INTERVIEW: Bürgermeister Jens Kuraschinski zu Plänen und Perspektiven für Wildeshausen

„Handlungsbedarf in der Innenstadt“

Hier wird in Wildeshausen die Richtung vorgegeben und die Politik gemacht: im Stadthaus und im historischen Rathaus.
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Hier wird in Wildeshausen die Richtung vorgegeben und die Politik gemacht: im Stadthaus und im historischen Rathaus.

Wildeshausen – Am 12. September werden in Niedersachsen in vielen Gemeinden und Landkreisen die politischen Gremien neu gewählt. Während sich in anderen Gemeinden des Landkreises Oldenburg bereits mehrere Bewerber gemeldet haben, gibt es in Wildeshausen bislang mit dem amtierenden Bürgermeister Jens Kuraschinski lediglich einen Kandidaten für das Amt des Stadtoberhauptes. Redaktionsleiter Dierk Rohdenburg befragte ihn zu seinen Plänen für eine weitere Amtszeit.

Ist derzeit einziger Bewerber für das Bürgermeisteramt in Wildeshausen: Jens Kuraschinski.

Herr Kuraschinski, Sie sind bislang erster und einziger Kandidat für das Bürgermeisteramt in Wildeshausen. Rechnen Sie noch mit Bewerbern? Haben Sie die Unterstützung aller Fraktionen im Stadtrat?

Nun, es handelt sich beim Posten des Bürgermeisters um ein Wahlamt, sodass weitere Bewerberinnen oder Bewerber ja nicht von vornherein ausgeschlossen sind. Eine Auswahl gehört ja auch zu einer Demokratie. Über eine Unterstützung aller Fraktionen würde ich mich zwar sehr freuen, aber gar nicht unbedingt erwarten wollen. Mir ist gegenwärtig schon die Unterstützung einer Fraktion sowie von einigen Ratsmitgliedern signalisiert worden.

Was macht Ihnen Lust auf eine zweite Amtszeit?

Mir war neben der reinen Verwaltungsaufgabe bisher stets eine positive Entwicklung der Stadt Wildeshausen wichtig, also die Gestaltung unserer Zukunft. Ich bin der Meinung, Wildeshausen ist in vielen Bereichen sehr gut aufgestellt, und es hat sich hier in den vergangenen Jahren auch sehr viel getan. Wir dürfen jedoch nicht die Augen verschließen, denn in bestimmten Bereichen gibt es schon Handlungsbedarf, wie beim Erhalt einer attraktiven Innenstadt, dem Ausbau der Schulen oder bei der Förderung von Kultur und Sport.

Was ist Ihnen sehr wichtig?

Sehr viel Freude bereitet mir der direkte Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern, um mich der Sorgen anzunehmen, wo es möglich ist. Momentan ist das allerdings nur sehr eingeschränkt machbar, und mir fehlt seit Langem der persönliche Austausch. Insoweit versuche ich jetzt wieder, coronakonform persönlich vor Ort das Gespräch zu finden.

Sie haben den sozialen Wohnungsbau als große Aufgabe der Zukunft genannt. Wo soll der entstehen? Und welche Rolle spielen dabei die vielen Mitarbeiter von Geestland und anderen Unternehmen mit Beschäftigen, die nur Geringverdiener sind? Anfragen der Betriebe gibt es ja ...

Die Schlachtbranche führt schon zu einer deutlichen Anspannung am Wohnungsmarkt in Wildeshausen. Vielleicht ergeben sich in Kürze auch in der Nachbargemeinde Visbek neue Möglichkeiten für Wohnraum der Firma Geestland, denn die Gemeinde Visbek plant ja gerade diverse Baumöglichkeiten, wie neulich in der Presse zu lesen war.

Baugebiet vor Bargloy: Im Wildeshauser Westen kann die Stadt noch wachsen.

Die Stadt hat eine Wohnraumbedarfsprognose erstellen lassen, die zuletzt jährlich bis zum Jahre 2025 den Neubau von 94 Wohnungen, davon 46 als Mietwohnungen, empfiehlt. Die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme „Vor Bargloy“ dient hier vorrangig zur Bereitstellung solcher Flächen, auch für Mehrfamilienhäuser. Jährlich sollen dabei 16 Wohnungen gerade für einkommensschwache Familien in Wildeshausen bereitgestellt werden. Ich denke, das werden wir auch schaffen.

Und bei den bestehenden Immobilien?

Der Bestandsimmobilienmarkt leistet durch Umbau und Sanierung einen weiteren Beitrag an der Wohnraumversorgung in Wildeshausen, zum Beispiel durch kleinere Wohneinheiten nach einem Umbau. Ferner ist Ziel des jüngst beauftragten Dichtemodells, potenzielle Flächen aufzuzeigen, die sowohl für den Einfamilien- als auch Mehrfamilienhausbau in Betracht kommen können. Hier bin ich selbst auf die Ergebnisse gespannt, die bis Ende des Jahres gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet werden sollen. Ziel sollte sein, dass aber nicht überall Mehrfamilienhäuser in reinen Einfamilienhausgebieten entstehen.

Das Diakoniegelände ist gerade verkauft worden. Die Investoren wollen dort Wohnprojekte verwirklichen – ohne vorher mit der Stadt gesprochen zu haben. Was können Sie sich dort vorstellen, was nicht?

Nun, das Areal ist städtebaulich sicherlich eine Herausforderung. Problematisch ist allein schon die unzureichende Erschließung. Hinzu kommen die Waldflächen, die das Gebiet prägen und aus meiner Sicht absolut ein Tabu darstellen. Zudem zeichnen sich das Areal und die Umgebung als Naherholungsgebiet aus. Insofern wäre die Absicht der Realisierung von Wohnprojekten sicherlich näher zu erläutern.

Vorschläge für eine Nachnutzung wurden in Ansätzen ja schon mit dem Konzept Wildeshausen 2030 vorgelegt. Neben diesen Empfehlungen wäre ich offen für weitere Nutzungen, die Teile der historischen Bebauung beinhalten und den Naherholungswert des Gebietes aufnehmen.

Geplant war, dass es in der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme so etwas wie Urbanes Wohnen geben soll. Investoren haben sich bislang erfolglos darum beworben. Warum wagt die Stadt nicht mal Experimente mit anderen Wohnformen? Platz wäre ja vorhanden.

Bisher gab es einen Vorschlag für ein Urbanes Gebiet. Aus städtebaulichen Gründen sowie der Tatsache, dass die Stadt über die vorgeschlagenen Flächen nicht verfügt, wird über die Ausweisung eines Urbanen Gebietes an anderer Stelle nachgedacht. Im Rahmen der weiteren Planung des Bebauungsplangebietes 54.1 D-2 „Vor Bargloy“ wird diese Thematik vertieft geprüft und beraten werden. Dem Entwicklungsprozess stehe ich ganz offen gegenüber.

Und wie sieht es mit der Nachnutzung der Polizeigebäude aus? Gab es schon gute Ideen aus der Bevölkerung? Was kann die Stadtverwaltung tun, um das Projekt voranzubringen?

Die Stadt hat ja, um die Nachnutzung voranzubringen und einen langen Leerstand zu vermeiden, gerade einen Ideenwettbewerb auf den Weg gebracht, um möglichst zügig nach dem Umzug der Polizei eine hochwertige Konversion zu verwirklichen. Dabei gilt es, den historischen Charakter des Areals zu erhalten. Das Interesse ist groß, und einzelne Ideen werden gerade entwickelt.

Bislang hört man nur, dass von der Förderung durch „Zukunft Stadtgrün“ das alte Feuerwehrhaus saniert werden soll. Was ist mit den anderen Projekten, die in dem Konzept stehen und für die es auch Zuschüsse gibt?

Das Feuerwehrhaus ist das zentrale Projekt in dem Förderprogramm. Gegenwärtig werden diese Planungen vorangebracht, die in Kürze in den Gremien beraten werden sollen, wie die Sanierung der Melkerbrücke, die Umgestaltung der Burgwiese und Maßnahmen im Bereich der Wallanlagen einschließlich der Verbesserung der Wallanlagenzugänge.

Das alte Feuerwehrhaus: Der Umbau zum Urgeschichtlichen Zentrum soll bald anlaufen.

Sie haben im Rat die Verkehrsentflechtung und mehr Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für Wildeshausen als Herausforderung genannt? Was verstehen Sie ganz konkret darunter?

Der Kfz-Verkehr nimmt in Wildeshausen seit Jahren zu und belastet zwischenzeitlich solche Straßen, die bisher ohne Nebenanlagen ausgekommen sind, insbesondere in der Landgemeinde. Hier wäre es sicherlich gut, mithilfe von Fördermitteln den Radwegebau voranzubringen, damit durch eine Trennung des Verkehrs die Sicherheit für die Radfahrer und Fußgänger erhöht wird.

In der Innenstadt haben wir bereits begonnen, den Radverkehr zu stärken. Das ist schon ein guter Anfang, muss aber meines Erachtens konsequent weiter entwickelt werden, damit möglichst viele einheimische Berufspendler auf das Rad oder E-Bike umsteigen. Damit würde sich die Anzahl der Kraftfahrzeuge weiter reduzieren und parallel ein positiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

Im Öffentlichen Personennahverkehr wird in Kürze begonnen, Bushaltestellen barrierefrei umzubauen und Fahrgastunterstände nachzurüsten. Die neue Fahrradabstellanlage am Bahnhof wird gut angenommen und ist ein Zeichen dafür, dass gerade die Bahn sehr gut genutzt wird. Optimal wäre dann noch, wenn die Zugverbindungen zu Spitzenzeiten im 30 Minuten-Takt stattfinden könnten.

Das Industriegebiet Wildeshausen-West steht seit Jahren in den Startlöchern. Es geht aber weiterhin nicht voran. Woran hakt es, dass die Bagger noch nicht rollen?

Bei dem Gebiet handelt es sich städtebaulich wie eigentumsrechtlich um ein sehr komplexes Areal. Auch sind Fragen des Naturschutzes, des Artenschutzes und des Waldersatzes zu klären. Erst dann kann ein Bebauungsplanverfahren durchgeführt werden. Außerdem soll ja vor einer Erschließung des Gebietes ein privater Sandabbau realisiert werden.

Die Nanz-Gruppe wurde aus dem Kreise der Eigentümer als Investor beauftragt, diese umfassenden Fragestellungen und den Grunderwerb zu klären. Gegenwärtiger Stand ist, dass der Waldersatz noch nicht abschließend geregelt werden konnte, aber mit Nachdruck weiter daran gearbeitet wird. Ich stehe diesbezüglich mit dem Landkreis vermittelnd im Austausch und gehe davon aus, dass wir die offenen Fragen nunmehr kurzfristig klären können.

Sie sind begeisterter Schwimmer. Wird es mit der Freibadsanierung in den nächsten Jahren vielleicht doch noch was?

Ja, das ist richtig, ich gehe sehr gern im Freibad schwimmen, wie viele andere Wildeshauser auch. Es ist natürlich sehr schade, dass der bisherige Anlauf nicht geklappt hat, denn die Sanierung des Freibades war viele Jahre ein oberstes Ziel des Rates. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn in der Zukunft weitere Förderprogramme zur Sanierung von Bädern aufgelegt werden, denn der Bedarf ist nicht nur zur Gestaltung der Freizeit, sondern auch zur Förderung der Gesundheit und der Vermittlung von Schwimmbefähigungen unbestritten bei uns und bei vielen anderen Kommunen da. Möglicherweise hätte die Stadt dann noch einmal eine zweite Chance, sich darum zu bewerben.

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