Familie und Freunde engagieren sich für „Internationale Kunstgalerie Wildeshausen“

So geht es nach Hartmut Berlinickes Tod weiter

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Witwe Maria (links) und Tochter Bettina-Maria Berlinicke stehen gemeinsam für die Zukunft der Galerie ein. 

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Es ist immer noch der gleiche, schmale Weg, der von der Harpstedter Straße zum Haus führt, immer noch die gleiche, niedrige Decke in einigen Räumen, und immer noch warten in nahezu jeder Ecke des Hauses Kunstwerke, mindestens aber Kuriositäten, die das Auge des Betrachters anziehen. Aber einer fehlt: Hartmut R. Berlinicke. Der Anfang März verstorbene Künstler, der gemeinsam mit seiner Frau Maria die „Internationale Kunstgalerie Wildeshausen“, im Volksmund oft „Galerie Berlinicke“ genannt, führte.

Die älteste Tochter Bettina-Maria, die zwei anderen Kinder, die Witwe und viele Freunde wollen das Lebenswerk von Hartmut Berlinicke fortsetzen. „Was wir am meisten fürchten, ist, dass es im Haus ruhig wird“, sagt Bettina-Maria Berlinicke.

Als Hartmut R. Berlinicke zwei Tage tot war, sprang seiner Frau ein Kalenderspruch des deutschen Schriftstellers Rainer Kunze ins Auge, der ihr so treffend schien, dass sie ihn auf ein weißes Blatt schrieb und an einem Blumenständer aus schwarzem Eisen gleich vorm Eingang zur Galerie befestigte: „Treten Sie ein, legen Sie Ihre Traurigkeit ab. Hier dürfen Sie schweigen (oder sprechen).“ Und darüber steht „Einladung zu einer Tasse Tee oder Kaffee oder ein Glas Wasser“, damit die Besucher sich trauen, zu klingeln, Hallo zu sagen und die Werke in der Galerie anzuschauen. Feste Öffnungszeiten gibt es erst einmal nicht, aber Terminvereinbarungen sind immer möglich. Man kann auch gerne mal spontan vorbeikommen.

In den Räumen hängen zurzeit Werke von Hartmut Berlinicke. Einige Schätze aus dem Archiv, aber auch aktuelle Grafiken. Bei der Auswahl hat sich Maria Berlinicke zum Beispiel für die Abbildung einer weißen Rose von einem französischen Friedhof entschieden, die in ihrem Privatbesitz war. „Weiß ist schließlich die Farbe der Auferstehung“, sagt sie. Ein anderes Motiv zeigt eine Leiter, deren Stufen Pinsel und Stifte sind. Sie sollen ähnlich wie eine Karriereleiter die Schritte im Leben eines Menschen symbolisieren. „Hartmut hat immer gesagt: ,Irgendwann muss man auch wieder runtersteigen.‘“, erinnert sich Maria Berlinicke. Wenn die kleine, weißhaarige und zugängliche Frau über ihren Mann spricht, werden ihre Augen manchmal feucht, ihre Stimme etwas brüchig. Aber es sind auch Momente, die ihr offenbar helfen, mit dem Verlust umzugehen.

„Es soll ein offenes Haus bleiben“

Der Einladung an der Tür sind in den vergangenen Wochen viele Wildeshauser und andere Weggefährten Hartmut Berlinickes gefolgt. „Unsere Freunde haben gleich gesagt: ,Das kann nicht das Ende der Galerie sein, weil Hartmut gestorben ist‘“, so Maria Berlinicke. Unter anderem habe sich ein ehemaliger Schüler ihres Mannes, der lange Jahre Lehrer am Gymnasium Wildeshausen war, nach mehr als 40 Jahren mit einem sehr berührenden Brief gemeldet. Andere Freunde hätte angeboten, beim Aufhängen der Bilder zu helfen, sich um Alltagsprobleme gekümmert oder einfach nur Präsenz gezeigt.

Auch in Zukunft sollen Künstler ihre Arbeiten in der Galerie präsentieren. Im November wird es zum 50-jährigen Bestehen eine Ausstellung mit Werken des verstorbenen Hartmut Berlinicke geben. Erst einmal ist aber die niederländische Grafikerin Wendelien Schoenfeld an der Reihe. Ihre Stücke sind ab dem 24. August in der Galerie zu sehen.

Weiterhin ist geplant, Angebote wie das Papiertheater und die Weinprobe fortzusetzen. „Es soll ein offenes Haus bleiben. Wir haben gerne Besuch“, betont Maria Berlinicke. „Das wird kein Wohnzimmer, das bleibt öffentlicher Raum.“ Auch wenn Hartmut R. Berlinicke nicht mehr da ist, hat die Kunst weiter ein Zuhause an der Harpstedter Straße in Wildeshausen.

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