Vor Gericht nimmt Frau Aussage zurück

Schläge gegen Bauch einer Schwangeren?

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Mediengruppe Kreiszeitung

Wildeshausen - Die Anklagen vor dem Amtsgericht Wildeshausen gegen einen 25-jährigen Vater aus Wildeshausen klangen gestern drastisch. Unter anderem soll er im November vergangenen Jahres seiner hochschwangeren 19-jährigen Freundin mit der flachen Hand ins Gesicht und mit einem Baseballschläger so stark auf ihren Bauch geschlagen haben, dass das ungeborene Kind hätte getötet werden können. Zudem soll er mit mindestens 1,6 Promille im Blut Auto gefahren sein sowie einen Freund zu einer uneidlichen Falschaussage bei einem Prozess gedrängt haben, bei dem es um Hehlerei mit Handys ging.

Was am Abend des 22. November konkret geschah, ließ sich auch nach fünf Zeugenaussagen nicht ermitteln. Bis zum 16. September soll nun ein Sachverständigengutachten zumindest Aufschluss darüber geben, wie stark die Fahr-tüchtigkeit des Angeklagten nach dem entscheidenden Vorfall, dem Streit mit seiner Freundin und ihrem Sturz, eingeschränkt war.

Sowohl der Angeklagte als auch seine damalige Freundin nahmen entscheidende Aussagen, die sie am Tatabend gemacht hatten, vor Gericht zurück. Der 25-Jährige gab zu, tatsächlich gefahren zu sein und somit die Polizei belogen zu haben. Seine Partnerin habe er aber nicht geschlagen. Er sei an dem Tag schlecht drauf gewesen. Seine Freundin habe ihm angekündigt, aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen zu wollen. Sie hätte die Schnauze voll, soll sie gesagt haben. Und dass sie gleich von einem Kumpel abgeholt würde. „Ich wollte mich abschießen“, so der Angeklagte, der sich mit Freunden in der Wohnung traf und trank. Als es unten auf der Straße Lärm gegeben habe, sei er dort hingelaufen und hätte mit seinem Baseballschläger mehrmals gegen eine Laterne geschlagen. Dann habe er seine Ex-Freundin gesehen. Ohne den Schläger sei er zu ihr gegangen, man habe sich beleidigt, sie habe ihn festgehalten, worauf er sie wohl nach hinten gestoßen habe und sie gestürzt sei. Da habe sie ihm angekündigt, dass sie die Polizei rufen würde.

Der Angeklagte flüchtete mit dem Auto, kam aber später wieder zurück und wurde festgenommen.

Die 19-Jährige bestätigte den Verlauf der Auseinandersetzung. Dass ihr damaliger Freund sie mit dem Baseballschläger getroffen habe, hätte die Polizei ihr in den Mund gelegt. „Ich war durcheinander“, erklärte sie. Deshalb habe sie auch SMS an eine Freundin geschickt, dass sie geschlagen worden sei. Schon einen Tag später habe sie aber der Polizei signalisiert, dass sie ihre Aussagen zurücknehmen wolle. Laut Gerichtsakten verweigerte sie aber später weitere Aussagen.

Angesichts der ähnlichen Versionen des Angeklagten und der Zeugin sowie der Tatsache, dass beide – mal als Partner, mal nicht – noch bis zum 1. August in einer Wohnung zusammengelebt hatten, brauste die Staatsanwältin auf: „Haben Sie vor der Verhandlung miteinander gesprochen? Die Aussagen klingen fast wortgleich und komplett anders als in der Akte“, fuhr sie dazwischen. Auch die Richterin kritisierte das „Rumgeeier“ und ermahnte die Zeugin, dass sie die Wahrheit sagen müsse. Diese blieb aber weitgehend bei ihrer Version.

Unklar blieb auch, warum eine Freundin von zu Hause die Polizei rief und von Körperverletzung und Trunkenheitsfahrt sprach, obwohl sie nicht vor Ort war. Von ihrem Mann, der ein Freund des Angeklagten und vor Ort war, hatte sie nach dessen Aussage nur etwas von der Trunkenheitsfahrt erfahren. Den Tatverlauf hatte keiner der Zeugen vor Gericht beobachtet. Die Klärung, wie die unterschiedlichen Aussagen aus der Tatnacht und aus dem Gerichtssaal zu bewerten sind, ist nun Aufgabe der Richterin.

dr

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