hin und her, aber 1647 gelang es Königin Christine von Schweden, dass ihrem Halbbruder, dem bereits erwähnten Gustav Gustavson, als Mannslehen die Stadt und das Amt Wildeshausen übertragen wurden. Schließlich musste er als Sohn des großen Königs einigermaßen angemessen versorgt werden, wenn auch nicht unbedingt in der engeren Heimat.

Schweden konnte diese Herrschaftsübertragung während der Friedensverhandlungen zu Osnabrück sanktionieren, und am 15. Januar 1650 übernahm Gustav Gustavson für die schwedische Krone die Regierung in Wildeshausen.

Als Protestant war er natürlich bemüht, alle katholischen Spuren in seinem Herrschaftsbereich zu beseitigen. Er setzte daher sofort einen lutherischen Prediger ein. Die Wildeshauser huldigten 1651 der schwedischen Königin, und Gustavson begann seine Regierung, in deren Verlauf er drei Residenzen hatte – in Wildeshausen, Huntlosen und Spasche. Gustav Gustavson, Graf von Wasaburg genannt, war aber nur wenige Jahre in Wildeshausen aktiv. Er wohnte im Haus von Heidenreich Schlüter. 1653 wurde im Rathaussaal die Hochzeit der Tochter des Stadtrichters Schlüter gefeiert. Beim Ehrentanz mit der Braut fiel der übergewichtige Graf tot um – im Alter von 37 Jahren. Er fand seine letzte Ruhestätte neben seinem Vater Gustav Adolf in der Riddarholmskirche zu Stockholm.

Die verwitwete Gräfin Wasaburg führte ganz im Sinne des Verstorbenen die Regierung zunächst weiter. Und dieses hieß in erster Linie, Kampf gegen die Katholiken zu führen. Die Stiftsherren von St. Alexander nannten sie daher auch die ,Höllische Furie‘. Sie regierte in Wildeshausen bis 1675. In diesem Jahr betrat der Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen die im Krieg gegen die Schweden von katholischer Seite wieder eroberte Stadt und ließ als erste Amtshandlung die begonnenen Schloss-bauten der Wasas wieder abreißen, und die Stiftsherren von St. Alexander durften nach Wildeshausen zurückkehren.

Zwar musste nach dem Friedensvertrag von Nymwegen 1679 Wildeshausen an die Schweden zurückgegeben werden. Aber erst nachdem eine Kriegskostenentschädigung an die Katholiken gezahlt worden war. Damit hatte man es aber auf schwedischer Seite nicht eilig. Nach langem Hin und Her erfolgte diese erst 1699, und am 5. Mai dieses Jahres rückte ein schwedischer Kapitän mit seiner Truppe über Zwischenbrücken in Wildeshausen wieder ein.

Dieses kleine Intermezzo dauerte aber nur ein gutes Jahr. Schweden war nämlich in der Zwischenzeit in den nordischen Krieg verwickelt und suchte daher Verbündete. Diese waren das Welfenhaus. Und als Gegenleistung wurde dann Wildeshausen verpfändet.“

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