Carsten Harings geht

„Große Ehre, Ihr Landrat gewesen zu sein“

Drei Männer und eine Frau stehen vor einer Aufsteller-Wand.
+
Landrat Carsten Harings zusammen mit seinen drei Stellvertretern Niels-Christian Heins (links), Christel Zießler und Günter Westermann (rechts) nach der letzten Kreistagssitzung der ausgehenden Wahlperiode.

Wildeshausen/Landkreis – Landrat Carsten Harings hatte es schon auf der vorangegangenen Kreistagssitzung im Juli in einer persönlichen Rede klar gemacht: Er wünsche keine große Verabschiedung (wir berichteten). Doch den Verwaltungschef des Landkreises Oldenburg nach einer von großen Herausforderungen geprägten Amtszeit und nicht zuletzt unzähligen Sitzungen, Besprechungen und Gesprächen so ohne Weiteres ziehen zu lassen – das wollte dann doch niemand. Und so bedankten sich die politischen Fraktionen des Kreistages zum Ende der letzten Sitzung der auslaufenden Wahlperiode am Dienstagabend in Wildeshausen bei dem Sandkruger: kurz aber spürbar herzlich und nicht zuletzt persönlich.

Eigentlich wäre es laut Tagesordnung der Punkt „Verschiedenes“ gewesen. Der Kreistagsvorsitzende Hartmut Post hatte ihn kurzerhand umbenannt und rief die „Verabschiedung des Landrates“ auf. Auf einen Einwand Harings’ antwortet der Dünser gespielt unschuldig: „Bei Dir steht das nicht? Bei mir steht das.“ Auch wenn er dem ursprünglichen Wunsch Harings nachkommen wolle, möchte er ein paar Worte sagen, sagte Post. „Es war eine außergewöhnliche Amtszeit mit außergewöhnlichen Dingen“, die am 1. November 2014 auf dem Posten begann. Zunächst habe der den Landkreis wieder „in ein ruhiges Fahrwasser gebracht“. Und „als alle dachten, dass es wieder lief“ sei 2015 die Flüchtlingskrise gekommen. Doch auch diese habe die Verwaltung zusammen mit der Stadt und den Gemeinden gut gelöst. Dann kam 2020 die Pandemie, blickte der Vorsitzende zurück. Und die habe „alles auf den Kopf gestellt“. Wieder seien der Landrat und seine Verwaltung gefragt gewesen, die Situation in den Griff zu bekommen.

Harings habe den Landkreis „weit nach vorn gebracht“, resümierte der Kreistagsvorsitzende und nannte als Stichworte den Ausbau von Breitband, Schulen und Kitas sowie Straßen und Radwegen. In den Sitzungen habe Harings immer wieder erfolgreich versucht, die unterschiedlichen Meinungen zusammenzufassen. Oft habe er Brücken gebaut, die dann für viele gangbar waren. „Dafür sagen wir Dir vielen Dank“, sagte Post.

Jede Fraktion bedankt sich einzeln

Den Reigen der Fraktionen eröffnete Dirk Vorlauf (CDU). Wie alle folgenden kurzen Beiträge war auch seiner mit persönlichen Wünschen für den Ruhestand sowie einem Geschenk verbunden. Der Christdemokrat lobte Harings stete Gesprächsbereitschaft in diversen Sitzungen auf den unterschiedlichen Ebenen, seine Ratschläge sowie die Fähigkeit, zu vermitteln zu können. „Danke für Deine Art“, sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion. „Du warst ein Gewinn für den Landkreis Oldenburg.“

„Es war für Dich eine spannende, aber auch eine aufreibende Zeit“, hielt Axel Brammer (SPD) fest. Er habe immer bewundert, wie sich der Landrat stets vor seine Mitarbeiter gestellt habe. „Wir können Dich nicht einfach so gehen lassen“, sagte Marion Daniel (FDP). Sie dankte für das vertrauensvolle Miteinander und Harings" ausgleichende Art. Sie lobte seine Fähigkeit, auch nach langen Diskussionen und noch zu später Stunde „aus dem Stand heraus“ Beschlüsse formulieren zu können, die für alle akzeptabel waren. Eduard Hüsers (Grüne) erinnerte daran, dass Harings nicht nur die vergangenen sieben Jahre als Landrat, sondern bereits zwei Jahre vor seinem Amtsantritt maßgeblich und erfolgreich die Geschicke des Landkreises beeinflusst hatte. „Es ist Dein Verdienst, dass die Verwaltung so dasteht, wie sie dasteht.“ Patrick Scheelje (AfD) sprach Harings den Dank seiner Fraktion für dessen vertrauensvolle Art aus. Er habe den Landrat und die ganze Verwaltung als „stets professionell und gut aufgestellt“ erlebt. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie alles schaffen, was Sie sich für den Ruhestand vorgestellt haben.“

Als kleine Fraktion sei die UWG immer ernst genommen worden und sei zu „ganz großem Dank“ verpflichtet, hob Wolfgang Däubler hervor. Dass sie auch als kleine Gruppe etwas habe bewegen können, „ist auch Dir zu verdanken“. Kreszentia Flauger (Linke) wies darauf hin, dass die letzte Sitzung des Landrates auch die zunächst letzte Sitzung ihrer Fraktion sei. Die Partei ist im nächsten Kreistag mit nur noch einem Sitz vertreten. Der scheidende Landrat habe immer den Mut gehabt, „auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen“, auch wenn ihm das von der Bevölkerung später nicht gedankt worden sei. Die Wildeshauserin lobte ebenso Harings‘ Talent, selbst nach langen und verfahrenen Debatten im Kreistag „wie der Phönix aus der Diskussions-Asche“ noch Anträge formulieren zu können. „Das ist eine Fähigkeit, die nicht jedem gegeben ist“, so Flauger. Harings habe die hiesige Debattenkultur geprägt und „eine hohe Qualität“ in die Gremien gebracht. „Es ist nicht egal, wer da vorne sitzt“, fasste sie zusammen. „Du hast dem Landkreis gutgetan.“

Von den vielen Dankesreden überrascht

Der Geehrte zeigte sich denn auch – eingedenk seiner Bitte im Kreistag im Sommer – überrascht von dem Spalier an Laudatoren. „Einzelne Mitarbeiter“ der Verwaltung hätten womöglich „Dinge koordiniert“, ohne dass er etwas davon wusste, mutmaßte er. Das, so Harings freundlich-ironisch, habe vielleicht etwas mit seinem Weggang zu tun. „Ich darf ein letztes Mal zu Ihnen reden – das ist ja der Hammer“, begann er dann seine abschließende kurze, persönliche Ansprache. Ein Lob, das er aus den Fraktionen erhalten hatte, gab er zurück: Die Zusammenarbeit sei – fraktionsübergreifend – ausgezeichnet gewesen. Künftig werde er jetzt Zeit für sich haben – und insbesondere für seine Frau und die Familie. Letzteren gelte sein Dank. Sie hätten ihm den Rücken freigehalten und ermöglicht, „den Job ausüben zu können“. Auch wenn dies mitunter bedeutet habe, dass man sich nicht viel gesehen habe.

„Ich habe mich über jedes einzelne Wort gefreut“, sagte er schließlich an die Kreistagsabgeordneten gewandt. Er werde an diese letzte Sitzung zurückdenken. „Es war mir eine große Freude und es war mir eine große Ehre, Ihr Landrat gewesen sein zu dürfen.“ Das Plenum erhob sich und spendete ihm lang anhaltenden Applaus.

„Der Landrat ist Geschichte“, sagte Harings danach, hör- und sichtbar emotional bewegt und halb an sich gewandt. Er schloss mit einer Redewendung, mit der er sooft seine Beiträge geschlossen hatte: „Landrat aus.“

Alle Kreistagsabgeordneten und Mitglieder der Verwaltung applaudieren dem scheidenden Landrat.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Meistgelesene Artikel

„2G-Regel wäre der Todesstoß für den Handel“

„2G-Regel wäre der Todesstoß für den Handel“

„2G-Regel wäre der Todesstoß für den Handel“
Ihren Oldie mit Stern fuhr einst Heinz Schenk

Ihren Oldie mit Stern fuhr einst Heinz Schenk

Ihren Oldie mit Stern fuhr einst Heinz Schenk
Neues Grundstück für Grashorn

Neues Grundstück für Grashorn

Neues Grundstück für Grashorn
Alte Liebe: Martin Reiser besitzt eine außergewöhnliche Ducati

Alte Liebe: Martin Reiser besitzt eine außergewöhnliche Ducati

Alte Liebe: Martin Reiser besitzt eine außergewöhnliche Ducati

Kommentare