Gymnasium Wildeshausen versucht, den Kontakt zu den Schülern zu halten

In der Gemeinschaft durch die Krise

Arbeiten am Erasmus-Projekt: Antje Grützmacher (links) und Tanja Krönke. Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Fußball spielen im Sportunterricht? Keine Chance, das darf in der Corona-Zeit nur die Bundesliga. Am Gymnasium Wildeshausen haben sich die Lehrer etwas anderes überlegt, um die Jugendlichen auch ohne Sportunterricht fit zu halten: „Joggi“. Die fiktive Figur wandert durch Europa, seit Freitag ist sie in Albanien, und bald geht es nach Griechenland. Jeden Meter, den „Joggi“ zurücklegt, sind vorher die Schüler des Gymnasiums gelaufen.

Lehrer Markus Kötke hatte die Idee zu der ungewöhnlichen Variante des Sportunterrichts. Der darf wegen Corona streng genommen zurzeit gar nicht stattfinden. Aber nur auf dem Sofa rumlümmeln sollen die Schüler ja auch nicht. Also haben Kötke und seine Kollegin Nicola Malaske eine Route durch Europa geplant und die Gymnasiasten aufgerufen, zu walken oder zu joggen. Mitmachen muss niemand, und Noten gibt es dafür auch nicht. Trotzdem haben sich bis auf drei oder vier Schüler pro Klasse fast alle beteiligt und in zwei Wochen stattliche 11 276 Kilometer zurückgelegt. So konnte „Joggi“ von Saragossa in Spanien aus große Teile West- und Mitteleuropas bereisen.

Mit Projekten wie diesem wollen die Lehrer ihren Schülern ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln, da bis jetzt nur ein Jahrgang wieder im Präsenzunterricht ist. Eine weitere Idee der Lehrer ist ein Video, mit dem künftigen Fünftklässlern das Gymnasium vorgestellt wird. Kötke hat den sechseinhalb Minuten langen Clip mit Legofiguren gedreht, die die Schule betreten. Der Pädagoge zeigt den Pausenhof, die Mensa und die Klassenräume, erklärt, welche Funktion die Räume haben und was die Schüler erwartet. „Man darf sich nichts vormachen, es wird dieses Jahr keinen Info-Nachmittag geben“, sagt Rektor Andreas Langen, der die Presse eingeladen hatte, damit die Lehrer ihre Projekte vorstellen können. „Sie alle sind kleine Bausteine, mit denen wir diese Zeit gut bewältigen können“, hofft Langen.

Vor einer besonderen Herausforderung steht auch der „PopChor“ des Gymnasiums, denn gemeinsames Singen wird wohl noch eine Weile verboten sein, weil dabei viele Tröpfchen in die Luft gepustet werden. Also spielte Lehrerin Tina Niemann kurzerhand „I Want You Back“ von den „Jackson Five“ ein, und die Schüler sangen jeder für sich mit einem Mikrofon oder ihrem Smartphone mit. Anschließend legte die Pädagogin die Tonspuren übereinander, und herausgekommen ist ein Lied, das klingt, als wäre es von einem Chor gemeinsam gesungen worden. „Wir würden die Schüler gern alle zurückhaben“, erklärt Niemann ihre Musikauswahl.

Derzeit entscheidet sich auch, ob sich das Gymnasium mit dem Titel „Europaschule“ schmücken darf. Während über den Antrag entschieden wird, standen Antje Grützmacher und Tanja Krönke vor dem Problem, ihr Erasmus-Projekt in Zeiten geschlossener Grenzen fortzusetzen. Auf dem digitalen Weg gelang es schließlich, die Wildeshauser Schüler mit Jugendlichen aus Italien, Portugal und Polen zusammen zu bringen. Sie hinterließen zum Beispiel Grußbotschaften auf einer digitalen Tafel und teilten sich gegenseitig mit, was sie als erstes machen wollen, wenn die Coronakrise beendet ist.

Langen lobt das Engagement seiner Lehrkräfte, aber auch das der Schüler. Diese seien fast durch die Bank sehr diszipliniert, meinen auch die Pädagogen. Trotzdem freuen sich alle auf den Moment, wenn in der Schule wieder Normalität einkehrt.

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