„Geschichte im Rathaus“: Lokalhistoriker Panschar zeigt alte Luftaufnahmen

Von Villen, Denkmälern und rohen Badesitten

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Mit der „Hoffmanns-Höhe“ begann Heimatforscher Alfred Panschar seinen Vortrag im historischen Rathaussaal.

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. „Wildeshausen in Luftbildern“ – auf diese Zeitreise aus der Vogelperspektive mit Heimatforscher Alfred Panschar begaben sich am Mittwochabend im historischen Rathaussaal der Kreisstadt mehr als 100 Gäste.

Interessiert verfolgten die Besucher den Vortrag im Rahmen der Reihe „Geschichte im Rathaus“ des Bürger- und Geschichtsvereins. Und bei so manchem Alt-Wildeshauser weckten Bilder und Erzählungen Erinnerungen. Mitunter flossen diese – wie auch Panschars persönliche Anekdoten – in den Vortrag des Lokalhistorikers ein.

Einen kurzen Abriss gab Panschar über die Entwicklung von Wildeshausen als Stadt. So konnte er beispielsweise feststellen, dass Wildeshausen nicht vor dem 19. Jahrhundert über die Grenzen des Walles hinausgewachsen ist. Dieser diente bereits im Mittelalter zur Befestigung der Burganlage. Anschaulich demonstrierte Panschar dies an verschiedenen mittelalterlichen Karten.

Panschar interessierte vor allem die Entwicklung der Stadt ab 1839, als Christian Ludwig Hoffmann mit der „Villa Hoffmanns-Höhe“ vor dem Huntetor das erste Haus überhaupt außerhalb des Walles gebaut hat. „Der Vermessungsbeamte errichtete für seine kinderreiche Familie am Backskamp ein repräsentatives Landhaus im Stil des Oldenburger Klassizismus“, berichtete Panschar. Das gut erhaltene Gebäude stehe heute unter Denkmalschutz. „Sehenswert war der dazugehörige Park mit dem alten Baumbestand, der mittlerweile allerdings sehr gelitten hat“, so Panschar. Gut erinnere er sich an das Grundstück aus seiner Kindheit, denn er habe es auf seinem Schulweg überqueren müssen. Mit ihm zur Schule gegangen sei außerdem der Sohn der damals dort wohnenden Familie Burmeister. Von 1851 bis 1858 folgten weitere Wohnhäuser vor dem Huntetor. Außerhalb der Stadt vor dem Westertor begann 1845 vereinzelte Wohnbebauung. 1852 erbaute nach Hoffmanns Vorbild der aus Wildeshausen stammende Kaufmann Johannes Lambert Joseph Knagge eine spätklassizistische Villa.

Ein Boom an Wohnbebauung folgte, nachdem 1893 an der Ecke Bargloyer Weg die Zementfabrik von Weltmann errichtet worden war. In den 1870er Jahren sei, so erläuterte Panschar, das Krankenhaus Johanneum entstanden. Ebenso wurde an der Deekenstraße, wo heute die Berufsbildenden Schulen (BBS) zu finden sind, die Wultzensche Windmühle gebaut, die 1943 abbrannte. In den 1880er-Jahren entstanden das Molkereigebäude am Mühlendamm sowie das evangelische Krankenhaus Alexanderstift.

Reich illustriert konnte Panschar bereits seine Einführung präsentieren – mit alten Fotos, die er in unermüdlicher Arbeit zusammengetragen hatte. Auch sein Geburtshaus, das „Haus Panschar“ an der Harpstedter Straße, fand sich darunter – mit seiner Großmutter, seiner Tante und seinem Vater als kleinem „Stöpsel“.

Panschars Luftbilder begannen ab dem Jahr 1929 und setzten sich über die Jahre 1956/57 bis in die 1970er Jahre fort. Einen kurzen Abriss zur Beschreibung des jeweiligen Stadtbilds und mindestens eine Anekdote gab es von Panschar zu jedem Bild.

So webt sich beispielsweise ein Geheimnis um das 1889 errichtete Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Der Obelisk aus Sandstein mit dem Kaiser-Bildnis, umgeben von Kohl- und Kartoffelfeldern, wurde möglicherweise beseitigt, indem ein Loch gegraben und das Denkmal einfach hineingeworfen wurde.

Auch von rohen Badesitten zu „seiner Zeit“ wusste Panschar zu berichten: „Unser Schwimmlehrer hat uns tatsächlich einfach genommen und in die Hunte geschmissen – und wir mussten hinüber.“

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