„Gemeinsam etwas entwickeln“

Bremens ehemaliger Bürgermeister Henning Scherf spricht auf Gut Spascher Sand

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Loben das Ehrenamt: Thorben Kienert, Henning Emler von Maydell, Beate Konukiewitz, Henning Scherf (v.l.).

Wildeshausen – Am Ende war Henning Scherf kaum zu bremsen: Pastorin Beatrix Konukiewitz musste den ehemaligen Bremer Regierungschef dreimal daran erinnern, dass seine Frau Luise bei einem Empfang auf ihn wartete.

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Wildeshausen, die Freiwilligenagentur Wildeshausen „mischMIT“ und die Privatschule „Gut Spascher Sand“ hatten Scherf für einen Vortragsabend in die Aula der Privatschule eingeladen. Etwa 100 Besucher waren dafür nach Spasche gekommen. Der Bremer begrüßte jeden Gast mit Handschlag.

Scherf, von 1995 bis 2005 Bremer Bürgermeister und Präsident des Senats, beließ es in seinem Vortrag nicht bei einem Loblied auf das Ehrenamt. Er fasste den Begriff des ehrenamtlichen Engagements viel weiter. 

Die Stationen seines Lebens zeugten davon, dass bürgerschaftliches Engagement in vielen Lebensbereichen unabdingbar für eine funktionierende und menschliche Gesellschaft ist. Das Nachkriegs-Bremen habe Scherf besonders geprägt. Er habe Wilhelm Kaisen erlebt, der auf einem Schutthaufen zwischen den Trümmerfrauen saß und Steine sortierte. Beeindruckt war er von Anna Stiegler, Bürgerschaftsabgeordnete von 1918 bis zur Auflösung der Bürgerschaft 1933, dann Widerstandskämpferin im Dritten Reich. „Diese kleine, zierliche Person stand nach dem Krieg mit ihrem im KZ kahl geschorenen Kopf vor den meuternden Hafenarbeitern und hat dagegengehalten“, erinnerte sich Scherf an das Engagement der ehemaligen Bürgerschafts-Vizepräsidentin.

Engagement und Gemeinschaft begleiteten Scherf das gesamte Leben. Ob als Felix-Stipendiat des Evangelischen Studienwerkes oder in seiner Wohngemeinschaft, die das Ehepaar Scherf 1987 in Bremen mit acht weiteren Bewohnern gründete. Auch dort wird der Zusammenhalt gepflegt. Er war immer „auf der Suche nach Leuten, mit denen man sich versteht und gemeinsam etwas entwickeln kann“. Sein Credo ist wie eine Forderung nach einer uneigennützigen Gesellschaft: „Voran kommt man, wenn man teilen kann und gemeinsam etwas bewirkt. Wichtig ist dabei, dass man nicht immer auf das Geld guckt.“

Zwei Grundsätze gab der Redner seinen Zuhörern dann noch mit auf den Weg: „Demokratie lebt davon, dass sich möglichst viele engagieren und sich gegenseitig achten“, und „Was trägt, ist, was man tut“. „Wichtig war ihm, aus meiner Sicht, dass die Gesellschaft ohne Ehrenamtliche nicht auskommen kann und auch nicht sollte“, zeigte sich Bernhard Block aus Wildeshausen abschließend vom Vortragenden sichtlich beeindruckt.  hri

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