„Hätten wir nicht gehandelt, wäre Schlimmeres passiert“

Bezirksförster Michael Feiner erklärt Sturm-Folgen für den Wald

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Michael Feiner vom Forstamt Weser-Ems blickt über einen dem Sturmtief „Friederike“ zum Opfer gefallenen Privatwald in Wildeshausen. Die Schäden früherer Stürme waren gerade beseitigt, als das nächste Unwetter im Januar kam.

Wildeshausen - Von Alina Pleuß. „Alle Bäume, die wegen ihrer Höhe, ihres Zustandes und ihrer Nähe zu Wohngebieten als gefährlich eingestuft wurden, haben wir in Wildeshausen schon im vergangenen Jahr weggenommen. Und ich kann sagen, wenn wir nicht so präventiv gehandelt hätten, dann wäre bei dem Sturm im Januar wesentlich Schlimmeres passiert“, resümiert Bezirksförster Michael Feiner vom Forstamt Weser-Ems. Am Beispiel eines Privatwaldes in der Wittekindstadt zeigt er die Wucht der Zerstörung von „Sturmtief Friederike“ und was Naturgewalten wie diese für die Wälder in der Region bedeuten.

„Fichten sind Flachwurzler. Sie haben keinen großen Halt. Hinzu kam, dass es im Januar sehr nass, und der Boden dementsprechend aufgeweicht war. Dann kam der starke Wind aus Norden und hat die Bäume einfach umgewalzt“, erklärt Feiner während er durch einen Privatwald am Rande Wildeshausens geht. Zwischen der Stadt und dem Forstamt besteht ein Beratungsvertrag. Auch Privatleute gehen auf ihn zu und erfragen Unterstützung. 

Der Forstbeamte koordiniert dann die Beseitigungsmaßnahmen, den späteren Verkauf des Sturmholzes und berät die Besitzer, was zukünftig in dem Gebiet angepflanzt werden könnte. Aktuell kümmere er sich gemeinsam mit einem weiteren Förster um rund 5 500 Hektar Fläche so Feiner. In den vergangenen Monaten war er bereits in dem gleichen Waldstück damit beschäftigt gewesen, die Sturmschäden des vergangenen halben Jahrs zu beseitigen. „Wir hatten schon jede Menge Sturmholz und jetzt kommt noch ein großer Teil hinzu.“

Das Wildeshauser Sturmholz der vorherigen Monate liegt noch am Wegesrand. Bald kommt das neue Holz hinzu.

Vergangene Woche hat das Forstamt die letzten Aufräumarbeiten am angrenzenden Lohmühlenweg beendet. Mit einem Steiger ging man in die Kronen, um gefährdete Äste und Totholz sowie stark beschädigte Bäume zu beseitigen. „Klar, das ist nicht schön. Aber es geht leider nicht anders. Viele der Bäume sind nicht mehr zu retten oder stellen eine Gefahr für die Anwohner und Spaziergänger dar“, erläutert Feiner. Viele Bürger verstünden das nicht, und machten mit Anrufen und E-Mails ihrem Ärger beim Forstamt Luft.

„Es ist nicht immer leicht, Förster zu sein. Diese Menschen können oft nicht nachvollziehen, dass diese Maßnahmen notwendig sind“, so Feiner. Zudem sei momentan Eile geboten: „Je länger die vom Sturm umgeworfenen Fichten, Kiefern und Eichen liegen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Borkenkäfer in das Holz setzt. Der könnte im schlimmsten Fall auch auf die lebenden Bäume überspringen.“ Bis zum Frühjahr wolle man das liegende Holz aufarbeiten. In der gesamten Bundesrepublik gebe es laut Feiner aktuell rund zehn Millionen Kubikmeter Sturmholz. „Das sind rund zehn Prozent des Jahreseinschlages.“

Ob sich die Struktur des Waldes durch diese Naturgewalten nachhaltig verändere, könne er allerdings nicht beurteilen. „Wälder verändern sich laufend, das ist die Natur. Sie schafft Platz für andere Baumarten“, meint der Förster. Von einem Mangel bestimmter Gattungen könne man noch nicht sprechen. „Es wird ja auch immer etwas Neues angepflanzt.“ Eines muss sich laut dem Förster jedoch ändern: „Oft werden Baugebiete viel zu nah an Wälder angesetzt. Das gefährdet die Menschen. Eigentlich gilt ein Mindestabstand von 30 Metern.“ Er hofft, dass die Stürme der vergangenen Zeit in dem Punkt für ein Umdenken sorgen.

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