Neue Bestattungsform

Grabstellen mit Motto: Wildeshausen geht neue Wege bei Bestattungen

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„Bi mi to huus“ heißt die erste Themengrabstelle auf dem Wildeshauser Friedhof. Dort können acht Personen beerdigt werden. Für die Pflege ist gesorgt.

Einäscherung statt Begräbnis im Sarg: Immer mehr Menschen entscheiden sich gegen eine klassische Grabstelle. Wildeshausen reagiert jetzt auf diesen Trend - und bietet eine dort gänzlich neue Form der Bestattung an.

Wildeshausen – In Deutschland werden nach Angaben von Wildeshausens Bestatter Fabian Reinke etwa 75 Prozent der Toten eingeäschert und in der Urne bestattet. In ländlichen Gebieten wie Wildeshausen, so Reinke, sehe das noch anders aus. „Schätzungsweise 60 Prozent der Toten werden hier im Sarg auf dem Friedhof bestattet“, berichtet er.

Offenbar seien auf dem Land noch viele Menschen bereit, über viele Jahre die Grabstelle ihrer Angehörigen zu pflegen, während sich in städtischen Gebieten viele ältere Leute dafür entschieden, ihrer Familie nicht mehr mit einer Grabstelle zur Last fallen zu wollen.

„Es geht in erster Linie um den Aufwand der Pflege“, so Reinke. Denn der Blick auf die Kosten einer Bestattung zeige, dass die Unterschiede nicht mehr so groß seien.

Themenbestattungsplätze mit eigenem Motto

Auf dem Friedhof der Kreisstadt gibt es bei Begräbnissen seit dem 1. Januar ein Angebot, das die Erdbestattung beinhaltet, die Kosten jedoch minimiert und die Angehörigen von der Pflege der Grabstelle entlastet. Auf Themenbestattungsplätzen können sechs bis zwölf Gräber unter einem Motto vereinigt werden.

Der erste bereits angelegte Platz trägt den Namen „Bi mi to huus“ und hat acht Grabstellen, von denen zurzeit eine belegt ist. Die Optik ist an Elemente der Wildeshauser Geest angelehnt. Neben einem mit Gras bewachsenen Bereich gibt es ein Staudenbeet.

Die Grabstelle mit eigenem Stein wird pauschal für 4 000 Euro erworben. Der bis jetzt einzige Stein zeigt die Hunte, Vögel sowie Findlinge, wie sie auch bei den Großsteingrabanlagen zu finden sind.

Neue Bestattungsform in Wildeshausen: Kürzere Ruhezeit

Die Ruhezeit für die Gräber beträgt 15 Jahre. Das komplette Areal wird von Gärtnern betreut, die von der Norddeutschen Treuhandstelle für Dauergrabpflege beauftragt werden. Laut Reinke ist die Ruhezeit kürzer als bei anderen Gräbern (25 Jahre), denn die Särge sowie die Kleidung der Toten und Sargbeigaben werden so ausgewählt, dass sie schneller biologisch abbaubar sind.

Rund 40 Prozent der Verstorbenen in Wildeshausen und Umgebung kommen jedoch in einer Urne auf den Friedhof. Diese Toten bringt Reinke zur Feuerbestattungsanlage in Diepholz. Seit November 2017 wurden dort bereits 4 000 Menschen eingeäschert.

Nach Angaben von Olaf Kaesemeier, Geschäftsführer der Feuerbestattungsanlage, möchte eine steigende Anzahl an Menschen sehen, wie sich der Sarg in der auf mindestens 850 Grad Celsius erhitzten Luft in der Anlage entzündet und sich dann die Tür für den weiteren Einäscherungsprozess schließt.

Feuerbestattungsanlage spendet Geld aus Implantaten

Nach der Verbrennung bleiben Metalle, die sich im Körper der Verstorbenen befanden, beispielsweise künstliche Hüft- oder Kniegelenke, erhalten. Sie sind meist aus Titan oder anderen Edelmetallen mit einem sehr hohen Schmelzpunkt. Die Gegenstände veräußert Kaesemeier mit Genehmigung der Angehörigen an eine Fachfirma, die sie recycelt.

Seit 2017 kamen so 15.000 Euro zusammen, die jetzt aufgeteilt und gespendet wurden. Das Bestattungshaus Reinke hatte als Empfängerin die Wildeshauser Jugendfeuerwehr ausgewählt.

Über insgesamt 15.000 Euro als Spenden des Erlöses aus dem Verkauf von Metallen durch die Feuerbestattungen Diepholz freuten sich Vertreter gemeinnütziger Organisationen. Geschäftsführer Olaf Kaesemeier (l.) übergab das Geld unter anderem an Simon Schmidt (r.) von der Jugendfeuerwehr. Auch Fabian Reinke (3.v.r.) war dabei.

„Wir haben naturgemäß immer wieder Berührungspunkte mit dem Rettungswesen“, so Reinke. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Feuerwehr gut arbeiten kann“, ergänzt er.

Somit konnte Simon Schmidt als Leiter der Jugendfeuerwehr einen Scheck über 3.000 Euro mitnehmen. Weitere Begünstigte waren die Diepholzer Einrichtung für Behinderte „Haus am Wasser“, der ambulante Hospizdienst „Dasein“ aus Barnstorf, der ambulante Hospizdienst Sulingen sowie die Tafel in Syke.

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