INTERVIEW Pastorin Beatrix Konukiewitz zum Umgang der Kirche mit Corona

Heiligabend: Andacht am Amtshaus

An einer mobilen Trennwand im Jugendraum: Pastorin Beatrix Konukiewitz.
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An einer mobilen Trennwand im Jugendraum: Pastorin Beatrix Konukiewitz.

Wildeshausen – Weihnachten steht bevor und damit eines der wichtigsten Feste für Christen. Doch in der Corona-Pandemie hat sich das Gemeindeleben für viele Menschen und die Kirchen grundlegend geändert. Im Gespräch mit Pastorin Beatrix Konukiewitz von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Wildeshausen geht es um eine Bilanz und einen Ausblick rund um die Alexanderkirche. Die Fragen stellte Dierk Rohdenburg .

Seit rund einem halben Jahr muss sich auch die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Wildeshausen mit den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie arrangieren. Wie fällt Ihre grundsätzliche Bilanz aus?

Die Veränderungen kamen für uns sehr überraschend. Kurz vor dem Lockdown hatten wir am 7. März noch einen großen Gottesdienst zur Vorstellung der Konfirmanden mit mehr als 300 Besuchern. Wir hatten ein gemeinsames Abendmahl an drei Orten in der Kirche. Es gab Rosinenbrot als Zusammenfassung für Brot und Wein, und wir haben darauf hingewiesen, dass wir uns nicht die Hand geben und umarmen sollten. Eine Woche später durften wir nicht mehr gemeinsam Gottesdienst feiern. Das hat unseren Nerv getroffen, weil wir den Glauben intensiv miteinander leben.

Doch Sie sind dann neue Wege gegangen?

Ja, wir haben unsere Erfahrungen mit Gottesdiensten im Internet gemacht. Es war ungewohnt, nun für unseren Youtube-Kanal zu drehen. Aber wir haben auf diesem Weg viele Menschen aller Altersgruppen erreicht. Sehr gut angenommen wurden auch unsere Kerzenandachten, die damit begannen, dass gemeinsam in ganz Deutschland „Der Mond ist aufgegangen“ gesungen wurde. Diese Treffen werden noch immer sehr gut besucht.

Erreichen Sie die Konfirmanden?

Ja, wir können zwar in diesen Zeiten keine großen und lebendigen Treffen organisieren. Aber es gibt die regelmäßigen kleinen Treffen mit Abstand. Auch die Singschule für die Kleinsten ist derzeit unterbunden. Aber es gibt beispielsweise selbst produzierte Mitmach- und Musikvideos auf Youtube von Familie Grössler, die gerne angeschaut werden. Wir versuchen, alle auf anderen Wegen anzusprechen, als es früher der Fall war.

Und die Senioren?

Da ist es natürlich oft schwierig, weil viele das Internet nicht nutzen. Es gibt aber viel Gesprächsbedarf. Wir versuchen, das durch Telefonate aufzufangen. Wir schreiben die Leute auch bei Ehejubiläen oder hohen Geburtstagen an. Einige rufen dann zurück, und wir können miteinander ins Gespräch kommen. Ich habe viel öfter als früher das Telefon in der Hand. Und die Unterhaltungen sind deutlich länger.

Ist der seelsorgerische Aufwand durch Corona gewachsen?

Der Bedarf an Gesprächen ist auf jeden Fall gewachsen. Es fehlt leider derzeit die persönliche Nähe.

Wie ist es mit Hochzeiten?

Man kann natürlich in der Kirche heiraten. Wir haben 87 Plätze mit Abstand. Aber die meisten Hochzeiten sind abgesagt und verschoben worden.

Gibt es Begrenzungen bei Beerdigungen?

Die finden ja auf dem städtischen Friedhof statt und dort gelten die kommunalen Regeln. In der Kapelle gibt es bei Trauerfeiern auch nur begrenzt Plätze. Alle müssen sich an die Abstände und Hygienemaßnahmen halten. Das alles ist für die Angehörigen nicht leicht. Auch, wenn wir sie besuchen kommen. Da dürfen auch nur ein Haushalt und ich dabei sein, und es muss regelmäßig gelüftet werden. Im Gemeindehaus können mehr Personen anwesend sein.

Was hoffen Sie, können Sie an Weihnachten machen?

Wir haben Pläne. Wir werden bereits Mitte Dezember zwei Gottesdienste für Heiligabend aufzeichnen, die auf Youtube gezeigt werden. Der eine Gottesdienst ist eher traditionell und der andere wird moderner, mit Gospelmusik. Am 24. Dezember soll es drei Gottesdienste im Freien beim „Alten Amtshaus“ geben. Dort kann der Abstand gewahrt werden, und es darf gesungen werden. Wir stellen uns das ganz schön vor. Die Gottesdienste sind natürlich kürzer als gewöhnlich. Die Christmette um 23 Uhr fällt aber auf jeden Fall aus.

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