Rededuell: General gegen Digitalisierung

Wird der Vogel bald virtuell geschossen?

+
General Jens Kuraschinski (2.v.l.) und Landrat Carsten Harings (5.v.l.) vor dem Rededuell.

Wildeshausen - Bislang war Wildeshausens Bürgermeister als starker Verfechter eines schnellen Internets in der Kreisstadt bekannt. Als Gildegeneral schien Kuraschinski in seiner (allerdings nicht ernst zu nehmenden Rede) im Angesicht das Landrats Carsten Harings eher das Gegenteil propagieren zu wollen: „Stoppen sie den Ausbau der schnellen Datenautobahn.“

Harings reagierte prompt: Die Ausführungen des Herrn General muteten wie in jedem Jahr doch recht seltsam an.

Traditionell soll der General im Rededuell Forderungen an den Landrat herantragen, die dieser nur ablehnen kann. So fragte Kuraschinski besorgt, wie sich das Gildefest in den kommenden Jahren im Rahmen der Digitalisierung entwickelt. „Werden wir in Zukunft unser geliebtes Gildefest mithilfe digitaler Medien abhalten müssen? Es gibt keinen Ein- und Ausmarsch mehr, der Vogel wird via Internet mit einem Videospiel von Zuhause aus mit der Maus von der Stange geholt. Wahrscheinlich gibt es dann noch verschiedene Level beim Vogelschießen.“ Der General malte ein Horrorszenario: Die Schafferwahl im Netz könnte durch Cyberattacken manipuliert, der Vogelschuss ferngelenkt, ein Stromausfall im Krandel provoziert werden. Kuraschinski forderte: „Schluss mit der Digitalisierung. Nur so können wir gewährleisten, dass unser Fest in Ansätzen so bleibt, wie wir es seit Jahrhunderten entwickelt haben.“

Beim Landrat erntete der General nur Kopfschütteln: „Wie um Himmels Willen kommen Sie denn auf die unfassbar grandiose Idee, den Breitbandausbau für Wildeshausen stoppen zu wollen? Mit einer Abkehr würden sie den Anschluss an die moderne Welt verlieren.“ Der General solle weder ein gallisches noch ein gildische Dorf aufbauen. „Wenn man all Ihre Ängste bündelt, könnte man ja fast meinen, die Errichtung des geplanten Urgeschichtlichen Zentrums ist ein Versuch, der Digitalisierung entgegenzuwirken“, so Harings. 

Wenn der Blick rückwärts gerichtet sein solle, dann könne sich der General das Industriegebiet Wildeshausen-West ganz von der Aufgabenliste streichen. „Anstatt auf das Schwarzmalen sollten Sie sich lieber auf Ihre Schwarzröcke konzentrieren“, schlug Harings vor. Mit der Digitalisierung könnte die Gilde zusätzliche Einnahmen generieren, beispielsweise mit der weltweiten Inverkehrbringung von Braunbier oder der Verbreitung des Papagoys. „Gibt jeder Chinese nur einen Taler aus, so winkt Ihnen ein Milliardengeschäft“, sinnierte Harings. „Wenn es Ihnen gelingt, nur ein Prozent der Asiaten nach Wildeshausen zu locken, dann erwarten sie Abermillionen Besucher, die alle Fotos machen, sie hochladen, wo andere sie liken. Es entsteht ein Siegeszug um die Welt durch die Digitalisierung.“

dr

Das könnte Sie auch interessieren

Holz- oder Steinhaus - Wo liegen die Stärken?

Holz- oder Steinhaus - Wo liegen die Stärken?

Königsschießen in Twistringen 

Königsschießen in Twistringen 

Die neuen Eyeliner-Varianten

Die neuen Eyeliner-Varianten

Bauernhofquiz in Oerdinghausen

Bauernhofquiz in Oerdinghausen

Meistgelesene Artikel

Aldi plant Abriss nach Weihnachten

Aldi plant Abriss nach Weihnachten

Fördermittel für „Förster und Spille“

Fördermittel für „Förster und Spille“

Motorradfahrer stirbt bei Kollision mit Auto auf der Autobahn 29

Motorradfahrer stirbt bei Kollision mit Auto auf der Autobahn 29

„Geest Höfe“ könnten 2022 fertiggestellt sein

„Geest Höfe“ könnten 2022 fertiggestellt sein

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.