Selbstversuch in den „proWerkstätten“

Himmelsthür-Bewohner zeigen ihr Können

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Werkstattleiterin Eileen Bumann (links) führt Besucher durch die Räume.

Wildeshausen  - Von Ove Bornholt.  „Er ist zu langsam“, beschwert sich Maren. Die 27-Jährige arbeitet in den „proWerkstätten“ der Diakonie Himmelsthür an der Heilstättenstraße in Wildeshausen.

Ihre Worte richten sich an ihre Chefin, und die Kritik zielt auf mich, den Reporter, der anlässlich des Tags der offenen Tür mal ausprobieren will, wie die Arbeit in der Werkstatt aussieht.

Genau wie zahlreiche Besucher, die am Sonntagnachmittag vorbeigekommen sind, habe ich das Gelände erkundet und mich dann an einen der Tische in der Werkstatt begeben. Maren, die seit sechs Jahren hier lebt, setzt sich rechts neben mich und gibt mir Anweisungen. 

Die Aufgabe besteht darin, eine etwa fünf mal 15 Zentimeter kleine Kunststoffbox, eine Kassette, zu bekleben und mit fünf Bohrern verschiedener Größen für Akkuschrauber zu bestücken. Sie sollen im Baumarkt oder beim Discounter verkauft werden.

Kann doch nicht so schwer sein

Mein erster Eindruck: „Sieht ja gar nicht so schwer aus.“ Ich ziehe die Folie von der Rückseite der Produktbeschreibung ab und visiere die Kunststoffbox an, um den Aufkleber anzubringen. „Bitte gerade“, höre ich von rechts und schaffe es tatsächlich, den rechteckigen Streifen ziemlich akkurat auf der Kassette zu platzieren – finde ich zumindest. „Es sieht immer toll aus, wenn es im Laden hängt, aber niemand denkt, dass es von Hand aufgeklebt wurde“, sagt Maren, während sie die Produktbeschreibung noch einmal fest andrückt. „Mmh, war wohl doch nicht so ganz richtig von mir“, denke ich.

Na ja, weiter geht‘s: Schnell ziehe ich die Folie vom zweiten Aufkleber und pappe ihn unten auf die Kassette. Nun nur noch einer für die Rückseite und fertig bin ich. Das ist dann auch der Moment, in dem Maren ihre Kritik über mein langsames Arbeiten bei Werkstattleiterin Eileen Bumann loswird. Maren erzählt, sie schaffe sechs Kartons pro Arbeitstag. In jedem seien 180 Kassetten. Das sind ja mehr als 1 000 Stück, denke ich mir. In meinem Tempo braucht es dann wohl mehr als einen Arbeitstag, der in den Werkstätten um 8 Uhr beginnt und um 15.45 Uhr endet.

Mir fehlen derweil noch die Bohrer. Beherzt greife ich in die Box mit den kleinsten Exemplaren, nur um mir einen Rüffel von Maren einzufangen. „Nur mit Handschuh“, informiert sie mich, sonst würde ich mir „die Hände blutig piksen“. Recht hat sie, beim Eindrücken des zweiten Bohrers in die Kunststoffhalterung rutsche ich ab und bin froh über den Handschuh.

Viel zu langsam

Wenige Augenblicke später sind alle Aufsätze in der Box. Fehlt nur noch die Diebstahlsicherung. Das fingernagelgroße Teil durch die entsprechende Öffnung zu drücken, macht alles andere als Spaß, aber letztendlich kriege ich es hin. Nur eben viel zu langsam, das muss mir keiner mehr sagen, ich merke es selbst.

„So viel zu einfacher Arbeit“, sagt Chefin Bumann lachend. Sie kommt herein, nachdem sie Besucher vom Werkstattraum nach draußen geführt hat, wo Himmelsthür-Bewohner im Gewächshaus und bei der Kaminholz-Produktion arbeiten. „Ich bin ganz überrascht, wie viele Leute hier sind“, meint sie zufrieden. Dann muss sie schon wieder weiter.

Währenddessen haben sich wieder ein paar Besucher um Maren geschart. Und ihre flinken Finger kleben viel schneller als meine. Sieht einfach aus, ist es aber nicht.

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