Großer Ockerstein wartet auf dem Bauhof auf seinen letzten Standort

1,5 Tonnen schwerer Zeuge der Zeitgeschichte

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Mitarbeiter der Firma Scheele haben den großen Ockerstein jetzt zum Bauhof transportiert.

Wildeshausen - Bei den Ockersteinfunden in der Sandgrube der Firma Scheele in Glane dürfte es sich um die größten ihrer Art nicht nur im Landkreis Oldenburg handeln, sondern weit über dessen Grenzen hinaus.

Bereits vor einigen Jahren (wir berichteten) wurde dort fast ein Dutzend dieser Steine beim Sandabbau entdeckt. Der größte maß etwa zwei Meter und war 1,5 Tonnen schwer.

Ein solches Exemplar, da vor den Toren der Stadt gefunden, sollte – mit den entsprechenden Erklärungen versehen – einen würdigen Platz in Wildeshausen bekommen. Doch dies gestaltete sich schwierig. Beim Gymnasium zeigte man damals kein Interesse, obwohl es dort einen schützenden Dachüberstand gab und der Stein für Generationen von Schülern als Lernobjekt hätte dienen können. Auch der zweite Versuch einer optisch wirkungsvollen Platzierung schlug fehl. Der Stein sollte am Eingangsbereich des Landkreisgebäudes aufgestellt werden.

Zahllose Besucher der Behörde hätten ihn dort bestaunen können. Doch dem Transport zum Eingang stand die Statik im Wege, denn er hätte mit Hilfe von schwerem Gerät über die Tiefgarage, die unter dem Vorplatz liegt, transpor- tiert werden müssen.

Eine dritte Möglichkeit, direkt am Stadthaus, scheiterte an dem Ockerstein selbst. Er ist dafür schlichtweg zu groß. Die Firma Scheele, die sich bereit erklärt hatte, das Exemplar der Stadt zu überlassen, hat nunmehr auch dessen kostenlosen Transport zum städtischen Bauhof übernommen. Dort wird der besonders farbintensive Stein wetterfest eingelagert, bis ein endgültiger Standort gefunden ist. Denkbar wäre, wenn die Stadt eines Tages zu einem Museum kommt, etwa im alten Feuerwehrgebäude, dass der ungewöhnliche Fund dann dort die Besucher „begrüßt“.

Ocker entsteht – verein-facht ausgedrückt – durch die Verwitterung von Eisenerz. Seine Farbe variiert von hellgelb bis rotbraun. Je höher der Eisenanteil, desto intensiver ist diese. Ocker-steine sind nicht nur interessante geologische Zeugen. Von Russland über Europa, bis nach Amerika gab es Ockergräber.

Die Toten wurden mit dem farbigen Steinpulver bestreut oder darauf gebettet. Ocker war zudem der bevorzugte Grundstoff für Felsmalereien, er diente der Verzierung von Keramiken, wurde für die Färbung von Tuch und für die Körperbemalung benutzt. Mit dem Ocker verbindet sich so eine vieltausendjährige Kulturgeschichte der Menschheit.

ch

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