Bündnis „So.Wi.Wir – Solidarisches Wildeshausen“ fragt

„Hat Wildeshausen ein rechtes Problem?“

Infoveranstaltung von „So.Wi.Wir“ vor zwei Jahren: Ralf Beduhn (links) hielt ein Referat, Volker Beyer und Kreszentia Flauger (von rechts) lasen AfD-Zitate vor.
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Infoveranstaltung von „So.Wi.Wir“ vor zwei Jahren: Ralf Beduhn (links) hielt ein Referat, Volker Beyer und Kreszentia Flauger (von rechts) lasen AfD-Zitate vor.

Wildeshausen – „Hat Wildeshausen ein rechtes Problem?“, fragt das Bündnis „So.Wi.Wir – Solidarisches Wildeshausen“ in einer Pressemitteilung und plant am Sonnabend, 8. Mai, ein Projekt mit kritischen Fragen auf der eigenen Facebookseite zu starten.

Der 8. Mai 1945 gilt als Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus. Nicht zuletzt der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) nahm in einer Rede im Jahre 1985 diese Charakterisierung vor. Vor diesem Hintergrund macht sich „So.Wi.Wir“ Gedanken über die Vergangenheit und Gegenwart in der Kreisstadt. Einer der Sprecher der Gruppe, Ralf Beduhn, erinnert daran, dass die Nachfolgeorganisation der NSDAP, die „Sozialistische Reichspartei“ (wurde 1952 verboten) bei den Landtagswahlen 1951 in Niedersachsen elf Prozent der Stimmen erreichte, in Wildeshausen aber deutlich über dem Landesdurchschnitt lag. „Damit setzte sich eine unselige Tendenz fort, die schon seit den 1920er-Jahren in Wildeshausen zu beobachten war“, heißt es von „So.Wi.Wir“. „Während die NSDAP bei den Reichstagswahlen 1928 lediglich 2,6 Prozent erreichte, waren es in Wildeshausen zu diesem Zeitpunkt schon 17,5 Prozent. Und bei den Wahlen 1932 erzielte diese offen rassistische und gewaltbereite Partei in Wildeshausen 51,6 Prozent, außerdem die republikfeindliche und militaristische Deutsch-Nationale Volkspartei (DNVP) 22,7 Prozent.“

Nationalsozialist in Wildeshausen später noch Bürgermeister

Als skandalös, aber auch symptomatisch für die „Tendenz der Verdrängung und der Selbstentlastung“ – auch noch Jahrzehnte nach Kriegsende – ist laut Beduhn die Tatsache zu werten, dass der höchste Vertreter des NS-Regimes vor Ort, der NSDAP-Ortsgruppenleiter (ab 1931) und Bürgermeister von 1933 bis 1945, Hermann Petermann, von 1968 bis 1970 (mit der ausschlaggebenden Stimme der NPD im Stadtrat) wiederum zum Bürgermeister gewählt wurde und von 1971 bis 1976 als stellvertretender Bürgermeister fungierte. „Und von 1964 bis 1972 bekleidete Petermann sogar das Amt des Landrats oder des Stellvertreters“, so Beduhn. „Eine konsequente Auseinandersetzung mit den unfassbaren Verbrechen des deutschen Faschismus und des ihm dienenden und unterstützenden Personals sieht anders aus.“ Beduhn erinnert daran, dass 1982 durch Ratsbeschluss eine Straße in Wildeshausen nach Petermann benannt wurde. „Diese politische Geschmacklosigkeit, insbesondere gegenüber der größtenteils im Holocaust ermordeten jüdischen Bevölkerung aus Wildeshausen, wurde erst 2012 aufgrund des beharrlichen Engagements der Politikerin Kreszentia Flauger (Die Linke) durch eine Straßenumbenennung aus der Welt geschafft.“

Auch aktuell ein Problem mit Rechtsextremismus?

Nach Einschätzung von „So.Wi.Wir“ hat Wildeshausen aber auch aktuell ein rechtes Problem. „Reichskriegsflaggen im Straßenbild, rechte Propaganda aus den Reihen des Bauhofs, Propagandaaufkleber der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung und anderer extrem rechter Gruppieren sowie überdurchschnittlich hohe Wahlergebnisse der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften AfD in Wildeshausen sind unleugbare Hinweise“, meint die Gruppe. Sie verweist darauf, dass die AfD bei den Landtagswahlen 2017 im Wahlkreis Oldenburg-Land 5,69 Prozent, in Wildeshausen jedoch acht Prozent, in einigen Stimmbezirken sogar bis zu 15 Prozent erreichte. Und bei der vergangenen Bundestagswahl sei die AfD in Niedersachsen durchschnittlich auf acht Prozent, dagegen in Wildeshausen auf 11,33 Prozent gekommen.

Das sind für „So.Wi.Wir“ genügend Gründe, eine Podiumsdiskussion zu planen, sobald die coronabedingten Einschränkungen aufgehoben werden.

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