Hans Spille ist ältester Offizier, Urenkel Tobias schießt mit Armbrust auf den Vogel

In der „Gildeshauser Familie“ fehlt nur ein König

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Die „Gildeshauser Familie“ mit (v.l.): Jürgen Behrens, Matthias Behrens, Hans Spille, Thomas Finkenzeller und Tobias Finkenzeller.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Wer über Wildeshauser Familien nachdenkt, die seit vielen Jahren und Generationen mit der Wildeshauser Schützengilde verbunden sind, kommt nicht um den Namen Spille herum. Wohl keine Familie kann mehr Offiziere nachweisen. Und nicht zuletzt: Hans Spille ist im Alter von 100 Jahren das älteste Gildemitglied.

Die Geschichte der „Gildeshauser Familie“ beginnt jedoch schon eine Generation früher. Denn der Vater von Hans, Johannes Spille, wurde im Jahr 1924 Schaffer. Das war der Zeitpunkt als Hans so ganz insgeheim beschloss: Später werde ich Oberst der Schützengilde.

Heute kann Hans Spille darüber lächeln. Oberst wurde er im Jahr 1994, und die Ernennung war für ihn eine große Ehre.

Wer sich in der Familie umsieht, trifft so ziemlich in jeder Verästelung des Stammbaumes auf Offiziere und Musiker, die zu Pfingsten auf den Beinen sind. Alle aufzuzählen würde ein Buch füllen. Denn Hans Spille wurde 1952 Schaffer, sein Bruder Heinz folgte ihm 1952, und schließlich sollte zwar nicht ein leiblicher Verwandter, aber ein angeheirateter Enkelsohn ebenfalls Schaffer werden. Als Thomas Finkenzeller 2006 Schaffer wurde, war Opa Hans richtig stolz auf seine Enkelin Petra und deren Mann.

Beim Gesprächstermin zeigte sich der Hundertjährige äußerst fit. Gedanklich ohnehin, aber dann setzte er sich – seit langem mal wieder – ans Klavier und spielte das „Wildeshauser Lied“. „Die Schützengilde wird bei uns ganz groß geschrieben“, sagte er. „Das ist gelebte Tradition, das ist Zusammenhalt in der Stadt und der Familie.“

Zur Tradition gehört es auch, dass jeden Dienstag nach Pfingsten das Musikkorps Wittekind in den Garten der Spilles kommt und dort aufspielt. In diesem Jahr gibt es eine Premiere, denn Urenkelin Lena-Marie (15) ist das erste Mal beim Ausmarsch als Musikerin dabei.

Wo man bei den Spilles hinsieht: überall Offiziere und Schwarzröcke. Hans Spilles Schwiegersohn Jürgen Behrens ist in der Gilde, dessen Sohn Matthias kommt jedes Jahr zu Pfingsten zu Besuch. Wenn er gewollt hätte, dann wäre er auch Schaffer geworden. Doch er hatte damals verzichtet.

Das kommende Pfingsten könnte für Hans Spille einen weiteren Höhepunkt bringen. Denn eins fällt auf: In der Familie gibt es zwar viele Schwarzröcke und Offiziere, einen König sucht man dort aber vergebens. Diese kleine Scharte könnte Urenkel Tobias auswetzen. Der zwölfjährige Sohn von Thomas Finkenzeller trainiert bereits fleißig für das Kinderschützenfest. Dann möchte er gerne die erste Majestät in der „Gildeshauser Familie“ werden. Gildekönig und Schaffer kann er dann ja später immer noch werden – als vorerst letztes Glied einer Familie, die die Gilde lebt.

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