Anwohner an der Hunte möchten Grünstreifen erwerben / Temming-Hanhoff protestiert

Grundstücksverkauf hinter verschlossenen Türen?

Die Anwohner möchten gerne einen fünf Meter breiten Streifen hin zur Abbruchkante der Hunte erwerben. - Foto: dr

Wildeshausen - Da braut sich möglicherweise Ärger an der Hunte zusammen. Der Verwaltungsausschuss der Stadt befasst sich am Donnerstag, 16. Februar, in nicht öffentlicher Sitzung mit dem Wunsch von Anliegern der Adolf-Menzel-Straße, Mozartstraße und Eichendorffstraße, den Grünstreifen zwischen deren Grundstücken und der Abbruchkante zur Hunte zu erwerben. Die endgültige Entscheidung soll dann im Rat am 23. Februar getroffen werden – möglicherweise dort auch nichtöffentlich.

Gegen diesen Verkauf hat der fraktionslose Ratsherr Karl Schulze Temming-Hanhoff in einem Brief an Bürgermeister Jens Kuraschinski deutlichen Protest eingelegt. „Der von den Anliegern vorgelegte Antrag, den fünf Meter breiten Schutzstreifen erwerben zu wollen, konterkariert die Absichten des Rates der Stadt Wildeshausen“, heißt es dort. Deshalb sei der Antrag zurückzuweisen.

Ein etwa 7 000 Quadratmeter großer Bereich entlang der Hunte ist nach Angaben von Temming-Hanhoff ursprünglich als Ausgleichsfläche für die Wohnbebauung gedacht gewesen. Er galt als Park- und Gemeinbedarfsfläche. Im Jahr 2006 wurde hingegen der Bebauungsplan geändert, sodass die Wohnbebauung deutlich näher an die Hunte heranrücken konnte und nur noch der 1700 Quadratmeter große Schutzstreifen übrig blieb, der als öffenliches Grün ausgewiesen ist und für den ein Pflanzgebot gilt. Laut Begründung für die Änderung des Bebauungsplans darf dort auch ein Fußweg angelegt werden, damit der Bevölkerung eine weitere Wegeverbindung zur Verfügung gestellt werden kann.

„Leider sind die geplanten und als zwingend geforderten Maßnahmen – insbesondere das Pflanzgebot – von den Anliegern nicht beachtet worden. Teilweise ist gar die für die Bepflanzung vorgeschriebene Fläche als Terrassenplatz befestigt“, kritisiert Temming-Hanhoff in seinem Brief an die Verwaltung. Zudem seien im Bereich der Eichendorffstraße immer wieder illegale Eingriffe in die Grünstruktur der Hunte-Abbruchkante festgestellt worden. „Wer die bisherigen Maßnahmen veranlasst oder durchgeführt hat, kann nicht gesagt werden“, schreibt Temming-Hanhoff. Er hat jedoch Anlieger im Verdacht. So habe sich ein Eigentümer in der Vergangenheit mehrfach schriftlich an die Verwaltung gewandt, um sich über „angeblich überhängende Äste“ oder städtische Pflanzaktionen an der Abbruchkante zu beschweren. Es seien illegal Bäume entfernt und Pflanzen geschädigt worden.

Mit einem Verkauf des Grünstreifens würde das Pflanzgebot, das der Verstärkung der vorhandenen Abgrenzung zwischen der Wohnbebauung und der Hunteabbruchkante sowie der Welgenmarsch dienen soll, ersatzlos entfallen, befürchtet Temming-Hanhoff. „Damit würde auch der vorhandene Böschungsaufwuchs sicherlich von weiterem unerwünschten Rückschnitt stark betroffen werden.“

Offenbar argumentieren die Bürger, dass die Stadt die Flächen nicht mehr benötigen würde und damit im Falle eines Kaufes unnötige Kosten durch die Pflegearbeiten wegfallen würden.

Bei einem Verkauf würde allerdings die Grundstücksgrenze direkt an der Abbruchkante liegen. Diese ist mit Bäumen und Sträuchern bewachsen. Somit könnten zusätzliche Rückschnittsansprüche für die Käufer geschaffen werden. Der Preis für die Fäche würde sich übrigens am Bodenrichtwert orientieren. Das wären in dem Bereich rund 200 000 Euro. Zudem würden bei einem Verkauf die Kosten für die Pflegearbeiten durch den Bauhof wegfallen.

Von Dierk Rohdenburg

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