„1. Regiments-Barbier“ seit 70 Jahren als Friseur tätig

Walter Dellwisch: „Haare schneiden und rasieren auf eigene Gefahr“

Walter Dellwisch in seinem kleinen Salon am Gildeplatz. Auch mit 86 Jahren greift er noch regelmäßig zu Schere, Kamm und Rasiermesser, um seine Stammkunden fein zu machen: „Die Arbeit macht mir eben noch sehr viel Spaß.“ - Fotos: Dejo
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Walter Dellwisch in seinem kleinen Salon am Gildeplatz. Auch mit 86 Jahren greift er noch regelmäßig zu Schere, Kamm und Rasiermesser, um seine Stammkunden fein zu machen: „Die Arbeit macht mir eben noch sehr viel Spaß.“

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Nach sage und schreibe 60 Arbeitsjahren bei der Firma Landmaschinen Schröder geht Klaus Poppe aus Lüerte am Freitag in den Ruhestand.

Diesem langen Arbeitsleben setzt der Wildeshauser Friseurmeister Walter Dellwisch jedoch noch Einen obendrauf: Er ist am 1. April seit 70 Jahren im Beruf und noch immer aktiv: „Wann ich aufhöre, weiß nur der liebe Gott.“

Nicht ohne Stolz zeigt Dellwisch seinen Orden mit der Aufschrift „1. Regim.-Barbier, Schützengilde v. 1403, Walter Dellwisch“, der ihm seinerzeit von General Manfred Rollié verliehen wurde, weil er mehrfach am Pfingstmittwoch auf dem Marktplatz die Gildebrüder rasiert hat. „Das habe ich drei Jahre gemacht. Insgesamt kamen dabei 1 100 Mark zusammen, die ich der Himmelsthür und den Maltesern gespendet habe“, so Dellwisch.

Dreimal in der Woche im Salon

In der Tat steht der heute 86-Jährige noch dreimal in der Woche in seinem Salon am Gildeplatz: „Natürlich habe ich meine Stammkunden. Aber die werden immer weniger – junge Leute kommen kaum nach.“ Ihm mache die Arbeit noch immer sehr viel Spaß: „Es gibt doch stets etwas zu erzählen, die gesamten Neuigkeiten aus der Stadt zum Beispiel.“

Geboren wurde Dellwisch am 23. Oktober 1930 in Wildeshausen. Von 1936 bis 1940 besuchte er die katholische Grundschule und von 1940 bis 1946 die Bürgerschule am Marschweg. „Ich wollte eigentlich gar kein Friseur, sondern Uhrmacher werden. Leider gab es aber keine Lehrstelle“, so Dellwisch. 

Also habe sein Vater gesagt: „Geh nach oben und ziehe dir einen Kittel an. Du wirst Friseur und damit basta!“ Sie seien fünf Geschwister gewesen, die alle den Beruf des Friseurs ergriffen haben. „Im Salon meines Vaters lag von Beginn an die Wildeshauser Zeitung, damit die Leute etwas zum Lesen hatten.“

Lehre beim Vater begonnen

Somit habe er am 1. April 1947 seine Lehre bei Vater Heinrich Dellwisch begonnen, der in der Stadt nur als „Mann mit der dicken Brieftasche“ bekannt gewesen sei: „Aber viel Geld war da nie drin, der hatte immer Papierkram in seiner Brieftasche, der sie so dick gemacht hat.“

Im Jahr 1954 hat Dellwisch die Meisterprüfung abgelegt: „Ich war damals der jüngste Meister der Friseurinnung. Weil ich erst 24 Jahre alt war, durfte ich noch keine Lehrlinge ausbilden.“ Zunächst war er dann noch bei seinem Vater im Geschäft tätig, ehe er am 1. September 1958 in Ahlhorn einen eigenen Friseursalon eröffnete. 

Und das mit seiner Ehefrau Ingrid, geborene Mahlich, der er am 25. August 1958 in der St.-Peter-Kirche das Ja-Wort gegeben hatte, und die bis heute an seiner Seite steht. Auch sie ist gelernte Friseurin.

Friseurstube in der Kaserne

Von Beginn an war Dellwisch in der Wittekind-Kaserne als Friseur tätig: „Wir hatten dort eine Friseurstube, in der ich den Soldaten die Haare geschnitten habe. Das war die Zeit, als die langen Haare in Mode kamen. Das ging bis 1972. 

Von 1966 bis 1969 habe ich ausschließlich diese Tätigkeit ausgeübt, weil ich 1966 unser Geschäft in Ahlhorn aufgegeben hatte.“ Im Jahr 1969 eröffnete der 86-Jährige an der Huntestraße einen Herrensalon. 1978 erwarb Dellwisch das Haus an der Burgstraße und zog mit seinem Salon dorthin. Vor einigen Jahren hat er sich verkleinert und ist über den Gildeplatz zu erreichen.

„Pfingsten war immer richtig was los. Ich bin seit 1949 Mitglied der Gilde. Am Pfingstdienstag hat mir Johannes Lenzschau damals ein Schild mit der Aufschrift ,Haare schneiden und rasieren heute auf eigene Gefahr‘ ins Fenster gehängt“, so Dellwisch.

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