Gottesdienst „Alex 18:30“: Syrische Familie berichtet von ihrer Flucht

Kreuz von der Wand gerissen und mit Füßen getreten

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Verschiedene Anspiele standen in der Alexanderkirche im Mittelpunkt des Gottesdienstes.

Wildeshausen - Sind Menschen mit ausländischen Wurzeln willkommen, und wie schwer ist die Integration für sie? Diese und weitere Fragen stellten sich Jugendliche im Rahmen des Gottesdienstes „Alex 18:30“ in der Wildeshauser Alexanderkirche.

Einmal mehr griffen sie das Thema Ausländerhass auf und bereiteten es sowohl musikalisch als auch szenisch auf. In kleinen Anspielen, mit Liedern aufgelockert, hielten sie dem einen oder anderen Besucher in der gut gefüllten Kirche sicherlich auch den Spiegel vor. Denn wie oft schauen Bürger weg und drehen sich um, wenn Menschen aus anderen Herkunftsländern bedrängt oder belästigt werden. Musikalische Unterstützung gab es von der Alex-Haus-Band und dem Jugendchor unter der Leitung von Ralf Grössler.

Die 16 Jugendlichen, die den Gottesdienst vorbereitet hatten, stellten sich dabei selbst die Frage: „Stell dir vor, es ist Krieg und du musst fliehen. Können wir uns das vorstellen und dabei alles, was einem lieb war, zurücklassen, um in ein fremdes Land zu gehen?“ Bei dieser Thematik ging es nicht nur darum, wie wir mit Fremden umgehen. „Gemeint ist auch der Umgang mit Dingen, die uns fremd sind, oder Menschen, die anders denken, sich anders kleiden, die Außenseiter sind“, erklärte Diakon Johannes Kretzschmar-Strömer. Das fange häufig schon bei der Begrüßung an. Diese wurde in der Kirche szenisch dargestellt, wobei die Besucher eingebunden wurden.

Außerdem war an diesem Abend eine syrische Familie mit Narsis, Kevork, Loociana und Dallin zu Gast, die von ihrer Flucht berichteten. Sie sind vor fast einem Jahr nach Wildeshausen gekommen, nachdem sie ihren Heimatort im syrischen Aleppo plötzlich verlassen mussten. Sie nahmen viele Hürden und Umwege auf sich, um über die Türkei nach Griechenland zu gelangen. Ohne es zu wissen, wurden der Familie jedoch gefälschte Pässe ausgehändigt.

Von Griechenland reisten sie mit dem Schiff nach Italien und von dort aus ging es mit dem Zug nach Deutschland. Es waren viele Monate, in denen die Familie unterwegs war, bis sie den Weg nach Wildeshausen fand. „Hier sind wir sehr herzlich aufgenommen worden“, berichtete Narsis. In Syrien wurde die christliche Familie dazu gezwungen, Moslems zu werden. „Wir wurden von muslimischen Männern in unserem Haus überfallen. Sie rissem das Kreuz von der Wand und traten drauf. Dann wurde ich von ihnen festgenommen“, erzählte der Familienvater.

Nur durch den Verkauf seines Autos und mit dem verdienten Geld bekam er die vorübergehende Freiheit zurück. Zwischenzeitlich waren auch Bomben etwa 30 bis 40 Meter vor ihrem Haus entfernt eingeschlagen. Diese und andere Erlebnisse führten dazu, dass sie flüchteten.

Jetzt möchten die Familienmitglieder ihre Deutschkenntnisse verbessern, um Arbeit zu finden, wobei die Jüngste bereits in einem Kindergarten untergebracht ist. Für ihre Erzählungen bekamen sie von den Besuchern tosenden Beifall.

jb

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