Multiresistente Keime in der Brookbäke

Gesundheitsamt sieht nur geringes Risiko

Die Kinder auf Gut Spasche sind verärgert: Sie dürfen nicht mehr in der Brookbäke spielen.
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Die Kinder auf Gut Spasche sind verärgert: Sie dürfen nicht mehr in der Brookbäke spielen.

Wildeshausen – Die Sorge ist groß bei Eltern, Anwohnern und Naturschutzverbänden. Die Umweltorganisation Greenpeace hatte vor wenigen Monaten Untersuchungsergebnisse präsentiert, nach denen in der Brookbäke in Düngstrup (Landgemeinde Wildeshausen) multiresistente Keime aus dem Abwasser des Geflügelschlachthofes Geestland nachgewiesen wurden.

Diese Keime können Antibiotikaresistenzen beim Menschen hervorrufen, die laut Weltgesundheitsorganisation eine ernsthafte Bedrohung für die medizinische Behandlung bedeuten.

Nach der Bekanntgabe der Messergebnisse hatte die Schule Gut Spascher Sand, deren Schüler vorher unbekümmert im Uferbereich der Brookbäke gespielt hatten, den Bereich abgesperrt und sich an das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (LGA) in Hannover gewandt. Gleichzeitig schickte auch der Naturschutzbund (Nabu) Dötlingen-Wildeshausen einen Brief an die Behörde, um zu klären, welche Verhaltensmaßregeln die Bürger des Landkreises Oldenburg, die Landkreisverwaltung und der Betreiber des Schlachthofs Geestland befolgen sollen, um in Zukunft gesundheitliche Gefahren abzuwenden, die durch die Einleitung multiresistenter Keime in ein öffentliches Fließgewässer zu befürchten sind.

Landesgesundheitsamt antwortet dem Naturschutzbund

Die Antworten liegen nun vor. Nach Ansicht des Nabu sind sie jedoch unbefriedigend. „Das wird betroffene Eltern nicht gerade beruhigen“, erklärt Sprecher Wolfgang Pohl. Mit einer Lösung des Problems sei ganz offensichtlich aktuell nicht zu rechnen.

Das LGA verweist darauf, dass es für Abwasser und Oberflächengewässer eigentlich nicht zuständig ist. Es stellt jedoch fest, dass im Rahmen eines Messprogramms im Jahr 2018 in diversen Badegewässern, zu denen auch Fließgewässer gehörten, zu keinem Zeitpunkt klinisch relevante antibiotikaresistente Bakterien kulturell nachgewiesen werden konnten. „Die Ergebnisse unterstützen die Auffassung des Umweltbundesamtes, dass beim Schwimmen in Badegewässern (...) ein Kontakt mit Bakterien mit erworbener Antibiotikaresistenz (ARB) unwahrscheinlich ist“, heißt es. Des Weiteren werde bei gesunden Menschen mit intakter Haut hinsichtlich einer potenziellen Belastung mit ARB keine erhöhte Gesundheitsgefährdung gesehen.

Abfluss in die Brookbäke: Hier werden Schlachtabwässer in den Bach geleitet.

Zum Thema Spielen am Bach führt das LGA aus: „Beim Spielen in der Umwelt (...) kommt es ganz natürlich zum Hautkontakt mit einer großen Zahl von Bakterien und anderen Mikroorganismen. Daher ist es wichtig, dass grundsätzlich und unabhängig vom potenziellen Vorkommen von antibiotikaresistenten Keimen nach dem Spielen in der Umwelt die Hände sorgfältig gewaschen werden.“ Dann, so das LGA, bestehe auch bei einem potenziellen Hautkontakt allenfalls ein sehr geringes hygienisches Risiko.

Landesgesundheitsamt rechnet mit Verdünnungseffekten

Die Behörde weist zudem darauf hin, dass die Probennahmestelle im Auftrag von Greenpeace etwa vier Kilometer vom Standort der Schule in Spasche entfernt ist. Es sei schwer vorhersagbar, ob und inwieweit die Einleitungen von Geestland überhaupt noch einen nennenswerten Einfluss auf die Wasserqualität der Brookbäke auf dem Schulgelände haben. Man könne davon ausgehen, dass die Konzentration von eingetragenen Mikroorganismen stromabwärts rasch abnehme. Zu dieser Verringerung trügen auch Verdünnungseffekte, die Lichteinstrahlung und Absetzungsprozesse bei.

Grundsätzlich ist nach Angaben des Landesgesundheitsamtes die Einleitung durch den Schlachtbetrieb von Geestland zulässig. Es gibt derzeit keine Vorschriften für Filteranlagen. „Zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenz ist es aber immer noch am sinnvollsten“, heißt es im Schreiben, „die Quelle des Problems anzugehen, also den Einsatz von Antibiotika soweit wie möglich zu minimieren.“  

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