AUS DEM GERICHT Mutmaßliches Opfer streitet Angriff ihres Partners ab / Angeklagter hat langes Vorstrafenregister

Häusliche Gewalt: 30-Jähriger zu Haftstrafe verurteilt

Verurteilt: Ein 30-jähriger Wildeshauser hat eine fünfmonatige Haftstrafe bekommen. Foto: Dpa

Wildeshausen – Von den vier Beteiligten einer nächtlichen Szene häuslicher Gewalt im April 2019 glaubte die Richterin des Wildeshauser Amtsgerichts am dritten Verhandlungstag letztlich nur einer einzigen Person. Weder das mutmaßliche Opfer, eine 33-jährige Wildeshauserin, noch der Zeuge hätten glaubwürdig ausgesagt, befanden Staatsanwalt und Richterin am Donnerstag. Der Angeklagte hatte die Tat von Anfang an bestritten. So legte das Gericht umso mehr Gewicht auf die Schilderungen der zweiten Zeugin, die nach dem Vorfall die Polizei gerufen hatte. Auch die Aussage der Ärztin, die die 33-Jähriger kurz nach der Tat behandelt hatte und am Donnerstag geladen war, spielte für die Urteilsfindung eine entscheidende Rolle.

Die Richterin kam zu dem Schluss, dass der Abend wie folgt abgelaufen sein müsse: Die Zeugin sei bei ihrer Freundin, dem mutmaßlichen Opfer, zu Gast gewesen. Gemeinsam mit deren Partner, einem 30-jährigen Wildeshauser, hätten sie getrunken und dann die Disco „Five Elements“ besucht. Nachdem die 33-Jährige ihrem Freund wegen einer anderen Frau eine Szene gemacht habe, habe dieser das Lokal verlassen – sei womöglich aber auch wegen eines Streits mit den Sicherheitskräften hinausgeworfen worden, merkte die Richterin an. Zuhause habe er laut eigener Aussage weitergetrunken und sei schließlich eingeschlafen.

Er soll sie geschlagen und geschubst haben

Später in der Nacht seien dann die beiden Frauen heimgekommen. Seine Freundin habe den 30-Jährigen geweckt und ihm erneut Vorwürfe gemacht. Dann sei es, so der Bericht der Zeugin, zu Handgreiflichkeiten gekommen: Die 33-Jährige habe von ihrem Partner einen Faustschlag ins Gesicht erhalten, sei geschubst worden und zu Boden gefallen. Daraufhin habe ihre Freundin die Polizei alarmiert.

Diesen Tathergang hatte die Wildeshauserin in jener Nacht zwar Polizei und Ärztin geschildert, später jedoch bestritten. Vor Gericht hatte sie am ersten Verhandlungstag angegeben, wegen der Sache mit der anderen Frau das Opfer gespielt zu haben. Ihr Partner leugnete den Angriff ebenfalls und behauptete, sich der Situation entzogen zu haben und in die Küche gegangen zu sein. Auch der vierte Anwesende, ein Nachbar, trug vor Gericht am ersten Verhandlungstag wenig zur Aufklärung bei. Er wollte keine häusliche Gewalt beobachtet haben. „Da merkt man: Er möchte mit der Sache nichts zu tun haben“, kommentierte die Richterin im Rückblick.

Der Staatsanwalt beantragte in seinem Plädoyer am Donnerstag, sowohl gegen ihn als auch gegen die 33-Jährige Verfahren wegen Falschaussage einzuleiten. Ihre Beiträge hätten „abgesprochen“ geklungen und seien weder umfassend noch glaubwürdig gewesen. Dem stimmte die Richterin zu. Sie zweifelte auch an den Angaben des Angeklagten: „Sie sind nicht der Typ dafür, dass sie sich einem Streit entziehen“, sagte sie mit Blick auf das Vorstrafenregister des Wildeshausers. Mehrfach tauchten darin Körperverletzungen auf, außerdem seien die Bewährungen des Mannes mehrfach verlängert worden, referierte die Richterin.

Diese Vorgeschichte, die Aussage der Polizeibeamten, die in jener Nacht vor Ort waren und den 30-Jährigen als hochgradig provokant und aggressiv beschrieben, die Bestätigung der Ärztin über die Verletzungen der 33-Jährigen sowie die Aussage der Zeugin gaben den Ausschlag für das Urteil. Dass seine Freundin – das mutmaßliche Opfer – ein Kind von ihm erwartet, er ein Haus gekauft hat sowie einer regulären Beschäftigung nachgeht, half dem Wildeshauser nicht: Er muss wegen vorsätzlicher Körperverletzung für fünf Monate in Haft, ohne Bewährung.

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