„Hier wird ein Berufsstand geopfert“

Düngeverordnung: Vorsitzender des Kreislandvolkes attackiert Bundesministerinnen

Nitratbelastung des Grundwassers: Der Vorsitzende des Kreislandvolkes sieht seinen Berufsstand zu Unrecht öffentlich angeprangert. Symbolfoto: dpa
+
Nitratbelastung des Grundwassers: Der Vorsitzende des Kreislandvolkes sieht seinen Berufsstand zu Unrecht öffentlich angeprangert.

Landkreis/Großenkneten – Erst seit elf Tagen ist der neue Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes Oldenburg im Amt: Detlef Kreye hatte im Rahmen der Vertreterversammlung in Wardenburg den Posten von Jürgen Seeger übernommen (wir berichteten). Hatte sich Kreye in dem öffentlichen Teil der Veranstaltung noch mit Aussagen zu aktuellen Themen zurückgehalten, legt er jetzt in einer Pressemitteilung nach.

„Mit ungewöhnlich scharfen Worten“, heißt es in dem Text des Kreislandvolkes, wende sich der Vorsitzende gegen das Vorhaben der Bundesregierung, die geplante Verschärfung der Düngeverordnung eine Woche vor dem bisher vorgesehenen Termin im Bundesrat abstimmen zu lassen: „Da wird ein Exempel statuiert. Weder wissenschaftliche Grundlagen noch ausreichende Beratung der von den Bundesländern dazu eingereichten Änderungsanträge finden bei den Bundesministerien für Landwirtschaft und Umwelt unter der Führung von Julia Klöckner und Svenja Schulze Gehör. Hier wird ein Berufsstand geopfert“, wettert der Großenkneter.

Alle in diesen Tagen von Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner geäußerten „guten Worte, dass wir in diesen schwierigen Zeiten mehr denn je auf die Landwirte zur Versorgung unserer Bevölkerung angewiesen sind“, lösten sich angesichts der Tatsache, jetzt „im Hauruckverfahren“ der Europäischen Union einen Erfolg zur Düngeverordnung zu liefern, in Schall und Rauch auf. Kreyes Urteil: „Die Glaubwürdigkeit der Ministerin ist damit weg.“

Übt harsche Kritik: Detlef Kreye aus Großenkneten

So die aktuelle Fassung der besagten Verordnung unverändert verabschiedet werde, werde man in fünf Jahren feststellen, dass sich im aktuell der EU gemeldetem Belastungsmessnetz in Sachen Nitrat nichts geändert haben werde, ist er sich sicher. „Dann wird die Landwirtschaft erneut öffentlich angeprangert werden und mit neuen, ebenso unwirksamen Restriktionen belegt werden“, so der Landvolk-Chef weiter. Die Werte in den gemeldeten Grundwassermessstellen werden sich nicht ändern, prognostiziert der Großenkneter, weil die aktuelle beabsichtigte 20-prozentige Unterdüngung in nitratsensiblen Gebieten auf den Äckern im Endeffekt nichts für das Grundwasser bewirken werde. Er bezeichnet dies als einen „rein formaljuristischen Schachzug“, der lediglich am Schreibtisch funktioniere.

Weiterhin stehe das Verbot der Düngung der Zwischenfrüchte im „krassen Gegensatz“ zu den Klimazielen 2050, befördere die Bodenerosion und behindere Biodiversität: „Eine unterernährte Zwischenfrucht hat Bodenerosionen und Humusabbau zur Folge. Humusabbau bedeutet Kohlendioxid-Freisetzung, bedeutet Verstärkung des Klimawandels“, befindet Kreye weiter. Das könne nicht das Ziel der Landwirtschaftspolitik sein. Dies widerspreche zudem der in den Trinkwasserschutzgebieten erfolgten langjährigen Gespräche und Kooperationen von Landwirten mit Wasserversorgern.

In diesem Zusammenhang weist der Landwirt noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass eine Anhörung zu dem Änderungsentwurf noch bis zum 2. April dieses Jahres möglich sei. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium sollen danach alle eingegangenen Stellungnahmen ausgewertet und gegebenenfalls erforderliche Änderungen im Entwurf zur Düngeverordnung vorgenommen werden. „Wie soll das funktionieren angesichts der geplanten vorgezogenen Beratung?“, fragt Kreye. Dieses Vorgehen befördere die Unglaubwürdigkeit der Politik und liefere zudem „eine Steilvorlage für anschließende Klageverfahren“, droht er. Kreyes Urteil: „Die Düngeverordnung in der aktuellen Fassung zu beschließen, ist völlig sinnbefreit.“ Nichts sei für die sichere Versorgung der hiesigen Bevölkerung wichtiger als eine funktionierende heimische Landwirtschaft. Die aktuelle Notlage zeige, dass „man die gesamte Wirtschaft anhalten kann, nur die Landwirtschaft nicht“. Nichts sei systemrelevanter als genügend Nahrung.

Der Landkreis Oldenburg hat, unter anderem in Zusammenarbeit mit hiesigen Landwirten, seit 2013 ein eigenes Überwachungsprogramm für die Grundwasserqualität aufgelegt. Landrat Carsten Harings hatte während der Vertreterveranstaltung des Kreislandvolkes darauf hingewiesen, dass darin zahlreiche Nitratwerte nach wie vor zu hoch seien und es „noch einiges zu tun“ gebe –auch vonseiten der Landwirtschaft (wir berichteten). Aktuell werden im Landkreis Oldenburg 56 Messstellen einmal jährlich auf Nitrat beprobt, heißt es auf der Homepage des Landkreises. Dort lässt sich auch eine Karte des Kreisgebietes mit Messwerten abrufen (www.oldenburg-kreis.de oder bit.ly/39eR9ly).

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Meistgelesene Artikel

Lastwagen fährt Baustellenbaken um und fährt weiter

Lastwagen fährt Baustellenbaken um und fährt weiter

Sechs Corona-Infizierte in Wildeshausen

Sechs Corona-Infizierte in Wildeshausen

Corona-Fallzahl steigt leicht an: 113 Erkrankte im Landkreis Oldenburg

Corona-Fallzahl steigt leicht an: 113 Erkrankte im Landkreis Oldenburg

Brettorfer Flugzeughersteller Flywhale Aircraft ist zahlungsunfähig

Brettorfer Flugzeughersteller Flywhale Aircraft ist zahlungsunfähig

Kommentare