Diskussion um Raser-Strafen

„Handy am Ohr müsste viel mehr bestraft werden“

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Reinhold Muhle kann die Forderung des Innenministers nicht nachvollziehen. 

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Mit einer diskussionswürdigen Idee hat Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius für Aufruhr unter den Autofahrern gesorgt: Er fordert drastische Strafen für Raser, möchte schon bei Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit um 20 oder 30 Stundenkilometer 1 000 Euro an Geldbuße kassieren. Zudem sollen bei Vergehen in Baustellen die Geldbußen verdoppelt und Fahrverbote wesentlich mehr ausgeweitet werden. Wir haben mit Autofahrern gesprochen und sie dazu nach ihrer Meinung befragt.

Manfred Roß hatte das Interview von Pistorius gelesen: „Ein solches Bußgeld wäre deutlich zu hart und unvorstellbar. Sicher muss es geahndet werden, wenn die Leute zu schnell fahren, auch ich bin hin und wieder mal etwas zu flott unterwegs, aber es muss alles im Rahmen bleiben.“ 1 000 Euro seien für einige Menschen schon fast ein ganzer Monatslohn: „Das wäre absolut nicht angemessen, wenn er damit durchkommt.“

In die gleiche Kerbe schlägt Sandra Wingenbach: „Ich frage mich, ob diese Menschen überhaupt nochmal nachdenken, bevor sie solche Sprüche loslassen. Strafe muss sein, aber in einem vernünftigen Rahmen.“ Wesentlich sinnvoller wäre es, wenn er sich verstärkt darum kümmern würde, dass mehr gegen die Autofahrer unternommen wird, die ständig mit dem Handy am Ohr am Steuer sitzen oder sogar Nachrichten während der Fahrt Nachrichten schreiben: „Dafür müssten die Strafen deutlich angehoben werden. Erst kürzlich hatte ich fast einen Unfall, weil mir eine junge Frau, die mit ihrem Handy am werkeln war, auf meiner Straßenseite entgegengekommen ist. Ich konnte gerade noch ausweichen.“

„Das geht doch gar nicht"

Völlig verärgert zeigte sich auch Inge Kunhardt: „Das geht doch gar nicht, so viel Geld für ein so geringes Vergehen zu kassieren. Ich hoffe nur, dass er mit diesem Vorschlag nicht durchkommt.“ Eine solche Buße stehe in keinem Verhältnis zu anderen Vergehen.

Inge Kunhardt hält nichts von der 1000-Euro-Idee.

„Das ist eine völlig überzogene Forderung, auch wenn es uns die Schweiz, Schweden und Norwegen mit ihren hohen Strafen vormachen“, betonte Reinhold Muhle. In seinen Augen sei es viel wichtiger, wenn generell mehr an Gefahrenpunkten wie Schulen, Kindergärten und Altenheimen geblitzt würde: „Dort kann die Strafe dann gerne etwas angehoben werden.“ Auch er sieht das größere Problem bei den Autofahrern mit Handy: „Sicher ist es für die Polizei schwer, sie zu bekommen, aber nötig wäre es. Es ist in der vergangenen Zeit in meinen Augen vermehrt zu Frontalcrashs gekommen. Wer weiß denn so genau, ob diese nicht durch das Hantieren mit dem Handy passiert sind? Sehr schnell können die Autofahrer, wenn sie abgelenkt sind, in den Gegenverkehr geraten.“

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