Senioren im Landkreis Oldenburg nutzen in der Coronakrise intensiv Beratungsangebote

Hilfe über das Telefon und im Internet

Zu Beginn der Coronakrise nutzen ältere Menschen vor allem das Telefon, um sich beraten zu lassen. Symbolfoto: dpa

Landkreis Oldenburg – Die Coronakrise hat den Alltag der Menschen auf den Kopf gestellt, viele Dinge sind nicht mehr so, wie sie einmal waren – Umstellungen und Umgewöhnungen waren erforderlich. Das betrifft nicht zuletzt alte Menschen. Doch wie sind die Senioren in der Region mit dieser außergewöhnlichen Situation umgegangen? Inca Schröder vom Seniorenstützpunkt des Landkreis und Dr. Ina-Maja Lemke-Eger, die Beauftragte für Fragen des Alters, berichten von ihren Erfahrungen, die sie in den vergangenen Wochen gemacht haben.

Am Anfang der Krise sei das allgemeine Informationsbedürfnis von Senioren zu Covid-19 noch groß gewesen, berichten die Mitarbeiterinnen des Amts für Teilhabe und Soziale Sicherung in einer Mitteilung des Landkreises. So sei die telefonische Beratungsnachfrage von Mitte März bis Anfang April bei ihnen sieben Tage die Woche gelaufen. Senioren interessierte vor allem, was sie an Hygiene beachten müssen, wo sie Desinfektionsmittel herbekommen, an wen sie sich wegen eines Einkaufsservice wenden dürfen und ob sie ihre Arzttermine noch wahrnehmen können. Ab Mitte April habe sich die Beratungsanfrage allerdings stark verändert: Corona gelte nicht mehr als das Hauptthema, sondern als Anlass eine, seniorenrelevante Beratung zu suchen und zu erhalten.

„Es scheint auf den ersten Blick so, als ob in die allgemeine Lage auch für Ältere so etwas wie eine Art von ,Routine‘ eingekehrt wäre“, schildern die beiden Expertinnen ihre gewonnenen Eindrücke. Jetzt machten sich vermehrt Angehörige von Senioren Sorgen, wie es in Zukunft im alltäglichen Leben mit den meist über 75-Jährigen weitergehen kann: Sätze wie „Ich weiß nicht, ob ich bei Ihnen richtig bin, ich habe Ihre Telefonnummer aus dem Internet, da ich bei anderen Beratungsstellen nicht durchkomme...“, hätten Schröder und Lemke-Eger gerade in den vergangenen Tagen häufiger gehört. Auch die Anzahl der Anrufe aus dieser Altersgruppe sei aktuell rückläufig. Es meldeten sich eher Dritte, die sich Sorgen machen und Rat suchen, wie und wo sie Unterstützung für ihre Familienangehörigen, Nachbarn oder Bekannten erhalten können.

Viele der Anrufer hätten – erzwungenermaßen – tatsächlich jetzt die Zeit, sich intensiver Gedanken zu machen und sich mit seniorenrelevanten Unterstützungsthemen zu beschäftigen, bewerten die Fachfrauen die Situation. Die meisten Hilfesuchenden seien dankbar für jeden Hinweis und jede Möglichkeit, sich mit bestimmten Dingen noch gründlicher auseinanderzusetzen – gerade auch ohne einen Fuß in eine Beratungsstelle setzen zu müssen.

In diesem Zusammenhang habe das Internet eine besondere Rolle gespielt: „Es war mehr als sinnvoll, die Seite der Seniorenvertretung im Landkreis freizuschalten. Viele ratsuchende Angehörige konnten bereits dort auf die Themen, Broschüren und Kontaktpartner im Hilfenetzwerk hingewiesen werden. Damit hat sich die intensive Arbeit mit der Seniorenvertretung hinsichtlich digitaler Informationen gerade jetzt in der Krise schon bewährt. Hat man früher Ratgeber oder Telefonnummern herausgegeben, ist heute bei vielen eine direktere, schnellere Infoweitergabe möglich“, so Lemke-Eger weiter. Die neue Seite (wir berichteten) ist unter der Adresse www.seniorenvertretung-kreisoldenburg.de erreichbar. „Einige Anrufer sitzen direkt am Computer und können zu den jeweiligen Themengebieten direkt navigiert werden. Kommen doch noch direkte Fragen zu Corona in Bezug auf Ältere, kann darüber hinaus immer noch zu den Sonderseiten ,Corona aus seniorenspezifischer Sicht‘ verwiesen werden.“ Dort fänden auch Menschen mit Migrationshintergrund Informationen und Hinweise in unterschiedlichen Sprachen.

Aber nicht nur die Klientel der Anrufer habe sich während der Krise verändert. Die Meisten, so haben Dr. Lemke-Eger und Schröder festgestellt, bräuchten „einfach jemanden, der ihnen zuhört und ihnen Mut macht.

Deswegen verbinden die beiden Ansprechpartnerinnen ihren Bericht noch mit einem persönlichen Appell, der ihnen besonders auf dem Herzen liege: „Was uns mehr und mehr beschäftigt ist die Gefahr der sozialen Isolation Älterer. Es geht um Senioren, die gar keine Angehörigen oder Bekannte haben, die sich jetzt um sie oder um ihre Angelegenheiten kümmern. Ältere, die von den Kontaktbeschränkungen isoliert und möglicherweise von Einsamkeit und depressiven Verstimmungen betroffen sind“, schreiben sie. Es sei für alle eine schwierige Situation. Ältere und pflegebedürftige Menschen seien bestmöglich zu schützen und gleichzeitig solle ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben so gut es geht ermöglicht werden. Hier gehe es nicht nur um Fragen, wie diese Älteren erreicht und motiviert werden können, Hilfe anzunehmen und Unterstützung zu gewährleisten. Vielmehr müsse überlegt werden, wie einer „Altersdiskriminierung“ vorgebeugt werden kann. Denn eines sei klar: „Alter darf öffentlich nicht von vornherein mit Risiko gleichgesetzt werden.“

Ganz ähnliche Erfahrungen hätten die Beraterinnen des Pflegestützpunktes während der Coronakrise gemacht: „In erster Linie hatten sie es mit ratsuchenden pflegenden Angehörigen von an Demenzerkrankten zu tun. Darüber hinaus kam es aufgrund der geschlossenen Tagespflegen, Aufnahmestopps in den Alten- und Pflegeheimen zu einer erhöhten Nachfrage nach Betreuungshilfen, ambulanten Pflegediensten und Möglichkeiten der vollstationären Unterbringung.

Da auch viele selbst organisierte 24-Stunden-Betreuungskräfte durch osteuropäische Agenturen wegzubrechen drohten, deutete sich eine große Versorgungslücke in der häuslichen Pflege an. Die Angehörigen gerieten unter starken psychischen Druck, die Versorgung unter diesen schwierigen Bedingungen zu kompensieren. Es sei zudem deutlich geworden, dass viele Familien noch einen Regelungsbedarf hinsichtlich Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen und dergleichen hatten, heißt es abschließend.

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