Gograf Hergen Stolle empört

Gogericht verhandelt Diebstahl von Bienenstöcken

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Gograf Hergen Stolle (2.v.l.) mit Jens Kuraschinski (3.v.l.) , Günter Vorberger (4.v.l.) und Benno Timmen (2.v.r.) sowie der Wache der Wildeshauser Schützengilde.

Wildeshausen/Emstek – Gogerichtstag auf dem Desum bei Emstek bedeutet am Sonnabend nach Johanni gelebte Geschichte. In jedem Jahr werden an dem historischen Ort rund um den Gedenkstein historische und aktuelle Fälle unter Vorsitz des Gografen verhandelt.

In diesem Jahr hatte der Heimatverein Düngstrup die Patenschaft für die Veranstaltung übernommen. Deswegen standen die Mitwirkenden aus Wildeshausen und Düngstrup im Mittelpunkt des Geschehens. Nicht nur, dass der Heimatverein Düngstrup mit Rolf Ellerhorst, Frank Huntemann, Jakob und Christa Rauschenberger vier von 14 Schöffen stellte. Allen vorangestellt wurde der Vorsitzende des Heimatvereins Düngstrup, Hergen Stolle, der die Rolle des Gografen übernahm.

Die Speelkoppel der Dünsgtruper spielte den historischen Fall nach. Sowohl Graf Hergen als auch Werner Hagelmann, Detlev Horst sowie Ralf Brüning als Häuslinge Johan Ordingk, Hinrich Berninck und Menke zu Lohe und Jennifer Stolle (Gesche) mit Silke Stolle (Gesches Mutter) spielten ihre Rollen perfekt. Uwe Meyenburg, der auch Regie führte, überzeugte als Anwalt Hovel. Bis auf den Gografen sprachen alle auf „Platt“. Unterstützt wurden sie von Souffleuse Beate Meyenburg.

Verhandelt wurde ein Diebstahl oder wohl eher eine ungerechtfertigte Beschlagnahme von acht Bienenkörben zu Lasten der Häuslinge. Ausgerechnet der Drost des Amtes Wildeshausen sollte der Täter sein, was den Gografen natürlich entsetzte. „Mein Drost Rebicken? Kann das denn angehen? Ich kenne ihn gut. Das ist doch ein ordentlicher Kerl!“, rief der Gograf ungläubig aus.

Und das war noch nicht alles. Drei Jahre zuvor war der Drost wegen der gleichen Tat bereits verurteilt worden. Nun zog er es vor, gar nicht zum Gerichtstag zu erscheinen. Nach kurzer Beratung durch den Umstand (die 14 Schöffen aus den Ämtern des Gerichtsbezirks) verkündete der Urteilsweiser Meik Fangmann das Urteil. „Huusvogt Rebicken, Drost van Wilshusen“ wurde auferlegt, die Bienenkörbe gefüllt mit Honig an die Häuslinge zurückzugeben. Zusätzlich wurden ihm die Anwaltskosten auferlegt. Mit viel Witz trat als Gerichtsschreiber Klaus Brokamp aus Vechta hervor.

Grundlage war ein geschichtlich belegter Fall, der am 2. Mai 1605 vor dem Gogericht verhandelt worden war. Das Ereignis wurde von Detmar Dirks aufbereitet und humorvoll in Szene gesetzt.

Zuvor hatte bereits Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski bei den 500 Zuschauern gepunktet. In der Generalsuniform der Schützengilde und in Begleitung seines Adjutanten Günter Vorberger hielt er eine launige Rede. Sicherheitshalber schützten zwei Wachsoldaten der Gilde den Auftritt des Bürgermeisters, gab dieser doch den tragischen Fall seines Amtsvorgängers Jakob Lickenberg zum Besten. Nach einem Mordkomplott an dem Kleriker Nicolaus Kasselmann eroberte der Bischof von Münster 1529 die Stadt Wildeshausen. Lickenberg wurde vom Desumrichter Johannes Sadelmaker zum Tode verurteilt und auf dem Marktplatz enthauptet.

Zum Tode wird auf dem Desum heutzutage niemand mehr verurteilt und so konnte sich Kuraschinski mit Gefolge die Verhandlungen ungefährdet anschauen.

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