Forscher interessieren sich für Megalithstätten in Kleinenkneten

Geheimnisvolle Großsteingräber

Arbeit in prähistorischen Grabanlagen: Die „Großen Steine“ wurden von 1934 bis 1939 jeweils wenige Monate im Jahr vollständig freigelegt. Dennoch sind die Hünengräber noch nicht komplett erforscht.
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Arbeit in prähistorischen Grabanlagen: Die „Großen Steine“ wurden von 1934 bis 1939 jeweils wenige Monate im Jahr vollständig freigelegt. Dennoch sind die Hünengräber noch nicht komplett erforscht.

Kleinenkneten – Wohl jeder Wildeshauser kennt die „Großen Steine“ von Kleinenkneten. Doch wie sie ursprünglich mal ausgesehen haben und welche Bestattungszeremonien es dort gegeben hat, ist weiterhin ein großes Rätsel. Oldenburger Forscher wollen es nun mit modernen Methoden entschlüsseln.

Welche Bedeutung haben die Großsteingräber in Kleinenkneten? Die Nationalsozialisten wollten in den 1930er-Jahren mit ihren kruden ideologischen Ideen den wissenschaftlichen Beweis erbringen, dass sie Unterbauten für germanische Gotteshäuser sind. Dazu wurden umfangreiche Ausgrabungsarbeiten gestartet, die diese wirre Theorie aber trotz aller Anstrengungen nicht untermauern konnten.

Doch selbst in modernen Zeiten mit vielen technischen Möglichkeiten ist noch immer nicht klar, wie die Großsteingräber in der Wildeshauser Landgemeinde einmal ausgesehen haben und welchen Zwecken sie genau dienten. Seit rund einem Jahr ist der Archäologe Dr. Frank Both vom Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg den Geheimnissen der Gräber auf der Spur und sucht in diesem Zusammenhang auch nach historischen Fotos. Das sei bisher „durchaus erfolgreich“ gewesen, zieht er eine erste Bilanz. Besonders wichtig sei, dass er alte Bestände des Bürger- und Geschichtsvereins Wildeshausen habe einsehen und abfotografieren können. „Es ist viel Interessantes zusammengekommen“, freut sich Both. Der Wissenschaftler geht davon aus, erste Ergebnisse frühestens Ende des Jahres in der Kreisstadt vorstellen zu können.

Zusammenarbeit mit der Jade-Hochschule

Ziel des Projekts in Zusammenarbeit mit der Jade-Hochschule in Oldenburg ist es, eine dreidimensionale Erfassung zu ermöglichen. So liegt ein Hauptaugenmerk darauf, anhand von schwer zu konservierenden Glasbildern die Ausgrabungen der beiden Kleinenkneter Großsteingräber digital zu rekonstruieren.

Schwer zu konservieren: Glasplattennegative der Ausgrabungsarbeiten in Kleinenkneten.

Die zwei Megalithstätten waren von 1934 bis 1939 jeweils für wenige Monate im Jahr vollständig freigelegt worden. Nach der Ausgrabung wurde das Grab eins, ein rechteckiges Hünengrab mit einer Kammer in der Mitte der Anlage, in den Zustand versetzt, wie man ihn sich ursprünglich vorstellte. Doch Both hat Zweifel daran, dass damals alles optimal gelaufen ist. „Es dürfte ursprünglich wesentlich weniger Erde darüber gelegen haben, als es jetzt der Fall ist“, glaubt er. Auch sonst sei nicht ganz klar, wie die Anlage ausgesehen habe. So seien die bei der Ausgrabung noch vorhandenen sechs Decksteine des zweiten Grabs  heute verschwunden. Both vermutet, dass es sich bei dem Hünenbett um zwei separate Steingräber mit ovalem Steinkranz gehandelt hat, die mit dem Bau der dritten Kammer dazwischen zu einem Großsteingrab zusammengewachsen sind.

Erschwerend für die Forscher ist, dass ein Teil der Grabungsdokumentation aus den 1930er-Jahren durch Kriegseinwirkungen zerstört wurde. Lediglich ein 40 Jahre später posthum veröffentlichter Grabungsbericht beleuchtet die Arbeiten etwas konkreter.

Dokumente im Zweiten Weltkrieg zerstört

„Etwa 100 Glasplattennegative sind erhalten geblieben. Dazu 413 Fotonegative“, so Both. Der Wissenschaftler hofft, beispielsweise Hinweise zu Bestattungszeremonien aus der Frühzeit zu finden. „Die Digitalisierung wird neue Möglichkeiten der Deutung von Altgrabungsbefunden eröffnen“, so Both. „Für die Forschung ist das wichtig“, sagt er. „Ich bin sicher, dass es auch die Bürger interessiert.“ Damit dürfte er in Wildeshausen richtig liegen. Das Interesse an der Geschichte ist in der Kreisstadt schließlich ausgeprägt.

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