Gleichberechtigte Teilhabe von Behinderten kann durch Ehrenamt wachsen

„Die Menschen mitnehmen“

+
Rita Rockel, Thorben Kienert, Hans Sperveslage, Margrit Haselei und Jörg Arendt-Uhde (v.l.) diskutierten mit den Besuchern.

Wildeshausen - Welchen Wert hat das Ehrenamt auf dem Weg zu einer inklusiveren Gesellschaft? Diese Frage versuchten gestern Abend im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Kreishaus fünf kompetente Gäste zu beantworten. Sie waren der Einladung der Freiwilligenagentur „MischMIT“ gefolgt.

Die Veranstalter hatten nicht mit einer großen Zahl von Besuchern gerechnet. Das Thema Gleichberechtigung von Behinderten zieht nun einmal nicht die Massen an. So fanden sich 20 Gäste im Kreishaus ein, die sich für die Frage interessierten, welche Bedingungen erforderlich sind, um eine freiwillige Tätigkeit sowohl von Nichtbehinderten als auch von Menschen mit einer Behinderung zu ermöglichen. Es kam zu einer sehr engagierten, offenen Diskussion zwischen allen Beteiligten.

Zum Thema „Inklusives Ehrenamt – Chance und Herausforderung“ nahmen unter der Moderation von WZ-Redaktionsleiter Dierk Rohdenburg Margrit Haselei (Geschäftsführerin Norle), Rita Rockel (Behindertenbeauftragte Landkreis Oldenburg), Jörg Arendt-Uhde (Regionalgeschäftsführer Diakonie Himmelsthür), Hans Sperveslage (Vorsitzender Kreisbehindertenrat) und Thorben Kienert (Leiter „MischMit“) Stellung.

Sehr schnell wurde deutlich, dass die bundesdeutsche Gesellschaft noch weit davon entfernt ist, Integration so zu leben, dass niemand benachteiligt wird. „Wir brauchen dazu noch mindestens eine Generation“, so Sperveslage, dessen Einschätzung von Arendt-Uhde geteilt wurde. „Ich wünschte mir, dass es schneller geht, aber ich erlebe ja die Schwierigkeiten bei unserer Konversion von einer großen Einrichtung ‚hinter dem Wald‘ hinein in die Gesellschaft.“

„Wir müssen aufbrechen“, fand eine Besucherin. „Und wir müssen die Bevölkerung mitnehmen“, so Dieter Brüggmann vom Vorstand der Freiwilligenagentur. Denn ehrenamtliches Engagement sei machbar – auch für Menschen mit Besonderheiten. So berichtete eine Frau, dass sie an Multipler Sklerose erkrankt sei. Sie habe sich bei einem Kindergarten gemeldet, weil sie sich engagieren wollte. Zuerst habe man dort ein wenig skeptisch reagiert, doch mittlerweile begreife der Kindergarten ihre Besuche als Gewinn. „Und ich merke, dass ich gebraucht werde.“

Im Gegenzug berichtete Margret Hentemann von der Kleiderkammes des Roten Kreuzes über die wichtigen Erfahrungen für ihr Team durch die Mitwirkung von zwei Frauen mit Beeinträchtigungen. „Wir lernen sehr viel und betrachten jetzt manches aus einem anderen Blickwinkel“, so Hentemann.

Es gibt noch viel zu tun, da waren sich alle Beteiligten einig. „Aber wir sind infiziert mit dem Gedanken der Inklusion, der gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe“, so eine Besucherin. Das sollten wir jetzt nicht mehr abgeben.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Haalands Traumdebüt rettet BVB - Leipzig siegt gegen Union

Haalands Traumdebüt rettet BVB - Leipzig siegt gegen Union

UN-Libyenbeauftragter fordert Abzug ausländischer Kämpfer

UN-Libyenbeauftragter fordert Abzug ausländischer Kämpfer

"Wir haben es satt!": Tausende fordern neue Agrarpolitik

"Wir haben es satt!": Tausende fordern neue Agrarpolitik

Fotostrecke: Werders Befreiungsschlag in Düsseldorf

Fotostrecke: Werders Befreiungsschlag in Düsseldorf

Meistgelesene Artikel

Wer übernimmt einen Hund aus dem Skandal-Versuchslabor?

Wer übernimmt einen Hund aus dem Skandal-Versuchslabor?

Nötigung im Straßenverkehr mit saftiger Geldstrafe geahndet

Nötigung im Straßenverkehr mit saftiger Geldstrafe geahndet

Erfolgsstory aus Wildeshausen

Erfolgsstory aus Wildeshausen

Kircheneinbrüche in Harpstedt und Wildeshausen: Täter gefasst

Kircheneinbrüche in Harpstedt und Wildeshausen: Täter gefasst

Kommentare