Fahrradwerkstatt im Jugendzentrum läuft gut an

Gemeinsames Schrauben an gebrauchten Drahteseln

Roni Moklaschi hilft den Kindern beim Waschen der Räder.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Hier ist eine Glühbirne defekt, dort ein Loch im Schlauch und gleich daneben fehlt der Sattel auf der Stange. Ein Raum des Jugendzentrums in Wildeshausen ist seit vier Wochen zu einer Fahrradwerkstatt umfunktioniert worden. Dort werden gebrauchte Drahtesel auf Vordermann gebracht – und die zukünftigen Besitzer helfen fleißig mit.

Wer am Dienstagnachmittag ab 17 Uhr zum „Jott Zett“ kommt, kann bereits vor dem Eingang Kinder sehen, die an Fahrrädern herumschrubben. Auch Erwachsene stehen dort, drehen an Muttern, ziehen Ketten nach oder begutachten Bremsanlagen. Einer von ihnen ist Hartwig van Düllen. Über seine Nachbarin Kristiane Helter ist der Wildeshauser Ingenieur darauf aufmerksam geworden, dass viele in die Kreisstadt Geflüchtete Schwierigkeiten haben, mobil zu sein, weil ihnen ein fahrbarer Untersatz fehlt. Deshalb wollte van Düllen selbst Hand anlegen und organisierte zusammen mit Roni Moklaschi vom Jugendzentrum die Fahrradwerkstatt. Rund 40 Räder wurden dort mittlerweile abgegeben. Manche fast wie neu, andere nur noch teilweise funktionsfähig. „Wir können alles brauchen“, sagt van Düllen, „und haben schon einige Exemplare komplett zerlegt, um die Ersatzteile zu nutzen.“ Mittlerweile kann sich der Ingenieur auf die Hilfe von Jürgen Springer stützen, und auch der Syrer Abdulhadi Shikhbakrou hat Gefallen an der Bastelei gefunden und kommt regelmäßig in die Werkstatt.

Die Aktiven legen Wert auf die Feststellung, dass sie mit ihrer Arbeit keinem Fahrradhändler Konkurrenz machen wollen. Es geht darum, Drahtesel, die schon seit gefühlten Ewigkeiten im Schuppen oder Keller stehen, wieder fahrtüchtig zu machen und Menschen, die sonst keine Chance hätten, ein Rad zu erstehen, eine Hilfe zu bieten.

Dabei ist es gerne gesehen, dass diejenigen, die ein Rad benötigen, bei der Reparatur mithelfen. So wie Imad Hamada aus Syrien, der Fahrräder für seine mehrköpfige Familie benötigt. „Da der Andrang groß ist, haben wir beschlossen, vorerst nur zwei Räder pro Familie zur Verfügung zu stellen“, berichtet Moklaschi, der aufgrund seiner Arabischkenntnisse ein wichtiger Ansprechpartner für die Flüchtlinge ist. Insbesondere Kinderfahrräder seien aktuell sehr gefragt. „Wir brauchen auf jeden Fall weitere Spenden“, so der Pädagoge. Die Räder können jederzeit zum Jugendzentrum gebracht werden, denn die ehrenamtlichen Helfer sind mehrmals in der Woche vor Ort. „Wir haben glücklicherweise Sponsoren, die es uns ermöglichen, wichtige Ersatzteile zu kaufen, wenn wir welche benötigen“, ergänzt Moklaschi und hofft, möglichst viele fahrbare Untersätze bereitstellen zu können.

Bislang dürfen die Fahrräder noch nicht benutzt werden. In der kommenden Woche kommt Rolf Quickert vom Polizeikommissariat in Wildeshausen ins Jugendzentrum, um die ersten Drahtesel zu überprüfen und zu codieren. Dann werden die Gefährte an die Bedürftigen ausgegeben – rechtzeitig zur warmen Jahreszeit.

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