Auszeichnung durch den Naturschutzbund

Golfspieler heißen Schwalben auf ihrer Anlage willkommen

Eine Rauchschwalbe, die unter dem Dach des Golf-Clubheims brütet und dabei nicht gestört wird. - Foto: dr

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Golfplätze gelten landläufig als recht naturfern. Kurzgeschnittenes Gras, akkurat gepflegte Rabatten, massiver Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Teiche ohne tierisches Leben. Das sind Eigenschaften, die wenig mit Naturschutz zu tun haben. Umso schöner ist es, wenn ein Golfplatz in vielen Bereichen genau das Gegenteil darstellt und sogar vom Naturschutzbund (Nabu) für seinen wertvollen Beitrag für den Artenschutz geehrt wird. Das ist beim Golfclub Wildeshauser Geest der Fall.

Vor wenigen Tagen überreichten Marianne Steinkamp als Sprecherin des neu gegründeten Nabu in Dötlingen sowie Eva Heikne von der Nabu-Ortsgruppe Harpstedt die Plakette „Schwalben willkommen“ sowie eine Urkunde an Platzwart Gerhard Menke, Head-Greenkeeper Heiko Beneke und Präsident Carsten Löwenkamp. Dabei überzeugten sich die Naturschützer davon, dass beim Golfclub einiges mehr für den Naturschutz getan wird. Gleichzeitig vereinbarte Steinkamp aber auch mit Löwenkamp, in Zukunft im Gespräch zu bleiben, um noch mehr für schützenswerte Tiere tun zu können.

Der Golfplatz an der Glaner Straße wurde angelegt, nachdem die Stürme 1972 viele Bäume umgelegt hatten. „Schon immer war das Areal ein Naturplatz“, so Menke. „Wir haben hier einen Teich mit Fröschen. Dort, wo die Bäume die Heide verdrängen, haben wir sie weggenommen, um der Heidelandschaft mehr Platz zu geben.“

Die Greens nehmen knapp 6.000 Quadratmeter der rund 30.000 Quadratmeter großen Anlage ein. Somit bleibt genug Fläche, um die Natur möglichst wenig zu beeinflussen. Aber nicht nur das. Der Golfplatz hat extra Starenkästen installiert, weil die Vögel bei der Platzpflege helfen. Die Stare holen sich nämlich die Käfer aus dem Boden, die ansonsten den Rasen zerstören würden. „Wir freuen uns über die Vögel“, so Beneke. Deshalb habe man mittlerweile rund 120 Vogelkästen auf der Anlage.

Die Schwalben hingegen benötigen keine Kästen. Sie nutzen Gebäude, um ihre Nester zu bauen – wenn man sie denn lässt. „Schwalben sind in Niedersachsen immer seltener anzutreffen“, so Steinkamp. Der Grund für den Rückgang liegt neben der Bejagung in den Winterquartieren und auf dem Zug von und nach Süden vor allen in der Beeinträchtigung der Lebensräume.

Versiegelung von Feldwegen, Höfen und Dorfplätzen, Umwandlung von Grünland in intensiv genutzte Äcker, Einsatz von Insektiziden sowie in jüngerer Zeit moderne Fassadenbauweisen und Hygienevorschriften der intensiven Landwirtschaft machen den Mehl- und Rauchschwalben zu schaffen. Sie finden oftmals keinen lehmigen Boden zum Bau ihrer Nester mehr, können diese an den glatten Fassaden nicht befestigen oder sind sogar der Nachstellung durch den Menschen ausgesetzt, weil Hausbesitzer die Nester nicht dulden und abschlagen.

„Dabei ist es wichtig, dass Schwalbennester auch mal in größerer Zahl an den Gebäuden geduldet werden“, so Steinkamp. Gegen die unvermeidliche Kleckerei helfe übrigens ein Kotbrettchen, das man 50 Zentimeter unterhalb der Nester anbringen könne.

„Das haben wir gemacht“, so Menke mit Blick auf das Clubhaus und die Gaststätte. So habe man vermeiden können, dass es unschöne Verschmutzungen gebe. Rund um das Haus finden sich unter dem Dach Nester, in denen die Schwalben brüten. Für die Gäste ist es ein schöner Anblick, wenn die Eltern hin- und herfliegen, um ihren Nachwuchs zu versorgen. „Schwalben als Kulturfolger des Menschen sind darauf angewiesen, dass sie von den Menschen in ihrer direkten Umgebung toleriert werden“, sagt Steinkamp. Von daher freue sie sich, dass der Golf-Club für sein tolles Engagement ausgezeichnet werden könne.

Mehr zum Thema:

Bilder der Relegation: Knapper Wolfsburg-Sieg über Braunschweig

Bilder der Relegation: Knapper Wolfsburg-Sieg über Braunschweig

„Hoya ist mobil“ 2017

„Hoya ist mobil“ 2017

Treckertreffen in Dreeke

Treckertreffen in Dreeke

Ginsengfest und Mittelalter-Spektakel in Walsrode

Ginsengfest und Mittelalter-Spektakel in Walsrode

Meistgelesene Artikel

„Wildeshauser Hof“: Hotel-Anbau höhenbegrenzt

„Wildeshauser Hof“: Hotel-Anbau höhenbegrenzt

Begegnung mit Bulgaren im „Waldschlösschen“ geplant

Begegnung mit Bulgaren im „Waldschlösschen“ geplant

Vier auf einen Streich

Vier auf einen Streich

„Ein rundum gelungenes Bier, das sicherlich munden wird“

„Ein rundum gelungenes Bier, das sicherlich munden wird“

Kommentare