Von Hexern und erotischer Bibellektüre: Gisela Mott-Dreizler erhellt in ihrer bildnerischen Kunst, was in Texten übersehen wird

Dunkles geht eine Symbiose mit Heiterem ein

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Hat sich ein breites Spektrum an künstlerischen Techniken angeeignet: Gisela Mott-Dreizler.

Wildeshausen - Die Malerin und Illustratorin Gisela Mott-Dreizler liebt Geschichten, erzählt sie allerdings auf ihre ganz eigene Weise. Den Besuchern der Vernissage am Freitagabend in der Galerie Wildeshausen von Hartmut Berlinicke fiel es nicht schwer, mit ihren Bildern in die märchenhaften Welten einzutauchen, von denen ihre bildnerischen Umsetzungen in Holzschnitt vom „Hohen Lied der Liebe“, vom „Häwelmann“ oder von den „Lebenslustigen Hexern auf dem Meer des Südens“ erzählen.

Nicht nur die Werke an den Wänden waren zu bestaunen; Mott-Dreizler brachte auch ihre dazugehörigen Kunstbücher mit, in denen sie Literatur und Kunst auf eine ganz neue Weise miteinander verwebt. Die Künstlerin, die schon häufig bei Berlinicke ausstellte, zeigt in der aktuellen Werkschau Arbeiten aus den vergangenen sechs Jahren.

Besonders das Märchenhafte ist in Mott-Dreizlers Bildern zu Hause. Die Texte, denen sie sich widmet, oft von großen Dichtern aus aller Welt, wählt sie ausschließlich selbst aus, um aus der Verbindung von Literatur und Kunst ein Gewebe herzustellen, das den Sinn des Textes im Wortsinn des lateinischen „illustrare“ erhellt und ans Licht bringt, was beim flüchtigen Lesen übersehen wird. Dazu hat sie sich ein breites Spektrum an Techniken angeeignet – von Linol- und Holzschnitt über Radierung und Lithografie bis hin zur Linol-Ätzung. Intensiv widmete sie sich in ihrer jüngsten Schaffensphase dem Holzschnitt und zeigt daher bei Berlinicke ausschließlich Werke, die in dieser Technik entstanden sind.

Ihren Themen wohnt oft eine magische und nicht selten auch eine dunkle Seite inne. Mystik und Verspieltheit kontrastieren in ihren Werken; das Dunkle und Geheimnisvolle gehen eine Symbiose mit dem Heiteren und Märchenhaftem ein. Auch der Prozess, in dem Mott-Dreizler während ihrer Arbeit Text und Bild zusammenfinden lässt, ist für sie selbst stets fast ein mystischer Vorgang. Sie habe „eine tiefe Verbindung zu Literatur“, sagt die Künstlerin. „Wenn ich nicht Kunst studiert hätte, wäre es wohl Literatur geworden“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Schon während ihrer Kindheit und Jugend manifestierte sich ihre Leidenschaft fürs Lesen und für Bücher – aber eben auch für die bildnerische Kunst, die aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Liebe, Freundschaft, Treue, viel Natur und nicht zuletzt brisante Erotik sind in ihren Darstellungen zum „Hohen Lied Salomo“ aus der Bibel zu finden. In ihren Werken fällt ebenso die eindrucksvolle Farbgebung besonders auf und zieht den Betrachter in seinen Bann. So auch in der Serie zu dem südamerikanischen Autor Eduard Galeano, dessen „Lebenslustige Hexer auf dem Meer des Südens“ die Künstlerin auf ihre spezielle Weise illustrierte.

Zuletzt widmete sich Mott-Dreizler dem „Häwelmann“ von Theodor Storm. Die in der Nähe von Husum lebende Künstlerin liebt die Literatur von Storm und erhielt für ihr Kunstbuch aus Linol-Ätzung zu „Pole Poppenspäler“ bereits den bekannten Stormpreis.

Mittlerweile bereichern viele ihrer Holzschnitte und Radierungen die Texte der kunstvoll gefertigten Bücher des Verlages „Quetsche“ in Witzwort, den sie gemeinsam mit ihrem Partner Reinhard Scheuble betreibt.

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