Der Landkreis Oldenburg bietet Paar- und Trennungsberatung an

Gewalt kennt viele Formen

Christiana Dölemeyer (links) und Andrea Fragge vor dem Kreishaus.
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Christiana Dölemeyer (links) und Andrea Fragge vor dem Kreishaus.

Wildeshausen/Landkreis – „Aufwind“ nennt sich die Frauen- und Mädchenberatungsstelle des Landkreises Oldenburg. Doch anders als der Titel zunächst vermuten lässt, bietet die Einrichtung ebenso Hilfe für Paare an, und in diesem Zusammenhang unter anderem eine Trennungsberatung. In dieser Funktion werde die Einrichtung durchaus auch von Männern und kontaktiert, berichten Andrea Fragge, Leiterin der Beratungsstellen „Aufwind“ und „Biss“ (Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt im Landkreis Oldenburg) und Christiana Dölemeyer, Leiterin des Amtes für Teilhabe und Soziale Sicherung des Landkreises.

Das Besondere bei diesem Angebot ist, dass ein Berater-Duo zum Einsatz kommt: und dieses bestehe aus einer Frau und einem Mann, sodass sich beide Seiten des hilfesuchenden Paares gleichberechtigt und in ihrer schwierigen Situation angenommen fühlten, berichtet Fragge. Doch stehe der Service natürlich auch gleichgeschlechtlichen Paaren offen. Voraussetzung sei jedoch stets ein „Gewalthintergrund“. Doch da beginne schon die Arbeit der Beratenden, so Fragge weiter: „Wo fängt die Gewalt an?“ Das sei nicht immer klar, auch den Betroffenen werde dies mitunter erst im Gespräch deutlich. Denn nicht immer handele es sich um klar zu erkennende physische Gewalt. „Es fängt nicht erst beim Schlagen an“, erläutert die Expertin.

Manche Betroffene sagten etwa, dass sie „nur eifersüchtig“ seien, dann aber Kontrolle über ihren Partner ausübten. Das sei bereits eine Form von Gewalt gegen den anderen: „Es ist wichtig, dass die Leute das wissen“, so Fragge über die Einordnung. Deswegen werde dies in den Gesprächen vermittelt. Oft äußere sich Gewalt gegen den Partner schon vorher in der Sprache. Aus ihrer Erfahrung mit dem hiesigen Frauenschutzhaus können sie sagen: „Das Schlimmste ist die Demütigung“, so Fragge. Denn dadurch werde das Selbstwertgefühl des Opfers vernichtet. Doch wendeten sich ebenso auch Männer hilfesuchend an die Paarberatung.

Rahmenbedingungen abklären

Bevor es zu dem Gespräch komme, gelte es immer, gewisse Rahmenbedingungen ins Kalkül zu ziehen. Handelt es sich um die Begleiterscheinungen eines „Trennungsgezerres“ oder ist es latente Gewalt? Ist die Eskalation die Folge von Sucht oder einer psychischen Erkrankung? Eine Risikoanalyse laufe immer mit, unterstreicht Fragge. Gegebenenfalls werden die Paare dann weitervermittelt.

Die „Aufwind“-Beratungen selbst erfolgen stets im Kreishaus, einem vergleichsweise neutralen Ort, so Fragge weiter. Wichtig sei, dass beide Teile des Paares freiwillig daran teilnähmen, erläutert sie. Zum Thema Gewalt gebe es eine klare Haltung, darüber hinaus seien die Gespräche völlig offen: „Das Paar bestimmt das Ergebnis.“ Bei manchen reiche bereits eine Sitzung aus, um den Knoten zu durchschlagen, bei anderen sei eine Lösung erst einmal nicht abzusehen. Doch seien Ursachen und Anlässe für die Konflikte denkbar individuell.

Auf beide Seiten eingehen

Dadurch, dass die Beratung durch ein geschultes Expertenduo erfolge, böten sich viele Möglichkeiten, auf die andere Seite zuzugehen und einzuwirken. Gleichwohl sei es nicht immer so, dass die Beraterin die Perspektive der Frau einnehme oder der männliche Part immer den Standpunkt des Mannes vertrete. Auch könnten Dritte zu folgenden Gesprächen hinzugebeten werden, die den Streitenden eine weitere Sichtweise auf ihre Auseinandersetzung bieten können, etwa die Kinder des Paares.

Zum Abschluss des Gespräches zitiert Fragge einen Spruch, mit dem eine andere Beratungsstelle in Norddeutschland während der Corona-Zeit auf sich aufmerksam macht: „Häusliche Gewalt kennt keine Pause – wir auch nicht.“ Das gelte ebenso für ihre Teams und die Angebote in Wildeshausen. Wenn Gewalt passiere, dürfe nicht gewartet werden. „Wir hatten nicht einen Tag geschlossen“, ergänzt Dölemeyer. So hätten die Mitarbeiterinnen unter anderem das Frauenhaus durchgehend offengehalten, berichtet sie anerkennend.  

Kontakt zur Paar- und Trennungsberatung des Landkreises Oldenburg

Montag, Dienstag, Freitag 10 bis 12 Uhr, Mittwoch 13 bis 15 Uhr.

Telefon 04431/7380820.; E-Mail: aufwind@oldenburg-kreis.de
Im Internet: www.aufwind.oldenburg-kreis.de

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