Gefahr von Asbest wird verkannt/Ordnungsgemäße Entsorgung an der Hunte

Wenn uneinsichtige Zeitgenossen am Werk sind

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Asbestreste und ein Lkw-Rad in der Natur entsorgt.

Wildeshausen - Es sollte längst zum Allgemeinwissen gehören, dass Asbestfasern und Lungenkrebs in einem Atemzug zu nennen sind, wenngleich andere Krebsarten ebenfalls auf das Konto von eingeatmetem Asbeststaub gehen. Doch dass dieses Wissen noch nicht in allen Köpfen verankert ist, zeigt ein Vorfall am Katenbäker Berg, wo ein uneinsichtiger Zeitgenosse solches Material einfach in der Natur entsorgt hat.

Wie professionelle Asbestentsorgung funktioniert, das konnte kürzlich beim begonnenen Abriss eines Gebäudes an der Hunte (Heemstraße) beobachtet werden. Die damit beauftragten Arbeiter trugen komplette Schutzanzüge. Noch auf dem Dach wurde das Material vorsichtig in Kunststoffsäcke abgelegt und verpackt. Ein Warnschild sollte neugierigen Zuschauern verdeutlichen: „Hier geht es um Asbest!“ Denn ein nie auszuschließendes menschliches Versagen, ein technisches Problem, etwa dass ein solches Asbestpaket beim Verladen zu Bruch geht, könnte dafür sorgen, dass der „tödliche Staub“ verweht wird.

Immer wieder kommt es dennoch vor, dass Eigentümer älterer Häuser im Zuge von Renovierungsmaßnahmen oder dem Abriss von Schuppen und ähnlichen Nebengebäuden asbesthaltige Bauteile – etwa Eterniteindeckungen oder Plattenverkleidungen – unsachgemäß ablösen. Verkannt wird auch, dass zum Beispiel alte Blumenkästen – erkennbar an der typischen grauen Eternitfarbe – Asbest enthalten. Da gibt es Fälle, wie auch am Katenbäker Berg, dass solches Material am Ende sogar einfach der Natur übergeben wird.

Zur Abschreckung der Hinweis, dass ein solches Verhalten nicht mehr als Ordungswidrigkeit zählt, sondern als Straftat nach dem Strafgesetzbuch. Wer, und sei es auch nur eine geringfügige Menge asbesthaltigen Materials, auf diese Weise entsorgt und dabei ertappt wird, bei dem haben Richter und Staatsanwälte das Wort, wobei die geringste verhängte Geldstrafe bereits dreistellig ausfällt.

Bedenkt man, dass die ordnungsgemäße Anlieferung solcher Materialien für den privaten Bürger (für Firmen gilt anderes) bei der Neerstedter Deponie geradezu spottbillig ist, pro Kilogramm Asbestmaterial werden zehn Cent berechnet, so ist es geradezu irrational, den Versuch zu wagen, dieses illegal zu entsorgen.

Ordnungsgemäße Anlieferung heißt: Das Asbestmaterial muss in reißfester Plastikfolie verpackt sein. Die so entstandenen Pakete sind zu verschnüren oder zuzukleben. Ferner ist es auf einer Palette anzuliefern. Doch dies dürfte kaum ein Kostenfaktor sein, denn es kann sich um ein altes, beschädigtes Exemplar oder um eine Einweg-Palette aus einem Baumarkt handeln.

Zur Entsorgungsfrage, kommt die des gesundheitlichen Risikos. Beim Abhebeln von Asbestmaterial mit Hilfe von Werkzeug (sogar Anstoßen genügt) löst sich bei Bruch submikroskopischer Asbeststaub. Die winzigen Teilchen sind unter einem üblichen Mikroskop nicht mehr erkennbar. Dann reicht ein Atemzug, und das Asbest gelangt in die Lunge. Wer glaubt, es genüge ein Mundschutz (feuchtes Tuch, Filter oder ähnliches), der irrt. Der Staub haftet auch an und in der Kleidung, im gesamten Umfeld und findet so wieder den Weg in die Luft.

ch

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