60-Jähriger sprühte mit Pfefferspray

Geldstrafe und Gebissreparatur zu zahlen

Sicher war zum Hergang der Tat nur, dass Pfefferspray eingesetzt wurde.
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Sicher war zum Hergang der Tat nur, dass Pfefferspray eingesetzt wurde.

Wildeshausen – Weil die Tat schon zwei Jahre zurückliegt und der Angeklagte nicht vorbestraft ist, hat das Oldenburger Landgericht am Montag in zweiter Instanz das Verfahren gegen einen 60 Jahre alten Mann aus Wildeshausen wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung in zwei Fällen gegen eine Geldauflage von 1 000 Euro eingestellt. Damit hob die Berufungskammer ein früheres Urteil des Amtsgerichtes in Wildeshausen wieder auf. Das hatte den 60-Jährigen noch im Sinne der Anklage schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 3 000 Euro verurteilt.

Im Zuge der Tat war eine Zahnbrücke bei dem Angeklagten zerstört worden. Die Zahnarztrechnung muss er nun größtenteils selbst bezahlen: rund 4 000 Euro.

Die Tat mit den hohen Folgekosten datiert vom 1. Mai 2019. Der Verteidiger hatte schon im ersten Prozess erklärt, dass die Sache damals „unglücklich gelaufen“ sei. „Mein Mandant hat ebenfalls Anzeige erstattet. Das Verfahren wurde eingestellt. Dann erhielt er zu seiner Verwunderung einen Strafbefehl, obwohl er sich als Opfer sieht“, berichtete er.

Angeklagter sieht sich als Opfer

Genau so schilderte es der Angeklagte damals auch. Er sei nach einem Treffen mit Freunden in der „Brasserie“ gewesen. Weil er dort seine Lebensgefährtin nicht angetroffen habe, sei er in Richtung „Kleine Kneipe“ gelaufen. Doch schon nach wenigen Metern habe ihn jemand von hinten an den Haaren gepackt und gegen den Kopf geschlagen. Er sei zu Boden gegangen und weiter geschlagen worden. Glücklicherweise habe er in die Tasche greifen und das Pfefferspray sprühen können. „Danach haben sie sofort abgelassen“, berichtete er vor dem Amtsgericht. Später habe er festgestellt, dass ihm sowohl ein Haarbüschel herausgerissen als auch die Zahnbrücke herausgeschlagen worden war.

Gegenüber der Polizei soll sich der Mann sehr aggressiv verhalten haben. Einen Atemalkoholtest lehnte er ab.

„Davon stimmt gar nichts“, hatte eine 19-jährige Zeugin aus Oldenburg gesagt, als die Amtsrichterin sie mit den Aussagen des Angeklagten konfrontierte. Sie und ihr 20-jähriger Bekannter schilderten die Geschehnisse übereinstimmend anders. Danach waren beide in einer Shisha-Bar gewesen und gemeinsam zum Taxistand an der Westerstraße gegangen, weil die junge Frau nach Hause wollte. Da dort kein Fahrzeug gestanden habe, habe sie ein Taxi angefordert, so die 19-Jährige. „Vor der ,Brasserie‘ saß ein Mann im T-Shirt und schlief offenbar betrunken. Mein Kumpel hat gepfiffen, weil wir nicht wussten, was bei ihm los ist und es schon ganz schön kühl war“, erzählte sie. In diesem Moment sei der 59-Jährige auf dem Weg zu seinem Taxi aus dem Lokal gekommen und habe den Pfiff wohl auf sich bezogen.

Rechtsgespräch bringt Entscheidung

Ihr Kumpel berichtete, dass sich der 59-Jährige aggressiv aufgebaut hätte. Da sei er dazwischen getreten. „Der Mann hat mich am Kragen gepackt. Ich habe die Hand weggestoßen. Da bekam ich schon Spray ins Gesicht.“

Ein weiterer Zeuge schilderte vor dem Amtsgericht, was aus seiner Sicht danach geschehen war. Er sei um die Ecke gekommen und habe eine Frau gesehen, die um Hilfe geschrien habe. „Ich sah, wie sich zwei Männer in der Wolle hatten und bin dazwischengegangen.“

Als er den Mann am Boden gehabt habe, habe der ihn mit Pfefferspray angesprüht. Offenbar hatte der 49-Jährige das mit zwei Faustschlägen gegen den Kopf beantwortet.

Weil der 60-Jährige Einspruch gegen das Amtsgerichtsurteil eingelegt hatte, musste am Montag vor dem Landgericht neu verhandelt werden. Was das Ziel der Berufung sei, wollte der Richter wissen. „Freispruch“, antwortete der Anwalt des Angeklagten. Dann aber zogen sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu einem Rechtsgespräch zurück. Danach stand fest, dass das Verfahren nach so langer Zeit gegen eine Geldauflage eingestellt wird.  

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