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Satire zum Gildefest: Geheimplan enthüllt: Wie die Schützengilde ihre Wehrhaftigkeit steigern will

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Von: Ove Bornholt

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Eine wehrhafte Truppe? Nach drei Jahren ohne Training dürfte die Kampfkraft der Bruderschaft zum Schutz der Stadt ziemlich gelitten haben.
Eine wehrhafte Truppe? Nach drei Jahren ohne Training dürfte die Kampfkraft der Bruderschaft zum Schutz der Stadt ziemlich gelitten haben. © Oetjen

Um die Wehrhaftigkeit der Wildeshauser Schützengilde ist es nach drei Jahren ohne Gildefest, Ausmarsch und Paraden nicht gut bestellt. Doch es gibt eine Lösung.

Wildeshausen – Die Bundeswehr steht praktisch blank da, und bei der Wildeshauser Schützengilde sieht es nicht besser aus. Nach drei Jahren ohne regelmäßiges Training darf die Kampfkraft der Bruderschaft, die ja eigentlich die Wittekindstadt gegen Feinde verteidigen soll, bezweifelt werden. Zumal die letzten Versuche, die Bürger zu beschützen, ja nicht allzu gut verliefen – für Nachfragen bietet sich Ex-Bürgermeister Jacob Lickenberg an.

Doch es kursiert bereits ein geheimer Plan, wie die Wehrhaftigkeit der Gilde drastisch gesteigert werden kann. Die Lösung ist so naheliegend wie erfolgversprechend: Die Bruderschaft öffnet sich für Schwestern. Wenn das starke Geschlecht das Kommando übernimmt, herrscht endlich wieder Zucht und Ordnung in der Gilde. Genau wie zu Hause, wo ja auch die Frauen das Sagen haben, wie jeder Ehemann bezeugen kann.

Wer will sich schon mit Wildeshausens Amazonen anlegen?

Und damit wird auch eine wichtige Botschaft nach außen gesendet: Wer will sich schon mit Wildeshausens Amazonen anlegen? Das dürfte die Katholiken aus dem Münsterland tüchtig einschüchtern.

Aber schon regt sich Kritik. Das Wort Traditionsbruch macht die Runde. Aber dass in der Gilde nur Männer sind, ist ja nicht vom Himmel gefallen. Das hat irgendwann mal irgendjemand entschieden, und nur weil man das schon jahrhundertelang so macht, wird es dadurch nicht richtiger. Und in schwierigen Zeiten muss man eben auch mal unbequeme Wege gehen.

Außerdem bringt die Neuregelung einen Haufen Vorteile mit sich: Künftig treten dann nämlich die Rolling Stones, Ed Sheeran, Madonna und Co. im Festzelt auf dem Gildeplatz auf. Schließlich hat Schatzmeister Siegbert Schmidt sehr viele Neueintritte und damit deutlich mehr Finanzmittel zur Verfügung als bisher. Und: Ebenfalls zur Freude des Schatzmeisters findet sich unter den Damen vielleicht manche, die dem Offizierskorps angehören möchte und sich deswegen einkauft. Die Kasse klingelt.

100-Milliarden-Sondervermögen zur Ausrüstung der Gildeschwestern nutzen

Auch in der Frack-, Holzgewehr- und Zylinder-Industrie hört man gern, dass die Nachfrage steigt – die Damen müssen schließlich erst einmal standesgemäß ausgerüstet werden. Dafür werden sich wohl ein paar Euro im 100-Milliarden-Sondervermögen von Kanzler Scholz finden. Deutschland wird eben nicht mehr am Hindukusch, sondern an der Hunte verteidigt.

Die Rekrutinnen werden natürlich nach und nach auch in der Wache eingesetzt werden, deren Mitglieder damit deutlich entlastet werden – an manchen Tagen hat man ja das Gefühl, sie wären die einzigen Gildemitglieder, die arbeiten, während alle anderen drumherum fröhlich vor sich hin feiern.

Wenn die Gildeschwestern mit von der Partie sind, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Organisation. Wahrscheinlich kommen ein paar Kompanien dazu und dementsprechend werden auch mehr Kompaniequartiere zum Gildefest eingerichtet – also mehr Gelegenheiten, sich in die richtige Pfingststimmung zu bringen. Gleiches gilt für Bergfeste und Kompanieversammlungen im Dezember.

Wer immer noch infrage stellt, ob die Damenwelt reif für die Gilde ist und umgekehrt, kann natürlich auch ins benachbarte Harpstedt ziehen. Bis die dortigen Bürgerschützen auch Bürgerinnenschützen aufnehmen, dürfte es noch eine Weile dauern – um die Wehrhaftigkeit müssen sich die Fleckenbewohner keine Sorgen machen, denn wer will schon nach Harpstedt? Außer natürlich Wildeshauser, die zur Abwechslung mal ein Freibad sehen wollen, das nicht zur Hälfte marode ist.

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