Gisela Ahlers feiert heute ihren 95. Geburtstag/Mit 25 Jahren nach Düngstrup

General schickt junge Lehrerin in den Westen

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Gisela Ahlers ist leider auf einen Rollstuhl angewiesen. Heute feiert sie ihren 95. Geburtstag.

Düngstrup - Von Joachim Decker. Auch wenn sie erst mit 24 Jahren in die Wildeshauser Landgemeinde gekommen ist, so kann sie durchaus als Urgestein bezeichnet werden, sehr viel hat sie bewegt und ist wohl den meisten Wildeshausern bekannt: Gisela Ahlers, geborene Frahne, aus Düngstrup. Heute kann sie ihren 95. Geburtstag feiern.

So wirklich zufrieden ist sie jedoch nicht, denn aufgrund eines Oberschenkelhalsbruches ist Ahlers auf einen Rollstuhl angewiesen, kann nur mit fremder Hilfe ein paar Schritte laufen. Zu gerne hätte sie den heutigen offiziellen Empfang mit Pastor und Bürgermeister sowie Vertretern des Heimat- und Landfrauenvereins „normal“ erlebt. Ebenso den Sonnabend, wenn die gesamte Familie zusammenkommt – mit ihren sechs Kindern, 16 Enkeln und sieben Urenkeln. Wobei sich diese Zahl schon bald auf acht erhöhen wird. „Dann sind wir locker mehr als 40 Personen“, sagt Tochter Karin von Elbwart. „Familie wird bei uns sehr groß geschrieben“, fügt das Geburtstagskind, das für seinen Familiensinn und seine Bodenständigkeit bekannt ist, an.

Geboren wurde Gisela Frahne am 15. Oktober 1920 auf dem elterlichen Gutshof in Neustüdnitz bei Deutsch Krone in Hinterpommern (heute Polen) als Älteste von sechs Kindern. „Neustüdnitz war ein Dorf mit knapp 200 Einwohnern“, erinnert sich Ahlers. Dort besuchte sie die einklassige Dorfschule. Es folgten das Studium zur Hauswirtschaftslehrerin und später eine Weiterbildung zur Volksschullehrerin. Danach unterrichtete sie an der Dorfschule in ihrem Heimatdorf sogar ihren jüngsten Bruder.

Noch sehr gut kann sie sich an Januar 1945 erinnern, als General von Schleinitz mit einer kleinen Schar Soldaten den unteren Teil des Elternhauses bezogen hat: „Zum Glück! Ich war damals 24 Jahre alt. Der General schickte mich in den Westen, um mich zu schützen. Meine Familie folgte einen Tag später. Mit Pferd und Wagen haben wir uns auf den Weg gemacht.“ Immer wieder seien später Erinnerungen an die Zeit der Flucht und Vertreibung wach geworden. Untermauert werden diese durch ein Flucht-Tagebuch des Vaters sowie viele Briefe von Bekannten und Freunden.

Nach Kriegsende traf sich ein großer Teil der Familie in Aumühle, wo Verwandte lebten. Untergebracht wurden die Frahnes im Herrenhaus. Nach kurzer Lehrtätigkeit in Oberlethe wechselte die Lehrerin an die zweiklassige Volksschule in Holzhausen.

Im Jahr 1948 läuteten die Hochzeitsglocken, Landwirt Gerhard Ahlers führte seine Gisela zum Altar und holte sie damit auf seinen Hof in Düngstrup. Kennengelernt hatte sie ihn beim Sport und beim Kartoffelsuchen auf dem Acker. „Ja“, sagt Ahlers, „die Kartoffeln wurden damals noch mit der Hand aufgelesen.“

Im Jahr 1959 absolvierte sie die Meisterprüfung der ländlichen Hauswirtschaft und bildete viele Lehrlinge aus, ehe sie 1971 wieder als Lehrerin tätig wurde. Zunächst an der Hauptschule in Wildeshausen und dann an der Orientierungsstufe. „Ich habe immer sehr gerne an der Schule gearbeitet. Leider musste ich mit 63 Jahren aufhören, das war damals vom Gesetzgeber so vorgegeben.“

Obwohl auf dem landwirtschaftlichen Betrieb stets sehr viel Arbeit anstand, und sieben Kinder in ihrer Entwicklung und schulischen Laufbahn unentwegt unterstützt wurden, nahmen Heimatpflege und Ehrenamt bei Ahlers immer einen großen Raum ein. So ist sie nicht nur Gründungsmitglied des Landfrauenvereins, den sie 25 Jahre als Vorsitzende leitete. Aktiv war sie auch im Heimatverein. Neben Volkstanz und Wandern spielte sie 25 Jahre lang in der Theatergruppe mit: „Ich habe sehr viele Rollen besetzt. Jede einzelne hat mir Spaß gemacht.“

Erst nach der Silberhochzeit begann das Ehepaar Ahlers, Gerhard verstarb im Jahr 2003, Urlaubsreisen zu unternehmen. Häufigstes Ziel war Dorf Tirol in Südtirol, wo sich manchmal sogar die Familie mit mehr als zehn Personen traf. Das Geburtstagskind weilte bis zum Jahr 2014 mehr als 40 Mal in diesem beschaulichen Urlaubsort.

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