Auf der Heide, auf der Weide

Moorschnucken kommen auf dem Pestruper Gräberfeld an

Der Ziegenbock versucht, sich bei den Schafen auch mal mit den Hörnern durchzusetzen.
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Der Ziegenbock versucht, sich bei den Schafen auch mal mit den Hörnern durchzusetzen.

Wildeshausen - Von Katia Backhaus. Beschaulich ist es auf der Heide, im Nebel verschwimmen die Bäume in der Ferne, der Blick in die Weite lässt Ruhe einkehren. Aber leise ist es nicht auf dem Pestruper Gräberfeld: Seit Mittwoch sind die Moorschnucken zurück. Auf die hellen Rufe der Lämmer blöken die Mutterschafe Antwort, immer und immer wieder. Das hat mit der Bindung an die Mutter zu tun, erklärt Schäfer Oliver Wohlann. Er hütet die Tiere im Wechsel mit seiner Partnerin Susanne Loewe. Vier Hunde helfen den beiden dabei. Die Herde bleibt bis zur Schafschur am Sonntag, 19. Mai.

In den ersten Tagen sind die Schnucken nur wenige Stunden draußen, um sie an die neue Situation zu gewöhnen. Ab kommender Woche sollen sie dann rund sechs Stunden am Tag auf der Heide sein. Wohlann lässt die Herde nah an dem Koben weiden, in dem sie nachts untergebracht ist. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens sind die vielen Lämmer noch nicht kräftig genug für weite Wege: „Mit dem Trupp kann man noch nicht bis zum Wald ziehen“, sagt Wohlann. Manche sind erst zwei Wochen alt, sie trinken noch an der Zitze und müssen sich erst an die Heide gewöhnen. Beim Spielen hingegen sind die Kleinen schon ziemlich fit: Aus dem Stand hüpfen sie mit allen Vieren in die Luft und rennen den anderen neugierig hinterher.

Zweitens mögen Schafe es nicht gern, wenn die Herde bereits durch ihr Futter getrampelt ist. „Die gehen nach der Nase: Wenn irgendwo viel Kot liegt, dann fressen sie dort nicht mehr“, erläutert Wohlann. Es sei wichtig, dass die Schäfer sich mit den Tieren von vorne nach hinten vorarbeiten. Der 27-Jährige und Loewe tauschen sich deshalb genau darüber aus, an welche Stelle sie die Schnucken geführt haben.

Schnucken mit ihren Lämmern auf der Heide am Pestruper Gräberfeld: Auch das Weiden will gelernt sein.

An einem kahlen Busch rangelt der Ziegenbock, der auch zur Herde gehört, mit zwei Schafen. Mit seinen dicken Hörnern versucht er die Schnucken, die doppelt so groß sind wie er, zur Seite zu schubsen, um an die Zweige zu kommen. „Ziegenböcke müssen sich die Aggression irgendwo abschubbern“, sagt Wohlann. Kopf an Kopf stehen die drei, eine Schnucke wetzt den Huf im Boden. Dominanzgerangel, erklärt der Schäfer: „Das ist jetzt so ein bisschen Tuerei zwischen den dreien.“

Die Herde muss sich also auch erst einmal zusammenraufen. Neben den Moorschnucken, die Loewe und Wohlann von ihrem Arbeitgeber, dem ehemaligen Schäferhof Teerling, gekauft haben, sind auch eine Ziege und ein Ziegenbock sowie zwei Mischlingsschafe dabei. Eins von ihnen hat braunes Fell, das habe er mal von seinem Cousin geschenkt bekommen, sagt Wohlann. Für die anderen Tiere war das ungewohnt, sonst gilt für sie die Logik „schwarzer Hütehund, weißes Schaf“. Es könne vorkommen, dass dunkle Schafe tagelang ausgeschlossen werden, erzählt der 27-Jährige: „Das ist Gewöhnungssache“. Auffällig sind auch die bunten Flecken, die manche Tiere im Fell haben. Das sind Mutterschafe von Zwillingen oder Drillingen, erklärt der 27-Jährige. Damit sie den Nachwuchs, der meist etwas schwächer ist, im Notfall schnell zuordnen könnten, würden Mutter und Lämmer mit demselben Symbol markiert.

Auf einem kleinen Hügel hat sich eine Schnucke bedrohlich vor Hütehund Hector, einem altdeutschen schwarzen Schäferhund, aufgebaut. Das Schaf macht einen entschlossenen Schritt nach vorne, der Hund bellt es an und weicht zurück. Dann dreht er wieder um. Das geht ein paar Mal so, dann ist die Lektion angekommen: Die Schnucke und ihr Lamm treten den Rückzug an, die Herde kommt wieder zusammen. Nicht alle Tiere, die auf dem Pestruper Gräberfeld weiden, haben Hüteerfahrung, erläutert Wohlann. „So lernen auch die Lämmer am besten, wenn die Hunde ein bisschen mit der Stimme arbeiten.“ Der erste Weidegang ist quasi die Grundschule der Mini-Schnucken. Hector ist ihnen ein guter Lehrer: „Der weiß eigentlich immer, was er zu tun hat.“

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