Panschar berichtet von Fakten, Wildeshauser Originalen und Kindheitserlebnissen

„Glatze mit Abreißkalender“

Interessantes über die Stadt und ihre Bewohner hatte Alfred Panschar zu erzählen. - Foto: Nosthoff

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Von Originalen, die ihre Spuren bis heute in Wildeshausen hinterlassen haben, wusste der Lokalhistoriker Alfred Panschar während seines Vortrags unter dem Motto „Stadtentwicklung“ am Freitagabend im Zelt am Restaurant „Altes Amtshaus“ jede Menge zu berichten – ob es sich dabei nun um Menschen, Denkmäler oder Gebäude handelte. Zum dritten Mal hatten die Wildeshauser Jusos einen interaktiven Vortrag dieser Art mit Panschar auf die Beine gestellt.

Bei den rund 60 Zuhörern, die sich auch selbst zwischendurch immer wieder zu Wort meldeten und Interessantes zum Vortrag beisteuerten, kamen die mit historischen und aktuellen Bildern verbundenen Fakten und Anekdoten rund um die Wittekindstadt gut an. Panschar widmete sich der Entwicklung der Stadt ab 1839, als Christian Ludwig Hoffmann mit der später so genannten „Villa Hoffmanns-Höhe“ vor dem Huntetor das erste Haus außerhalb des Walls gebaut hatte. Von 1851 bis 1858 folgten weitere Wohnhäuser vor dem Huntetor.

Vor dem Westertor begann ab 1845 vereinzelte Wohnbebauung. Nach Hoffmanns Vorbild baute 1852 der Wildeshauser Kaufmann Johann Lambert Joseph Knagge eine spätklassizistische Villa.

Ein Boom an Wohnbebauung folgte, nachdem 1893 an der Ecke Bargloyer Weg die Zementfabrik Weltmann errichtet worden war. In den 1870er Jahren sei, so Panschar, das Krankenhaus Johanneum entstanden. Ebenso wurde an der Deekenstraße, wo heute die Berufsbildenden Schulen zu finden sind, die Wultzensche Windmühle gebaut, die 1943 abbrannte. In den 1880er Jahren entstanden das Molkereigebäude am Mühlendamm sowie das Krankenhaus Alexanderstift.

Emsig verglichen Panschar und seine Zuhörer die alten Wildeshauser Ansichten mit dem, was heute an den Orten vorzufinden ist. Auch die verschiedenen Standorte der katholischen Schule kamen zur Sprache. „Ich bin Jahrgang 37 und wurde nach dem Krieg noch in der Wallschule eingeschult. Kurze Zeit später kam ich in die St.-Peter-Schule. Weil es zu viele Schüler gab – mehr als 1 000 an der Wallschule – wurden die evangelischen und katholischen Schüler wieder getrennt.“

Gemeinsam mit einigen Zuhörern erinnerte sich Panschar an verschiedene unvergessene oder berüchtigte Lehrer aus den „guten alten Zeiten“. So zum Beispiel an Lehrer Hempelmann, der mit über 70 Jahren aufgrund des Lehrermangels aus seinem Ruhestand an die Wallschule geholt wurde. Daneben berichtete Panschar von anderen unvergessenen Kindheitserlebnissen wie zum Beispiel den regelmäßig verordneten Besuchen bei Friseur Bernd Niester, der laut Panschar von der Nähe seines Betriebes zur Gaststätte „Zum alten Wittekind“ profitierte. „Die 50 Pfennig kassierte er vor dem Haareschneiden. Damit bestellte er sich nebenan ein paar Schluck, wodurch er wohl eine ruhigere Hand bekam“, witzelte Panschar, der auch verriet, dass seine Frisur damals vor allem praktisch zu sein hatte. „Glatze mit Abreißkalender nannten wir den Schnitt“, so Panschar.

Mit dem Original Fritz Döpke kam Panschar auf einen weiteren in ähnlicher Weise ebenso cleveren wie extravaganten Geschäftsmann zu sprechen. „Fritz Döpke war der Opa meiner Frau und ein echtes Wildeshauser Original“, so Panschar. Döpke habe seinerzeit ein kleines Lebensmittelgeschäft betrieben, das er mit einem damals sonst noch gar nicht üblichen Klappschild auf der Straße bewarb und so clever bewirtschaftete, dass er sein Soll irgendwann als erfüllt betrachtete. „Da hängte Döpke dann ein Schild an seinen Laden ‚Wegen Reichtum geschlossen‘ und verjubelte das ganze Geld in Bremen.“

Weitere Lebensstationen des eigenwilligen Wildeshausers seien eine vielbewunderte Deutschlandreise mit Schubkarre und das einsiedlerische Leben als Feuerholz-Macher im Aumühler Wald gewesen. „Döpke füllte eine Schubkarre mit Postkarten sowie Proviant und ging auf Tour“, so Panschar. „Mit großem Tamtam und Blaskapelle wurde er vor der Alexanderkirche verabschiedet. Er kam bis Würzburg. Auch bei seiner Rückkehr war die halbe Stadt auf den Beinen, um ihn zu empfangen.“

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