Interview über Autoritätsverlust und Neugier

Rektor Gerhard Albers: „Eigentlich hätte ich Fleischer werden sollen“

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Gerhard Albers war zwölf Jahre lang Rektor der Berufsbildenden Schulen in Wildeshausen. In dieser Zeit setzte er sich auch für eine stärkere europäische Ausrichtung der Schule aus. 

Wildeshausen - Am 31. Juli geht Gerhard Albers, Rektor der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Wildeshausen, in Pension. Im Interview verrät der 65-Jährige, was er bei der heutigen Schülergeneration vermisst und warum er fast Fleischermeister geworden wäre. Die Fragen stellte Ove Bornholt.

Herr Albers, Sie sind seit 2006 Rektor in Wildeshausen und seit 1980 Lehrer. Haben sich die Schüler in dieser Zeit verändert?

Albers: Ja, klar. Der Autoritätsverlust macht sich nicht nur gegenüber der Polizei, sondern auch in der Schule bemerkbar, wo man auf anderen Wegen versuchen muss, bestimmte Maßstäbe zu vermitteln.

Wie zeigt sich das konkret?

Albers: Schüler hören früher auf, weiter für den Erfolg zu kämpfen, wenn es nicht läuft. Dabei weiß im Grunde jeder, dass die ersten Schritte nicht die sind, die Spaß machen, sondern, dass man erst einmal ein bisschen Fähigkeiten gewinnen muss, damit man auch Spaß haben kann.

Haben denn die ersten Schritte als Rektor Spaß gemacht?

Albers: (grinst) Ich wollte die Aufgabe bewusst, deswegen wäre es ja merkwürdig gewesen, wenn nicht. Ich habe die Entscheidung, mich zu bewerben, zu keinem Zeitpunkt bereut. Und wenn mein Geburtsdatum anders wäre, würde ich auch noch weiter machen.

Gäbe es denn die Möglichkeit, weiter als Rektor oder im Lehrerdienst tätig zu sein?

Albers: Die bestünde. Aber es gibt durchaus Überlegungen, jetzt mal etwas anderes zu machen. Und man weiß ja nicht, wie lange man diese Möglichkeiten hat.

Was haben Sie denn im Ruhestand vor?

Albers: Ich möchte ein paar Hobbys wieder ein bisschen aktivieren. Dazu gehört die Kommunalpolitik (Anm. d. Red.: Albers sitzt für die CDU im Rat seiner Heimatgemeinde Saterland). Außerdem habe ich ein paar Scheine gemacht, wofür ich in der Schule ein bisschen belächelt werde.

Was für Scheine?

Albers: Ich habe einen Jagd- sowie einen Bootsführerschein und werde diese ausprobieren. Etwas Neues zu lernen, ist etwas, das dem Mensch eigen ist. Etwas, das er gerne mag. Meine Neugier soll nicht mit der Pensionierung enden, sondern eine andere Richtung einschlagen.

Kommen wir zurück zur BBS. Vor welchen Herausforderungen standen Sie in Ihrer Zeit als Rektor?

Albers: Ich kann mich noch an den 11. Mai 2006 erinnern, mein erster Tag. Die Größe des Kollegiums, das in der Widukind-Halle versammelt war, war beeindruckend (Anm. d. Red.: An der BBS sind 140 Lehrer beschäftigt). Das ist das Bild, das zurückgeblieben ist.

Was hatten Sie da im Kopf?

Albers: Man kann bei der Größe erkennen, dass es darauf ankommt, so eine ländliche Berufsschule, die immer sehr vielfältig ist, gut zu organisieren. Der Alltag lässt sich eigentlich nur mit guten Mitarbeitern und tatkräftigen Abteilungsleitern bewältigen.

Sie setzen also darauf, dass Abteilungsleiter ihre Freiheiten haben?

Albers: Ja, das ist ein Problem, das Schulleiter haben. Wie viel wollen sie selbst entscheiden und wie viel Vertrauen setzen sie in ihre Kollegen? Da sind wir gut aufgestellt, würde ich sagen. In fast allen Fällen ist es gelungen, Konsens herzustellen.

Wer übernimmt Ihre Nachfolge?

Albers: Kommissarisch mit größter Wahrscheinlichkeit meine Stellvertreterin Tanja Schlotmann. Und im Laufe des Jahres wird sich hoffentlich ein Nachfolger finden. Die Stelle war im September ausgeschrieben, es gab aber recht wenig Bewerbungen. Nun liegen genug vor. Das Auswahlverfahren hat begonnen, dauert aber seine Zeit.

Vor welchen Herausforderungen steht der Nachfolger?

Albers: Arbeit 4.0, die Auswirkungen der neuen wirtschaftlichen Revolution werden die BBS besonders treffen. Des Weiteren befinden wir uns seit Jahren in einer Sanierungs- und Erweiterungsphase. Die wird in den nächsten Jahren besonders hier aufschlagen, weil das Hauptgebäude dran ist. Und dieses Jahr ist der Personalwechsel erstmals erheblich. Acht Pensionierungen stehen an, noch mehr befristete Verträge enden. Da geht natürlich Erfahrung verloren.

Kommen wir noch einmal auf Sie persönlich zurück. Wie verlief Ihre Schulbildung?

Albers: Ich bin ein Kind der Berufsbildenden Schulen und habe die Volksschule bis zum Schluss besucht, dann die mittlere Handelschule und das Handelsgymnasium. Eigentlich hätte ich Handwerker werden sollen. Meine Eltern hatten eine Fleischerei und wollten, dass ich ein bisschen wirtschaftliche Grundlage erwerbe. Deswegen habe ich die Handelsschule gemacht. Die Konsequenz war, dass ich es mir anders überlegt habe und Lehrer geworden bin (schmunzelt).

Also ist an Ihnen ein guter Handwerker verloren gegangen?

Albers: Das weiß ich nicht. Aber ich bewundere die Schüler dafür, was sie alles im handwerklichen Bereich können. Wenn ich mir vorstelle, jemand fährt durch die Gegend und sieht, woran er überall mitgebaut hat, ist das ein völlig anderes Gefühl, als wenn man jemanden auf der Straße sieht, den man im Unterricht gehabt hat.

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