Genügend Auszubildende in Wildeshausen?

„Zahl der Bewerbungen ist um die Hälfte zurückgegangen“

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Stephen Nölker (rechts) ist mit viel Spaß bei der Sache. Das weiß auch Werkstattmeister Bastian Kammann.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Immer wieder ist von Fachkräftemangel die Rede. Wie aber sieht es mit Auszubildenden aus, die in die verschiedenen Berufe streben? Hat das Minus an Fachkräften eventuell etwas mit zu wenigen Auszubildenden zu tun? Matthias Anbuhl vom DGB hat im August im Deutschlandfunk erklärt, dass es genügend Auszubildende gebe – die Betriebe aber zu anspruchsvoll seien. Wie aber sieht es in der Kreisstadt mit Auszubildenden aus? Wir haben uns in drei Betrieben umgehört.

Bastian Kammann, Werkstattmeister bei der Firma Landmaschinen Schröder, die im handwerklichen Bereich Land- und Baumaschinenmechatroniker ausbildet, sprach von einem deutlichen Rückgang: „Bislang hatten wir stets zwischen 20 und 25 Bewerbungen. In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl leider um gut die Hälfte zurückgegangen.“ Es sei schwer zu sagen, woran das liegt: „Fakt ist aber auch, dass die schulischen Leistungen deutlich schlechter geworden sind. Wir stellen heute fast nur noch Bewerber mit Realschulabschluss ein.“ Oder es müsse ein sehr guter Hauptschulabschluss sein: „An diesem Beruf hängt mehr dran, als viele vielleicht denken mögen. Das reicht von Mathe bis hin zu Physik und Englisch. Schließlich sind wir international tätig, sodass die Leute auch englisch sprechen müssen.“ Derzeit habe das Unternehmen zehn Azubis: „In diesem Jahr stellen wir wieder drei junge Leute ein.“

Kurz vor der Gesellenprüfung steht der 21-jährige Stephen Nölker, der nach eigener Aussage diesen Beruf jederzeit wieder ergreifen würde: „Die Arbeit ist unwahrscheinlich vielseitig, ich lerne täglich Neues dazu, weil sich die Technik stets weiterentwickelt.“ Hinzu komme ein tolles Team. Dazu Kammann: „Das Team entscheidet über den Erfolg. Eine Kette ist auch immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Daher sind wir froh, eine solch tolle Mannschaft zu haben.“

Vorbelastet ist Nölker nicht: „Ich komme aber vom Land und habe früher viel bei einem Landwirt geholfen. Dabei kam die Entscheidung, diesen Beruf zu ergreifen.“ Es sei in erster Linie die vielseitige Technik, die ihn reize: „Was heute die großen Schlepper können, ist wirklich fast unglaublich. Unter anderem sind die verschiedenen Anbaugeräte auch mit dem IPad zu steuern.“

Kein Mangel bei Agrarfrost

Über Bewerbermangel kann sich die Firma Agrarfrost in Aldrup dagegen nicht beklagen, wie Personalchef Christian Müller und Ausbildungsleiterin Julia Neumann erzählten: „Wir haben für dieses Jahr rund 40 Prozent mehr Bewerbungen erhalten als im Vorjahr.“ Das Spektrum der Berufe ist sehr groß. Es reicht von Industriekaufleuten über Mechatroniker bis hin zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik und Lagerlogistik, um nur einige Berufe zu nennen.

„Wir haben in den vergangenen zwei Jahren vermehrt in das Ausbildungsmarketing investiert und nutzen unterschiedliche Kommunikationskanäle (online, print und face-to-face), um die Schüler auf Agrarfrost als Ausbildungsunternehmen aufmerksam zu machen und sie für uns zu begeistern“, erklärte Neumann. Eine Kombination aus der Teilnahme an Ausbildungsmessen, Infoveranstaltungen an Schulen, der vermehrten Platzierung von Ausbildungsstellen auf Online-Portalen und den traditionellen Printanzeigen habe zu einem Anstieg der Bewerberzahlen geführt.

Thomas Riedel, Besitzer des Unternehmens „Aldruper Wurstspezialitäten“, erklärte auf die Frage, ob er ausbilde: „Wenn Sie Auszubildende für mich haben, dann mache ich das sehr gerne, aber ich finde keine Leute. Fleischer will heute doch kaum noch jemand lernen.“

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