Präventionsprojekt an allen Grundschulen der Stadt gestartet

Gefahrlos durchs Internet

Prävention in der Grundschule: Sabine Haferkamp-Maey, Martin Klinger und Antje Becker (von links) sprechen mit Kindern über das Verhalten im Internet. Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Wer das Chatprogramm WhatsApp verwendet, muss laut Nutzungsbedingungen mindestens 16 Jahre alt sein. In der Realität sieht die Sache allerdings ganz anders aus. „Machen wir uns nichts vor: Irgendwann sind alle Kinder bei WhatsApp oder Instagram“, sagt Sabine Haferkamp-Maey. Die Wildeshauser Schulsozialarbeiterin hat mit ihren Kolleginnen ein Medienpräventionsprojekt für alle drei Grundschulen in der Kreisstadt entwickelt, das seit Dienstag umgesetzt wird. Die teilnehmenden Viertklässler sollen eine Woche lang lernen, wie sie gefahrlos Spaß im Internet haben können.

Thema sind unter anderem sogenannte „Momo“-Videos. Diese tauchen immer mal wieder im Internet auf. In kurzen Episoden droht eine gruselig aussehende Puppe zum Beispiel: „Du musst dir dein Bein abhacken, sonst töte ich deine Eltern.“ Erwachsene wissen in der Regel, dass das Unsinn ist, aber das gilt nicht zwangsläufig auch für Kinder. Und das ist nicht das einzige Problem.

„Grundschüler können nicht entscheiden, was sie mit einem vermeintlich schicken und coolen Foto aus ihrem Kinderzimmer verraten“, sagt Antje Becker, Schulsozialarbeiterin an der St.-Peter-Schule. Haferkamp-Maey ergänzt: „Wir arbeiten mit den Kindern und besprechen, was man posten kann. Zum Beispiel sollte auf einem Foto aus dem Zimmer nicht das Fenster und dadurch die Straße zu sehen sein.“ Denn dann seien Rückschlüsse auf die Adresse möglich. Auch zu freizügig sollte das Bild nicht sein.

Unbedachtes Foto verrät Adresse

Bei dem Projekt soll den Mädchen und Jungen allerdings nicht die Lust am Internet und Kontakten per Chat vermiest werden, denn grundsätzlich betonen die Schulsozialarbeiterinnen: „Medien machen Spaß.“ Haferkamp-Maey sagt: „Wir zeigen Beispielfotos, bei denen alles gut ist.“

Das Projekt setzt bei den Grundschülern an, die in der Regel nur in der Freizeit am Handy sind. „Das ist während der Schule kein Problem“, bestätigt Roswitha Remmert, Rektorin der Wallschule. Aber wenn die Kinder an die weiterführenden Schulen gehen, sieht die Lage etwas anders aus, meinen die Schulsozialarbeiterinnen.

Mit praktischen Beispielen wollen die Sozialpädagoginnen auch deutlich machen, wie wichtig die Hoheit über die eigenen Daten ist. Dafür geht ein Kind nach vorne und wird mit Zetteln beklebt, auf denen Name, Telefonnummer, Adresse, Geburtstag und noch viel mehr steht. „Würdet ihr so in den Bus steigen oder auf den Schulhof gehen?“, fragt Susanne Tönjes-Mollenhauer, die sich an der Holbeinschule um die Schulsozialarbeit kümmert. „Die Kinder sortieren dann aus, welche Zettel weg sollen. Am Ende bleibt manchmal nur über: blonde lange Haare, blaue Augen und zwei Katzen als Haustiere.“

Mit dabei ist auch Martin Klinger von der Polizei in Wildeshausen. Der Beamte ist für die Präventionsarbeit zuständig und demonstriert anhand eines konstruierten Falls, wie ein zehnjähriges Mädchen im Internet gemobbt wird. „Die Kinder versetzen sich in seine Rolle und bekommen ein Gespür für die Gefahren des Internets“, hofft der Beamte.

Nach der Premiere an der Wallschule im Februar soll die Präventionsarbeit im Juni an der Holbein- und der St.-Peter-Schule fortgesetzt werden. Im Anschluss ist ein Elternabend geplant. Auch wenn noch nichts evaluiert wurde, ist Rektorin Remmert schon begeistert. „Das Projekt kommt bei den Kindern und den Kollegen gut an“, lobt sie.

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