Veterinäramt blickt aufs Jahr zurück

Geflügelpest und Polychlorierte Biphenyle

Auch ohne Ausbrüche viel zu tun: Der Landkreis Oldenburg musste im vergangenen Jahr viele Betriebe kontrollieren.

Landkreis – Die Geflügelzucht ist ein Schwerpunkt der Agrarwirtschaft im Landkreis Oldenburg. Naturgemäß steht sie daher auch im Fokus der hiesigen Veterinärbehörden. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Federvieh die Kreisverwaltung gleichwohl in zwei Bereichen besonders gefordert: einer bestehenden Seuchengefahr und mit Chemikalien verunreinigtem Hühnerfutter.

„Im Bereich Tierseuchenbekämpfung hat uns die Geflügelpest in diesem Jahr zwar keine neuen Seuchenausbrüche beschert, dennoch gab es aus dem umfangreichen vorjährigen Seuchengeschehen eine Menge aufzuarbeiten“, heißt es im Jahresrückblick des Gemeindeverbundes. Bei allen Putenhaltern im Kreisgebiet sei die „Biosicherheit“ der Betriebe als wesentlicher Punkt zum Schutz gegen den Eintrag von Geflügelpestviren kontrolliert worden. Insbesondere die Maßnahmen zur Verhinderung des Kontaktes mit Wildvögeln mussten bei dem einen oder anderen nachgebessert werden. Eine Doktorandin des Friedrich-Löffler-Institutes (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) ist gegenwärtig vor Ort, um im Rahmen ihrer Doktorarbeit die möglichen Ursachen für die zahlreichen Ausbrüche in der Region weiter zu ergründen. Zudem gab es – wie nach Tierseuchengeschehen üblich – eine auch Kontrolle durch die Europäische Union.

„Nach genauer Überprüfung aller Tätigkeiten des Veterinäramtes wurde uns von den Kontrolleuren eine gute Arbeit bescheinigt, der endgültige Bericht wird im Internet veröffentlicht“, berichtet der Landkreis. Die diesjährigen Blutprobenentnahmen beim Hausgeflügel wie auch die Untersuchung zahlreicher Enten, die durch die Jägerschaft beprobt wurden, erbrachten keine Geflügelpestnachweise in 2018.

Mitte November ereilte den Fachbereich Lebensmittelüberwachung des Veterinäramtes dann die Nachricht, dass bei routinemäßigen Untersuchungen im Rahmen des nationalen Rückstandskontrollplans in Geflügelfett von Masthähnchen eines Geflügelhofes in Nordrhein-Westfalen (NRW) eine Überschreitung des Höchstgehaltes für „nicht-dioxinähnliche Polychlorierte Biphenyle (ndl-PCB)“ aufgefallen war. Als Ursache der Kontamination wurden Futtermittel ermittelt, die durch Lackabsplitterungen aus zwei Verladezellen eines Futtermittelherstellers in NRW verunreinigt worden waren.

„Die betroffenen Futtermittelchargen wiesen teilweise zehnfache Überschreitungen des erlaubten Höchstgehaltes dieser Chemikalien auf“, berichtet der Landkreis. Und weiter: „Durch die Ermittlungen verschiedener Behörden in NRW und Niedersachsen konnte festgestellt werden, dass Futtermittellieferungen, die möglicherweise kontaminiert waren, auch an niedersächsische Betriebe erfolgt sind.“ Insgesamt sind circa 900 Tonnen möglicherweise mit ndl-PCB-belastete Futtermittel nach Niedersachsen geliefert worden.

Verunreinigtes Futter auch im Kreisgebiet?

Bei einem der von den Futtermittellieferungen betroffenen Betriebe handelt es sich um einen großen niedersächsischen Junghennenaufzuchtbetrieb. Aus diesem Betrieb wurden wiederum Junghennen an 18 Legehennenbetriebe in verschiedenen Landkreisen in Niedersachsen geliefert. Vier davon lagen im Landkreis Oldenburg. Das hiesige Veterinäramt sperrte sie vorsorglich. Daraufhin erfolgten sofort amtliche Ermittlungen zu den einzelnen Futtermittellieferungen, den erzeugten Eiern sowie deren Verbleib, beschreibt der Landkreis die eingeleiteten Maßnahmen. So wurden Proben entnommen, um diese im Lebensmittelinstitut Oldenburg auf Rückstände untersuchen zu lassen. Bis zum Abschluss der Ermittlungen durch die Behörde sowie dem Vorliegen der entsprechenden Untersuchungsergebnisse blieb den gesperrten Betrieben die Abgabe von Eiern an Verbraucher sowie den Einzelhandel untersagt.

Chemikalien hatten Hühnerfutter verunreinigt. SymbolFotos:dpa

Die Proben waren jedoch negativ: „Durch die Untersuchungen der verschiedenen Eierproben konnte glücklicherweise nachgewiesen werden, dass diese nicht oberhalb der Höchstwerte belastet waren.“ Vor diesem Hintergrund konnten die Betriebssperren und die Abgabeverbote für die Eier relativ zeitnah wieder aufgehoben werden. „Eine akute Gesundheitsgefahr für den Verbraucher hat nach bisherigem Kenntnisstand zu keiner Zeit bestanden“, versichert das Veterinäramt.

Doch auch der umgekehrte Weg stand im Fokus der Überprüfungen: Am 19. November erfolgte eine Schnellwarnmeldung aus der Überlieferung einer Vertriebsliste, in der auch nach Niedersachsen belastete Eier an sieben Unternehmen geliefert wurden. Von diesen betroffenen Unternehmen lag wiederum ein Betrieb im Landkreis Oldenburg: Hier wurde die Rückführung der betroffenen Eier an den Lieferbetrieb veranlasst und durch Mitarbeiter des Veterinäramtes überwacht.

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