Fischsterben in der Flachsbäke

Hitze und Trockenheit lassen Hunte-Pegel fallen

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Durch Trockenheit und Hitze führt die Hunte bei Wildeshausen derzeit so wenig Wasser wie seit Jahren nicht. Weil in dem warmen Fluss weniger Sauerstoff als sonst vorhanden ist, leiden die Fische.

Wildeshausen - Von Phillip Petzold. Die aktuellen Wetterbedingungen sorgen für extrem niedrige Pegel der Hunte. Teilweise sind die Wasserstände so weit gefallen wie in den vergangenen zehn Jahren nicht. Das macht vor allem der Tierwelt an und in dem Gewässer zu schaffen. Zudem berichtet der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) von der längsten Trockenphase seiner Geschichte.

„Wir haben derzeit den geringsten Abfluss seit Beginn der Aufzeichnungen“, informiert Hans-Dieter Buschan von der Hunte-Wasseracht. Die Wassermenge, die pro Sekunde durch die Hunte fließt, liege derzeit bei 2000 Litern. „Das ist extrem wenig“, so Buschan. Zum Vergleich: Auf das Jahr gesehen, liegt der Abfluss im Durchschnitt bei 12.000 Litern pro Sekunde, bei Hochwasser sind es gar 100.000 Liter. Davon ist die Hunte derzeit weit entfernt: „Es ist kein Wasser im System“, sagt Buschan. 

Hier und da ein Gewitter helfe nicht, denn Niederschlag, der vereinzelt fällt, verdunste sofort und stünde nicht zur Verfügung: „Das Wasser kommt nicht hin.“ Der Wasserstand der Hunte bei Colnrade liegt aktuell bei 2,74 Metern. Der niedrigste Wert in den vergangenen zehn Jahren war 2,76 Meter. Südlich von Wildeshausen sei die Lage weniger schlimm: „Dort halten Stauwehre das Wasser im System“, erläutert Buschan.

Gefährlich sind die sinkenden Pegel vor allem für die Tiere, die in und an der Hunte leben. So führte die Wasserknappheit zu Sauerstoffmangel. „Das ist ein großer Stressfaktor für die Fische“, meint Wolfgang Pohl vom Nabu Dötlingen-Wildeshausen.

Meerforellen vertragen den sinkenden Sauerstoffgehalt nicht

Ein erstes Fischsterben habe es bereits gegeben, berichtet Ralf Siemer vom Fischereiverein Wildeshausen. In der Flachsbäke, die die Angler als Brutbach nutzen, sind etliche Meerforellen verendet. Diese seien wie alle lachsartigen Fische besonders anfällig, wenn der Sauerstoffgehalt sinkt. Helfen könne man den Tieren nicht, sagt Siemer. 

„So leid es einem tut, dient der Versuch, Fische zu retten, nur der Beruhigung der Menschen.“ Würden die Flossenträger in ein anderes Gewässer umgesetzt, würden sie das kaum verkraften. Auch Amphibien und Insekten hätten es momentan schwer. „Das ganze Ökosystem leidet“, berichtet Siemer. „Mit jedem Tag unter diesen Bedingungen geht es weiter in Richtung Katastrophe.“

Laut Buschan stehen Wasseracht und Fischereivereine in permanentem Austausch, doch auch der Verband könne nicht viel tun: „Der Sauerstoff lässt sich nicht künstlich erhöhen.“ Doch Starkregen wünschen sich Buschan und Siemer auf keinen Fall – der würde die Situation wohl noch verschlimmern. Denn dann würden feiner Staub und Abrieb von Autoreifen von den Straßen in die Gewässer gespült. Eine chemische Reaktion würde den Sauerstoffgehalt weiter sinken lassen.

Das Wasser hat sich unter den Seerosen zurückgezogen, sodass sie teilweise in der Luft hängen.

Linderung würde lediglich ein Wetterumschwung bringen: „Es bedarf dringend nachhaltiger Niederschläge“, so Buschan. „Zwei, drei Tage langsamer Landregen, der die Systeme versorgt. Doch danach sehe es momentan nicht aus, sagt Buschan, der die Wetterprognose immer im Blick hat: „Es soll lokale Gewitter geben, aber nachhaltiger Niederschlag ist nicht zu erwarten.“

Auch der OOWV kämpft derzeit mit der Knappheit und musste kürzlich den Leitungsdruck absenken. Dadurch sollen die Wasserwerke entlastet werden, teilte der Verband mit. Die Kunden würden das nicht am Wasserhahn merken, doch aus dem Rasensprenger könne es weniger „sprudeln“.

Die Versorgung sei zwar gesichert, der Verbrauch liege aber weiterhin bei mehr als 300.000 Kubikmetern am Tag im gesamten Verbandsgebiet. Im Jahresschnitt sind es 220.000 Kubikmeter. „Eine so anhaltende Phase der Trockenheit und Hitze hat es in der Geschichte des OOWV noch nicht gegeben“, berichtet Pressesprecher Heiko Poppen. „Sie stellt für uns einen Stresstest dar, aus dem wir anschließend Schlüsse ziehen und gegebenenfalls Maßnahmen ableiten werden.“

Die Pegelstände und weitere Informationen gibt es im Internet.

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