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Greenpeace findet multiresistente Keime in der Brookbäke in Wildeshausen

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Von: Ove Bornholt

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Ungesund? In der zurzeit nur wenige Zentimeter hohen Brookbäke in Wildeshausen hat Greenpeace multiresistente Keime gefunden – und das nicht zum ersten Mal.
Ungesund? In der zurzeit nur wenige Zentimeter hohen Brookbäke in Wildeshausen hat Greenpeace multiresistente Keime gefunden – und das nicht zum ersten Mal. © bor

Greenpeace hat multiresistente Keime in der Brookbäke in Wildeshausen gefunden. Der Landkreis hat ebenfalls Proben genommen.

Wildeshausen – Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat zum wiederholten Mal in Proben aus der Brookbäke in Wildeshausen multiresistente Keime gefunden. Die Greenpeace-Analyse lasse den Schluss zu, „dass resistente Bakterien durch die Abwässer aus Schlachthöfen verbreitet werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. In der Nähe des Bachs befindet sich eine Kläranlage der Puten-Schlachterei von Geestland (Wiesenhof), die Wasser einleiten darf.

Konkret haben die Umweltaktivisten im Januar und Februar in Wildeshausen sowie in Ahlhorn (Putenschlachterei Heidemark), Garrel (Böseler Goldschmaus) und Schöppingen/NRW insgesamt 44 Proben genommen.

Das Institut für Pharmazie der Universität Greifswald hat laut Mitteilung die Prüfung auf verschiedene multiresistente Bakterien übernommen. „35 der 44 Proben wiesen resistente Bakterien auf (...) Bei den meisten nachgewiesenen Resistenzen handelte es sich um Mehrfach-Resistenzen vom Typ ESBL und/oder 3MRGN (insgesamt 35 Nachweise). In acht Fällen wurden auch Resistenzen gegen das Reserve-Antibiotikum Colistin gefunden.“ Sieben dieser acht Nachweise beziehen sich auf Wildeshausen. Derweil waren neun von elf Proben bei Heidemark ohne Befund.

Greenpeace fordert bessere Filter-Anlagen in Schlachthöfen

Schlachthöfe sind laut Greenpeace keineswegs der einzige Eintragspfad für „problematisch Keime aus der Tierhaltung, vielmehr handelt es sich um ein Glied in einer Kette, die vom Stall (Abluft) über den Acker (Ausbringung belasteter Gülle) über die Schlachtung und die Verarbeitung bis zum belasteten Produkt im Supermarktregal reicht“. Die meisten dieser Eintragspfade stellten ein grundsätzliches Problem für die öffentliche Gesundheit dar, da sie zum allgemeinen Resistenz-Niveau von Bakterien in der Umwelt beitragen würden. Letztlich könnten auch Resistenzen beim Menschen landen und die Behandlung von Infektionskrankheiten erschweren.

Daraus abgeleitet fordert Greenpeace das Ende des „massenhaften und ungezielten Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung“. Stattdessen müsse durch bessere Haltungsbedingungen und den Verzicht auf Gruppenbehandlung die gezielte Behandlung erkrankter Tiere erfolgen. Außerdem sollten Schlachthofbetreiber verpflichtet werden, die „wirkungsvollsten Filter- beziehungsweise Aufbereitungssysteme“ zu installieren.

Die Vorwürfe sind nicht neu. Seit ein paar Jahren werden immer mal wieder, von Greenpeace und anderen, Proben in der Brookbäke genommen. Auch der Landkreis Oldenburg hat das Thema auf dem Schirm und die Entnahme eigener Proben veranlasst. Die Ergebnisse sollen am Dienstag, 10. Mai, ab 14.30 Uhr bei der Sitzung des Umwelt- und Abfallwirtschaftsausschusses öffentlich gemacht werden. Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass keinerlei multiresistente Keime gefunden worden sind.

Landkreis hat eigene Beprobung veranlasst

Stellt sich nur die Frage, wie darauf zu reagieren ist und ob der Ursprung tatsächlich die Kläranlage beziehungsweise die Schlachterei ist. Uwe Dölemeyer vom Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft verweist darauf, dass Keime überall in der Natur vorkommen. Allerdings sei man am Ball und spreche zum Beispiel mit der Privatschule Gut Spascher Sand, über deren Gelände die Brookbäke ebenfalls führt.

Vor zwei Jahren hatte das Landes-Umweltministerium mitgeteilt, es gebe keine Gesundheitsgefahr, weil die Bäke nicht als Badegewässer eingestuft sei. Auf eine Nachfrage unserer Zeitung in der vergangenen Woche hat das Ministerium nicht reagiert.

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