Kommentar nach Aktion an der Dr.-Klingenberg-Straße

„Gefällte Bäume wurden nie im Wurzelwachstum gehindert“

Auszug Katasteramtblatt Nr. 6263D: Es zeigt rot markiert die frühere baumferne Bebauung des Grundstücks, in Grün die Standortlinie der Bäume – und damit auch, dass diese die Möglichkeit der ungehinderten Wurzelausbildung hatten.

Wildeshausen - Von Christian Hannig. Als Anfang März an der Dr.-Klingenbergstraße in Wildeshausen alte Bäume Opfer der Kettensäge wurden, stellte der fraktionslose Ratsherr Karl Schulze Temming-Hanhoff die Frage, ob alles mit rechten Dingen zuging – schließlich hatten die Bäume laut Bebauungsplan Schutzcharakter.

Die Baumfällung sorgte für so viel Diskussionsstoff, dass die Stadt gebeten wurde, diese zu begründen. Man berief sich bei der Genehmigung zur Fällung der Bäume auf Aussagen des Sachverständigen des Bauhofes. So sei der Wurzelbereich der Bäume durch die Nähe zum Gebäude als „nicht ideal“ einzustufen gewesen.

Bei der Recherche lässt sich allerdings folgender Sachverhalt erkennen: Zunächst beweist ein alter Lageplan (Quelle: Landesamt für Geoinformation und Landvermessung Niedersachsen), dass die bis über ein halbes Jahrhundert alten Bäume zu keinem Zeitpunkt in ihrem Wurzelwachstum insbesondere der Ausbildung von Haltewurzeln durch Bausubstanz behindert waren. Frühere Gebäude lagen von diesen weit entfernt. Außerdem zeigt ein Satellitenfoto, das kurz vor der Baumfällung aufgenommen wurde, den Abstand zu dem dort neu erbauten Haus. 

Ferner hatte ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (Fachgebiet Baumstatik) bei einem Wildeshauser Bauvorhaben, das bei extrem gebäudenahen Bäumen gleicher Art und gleichen Alters zur Kappung von Versorgungs- und Haltewurzeln führte, in seinem Gutachten nicht etwa wegen Sicherheitsbedenken die Notwendigkeit einer Fällung formuliert, sondern den Erhalt der Bäume aufgezeichnet. Wie zu erwarten, trotzen diese noch immer Stürmen.

Die Satellitenaufnahme zeigt rot markiert die Bäume vor der Fällung.

Damit stellt sich die Frage, in welche gedankliche Konstruktion sich der städtische Sachverständige bei der Formulierung „nicht optimaler Wurzelbereich“ verfing.

Bliebe die zweite Aussage der Stadt: Da auf dem Nachbargrundstück der Baumbestand ausgelichtet wurde, seien besagte Bäume nun dem Wind ausgesetzt.

Nun liegt Norddeutschland meteorologisch im Bereich einer Tiefdruckrinne. Somit ist die Zugrichtung von Stürmen und Orkan damit nach physikalischen Gesetzen vorgegeben. Gefährliche Wetterfronten, die zu Baumwurf führen könnten, nähern sich deshalb Wildeshausen in einem Winkel zwischen Südwest und Nordwest.

Die gefällten Bäume trotzten aber sogar dem schweren Orkan von 1972. Nun aber wurde nicht etwa westlich, auf der Gefahrenseite, sondern östlich von den Bäumen ein Grundstück gelichtet.

Dafür müsste sich die Erde anders herum drehen

Es hätte somit schwerer Sturm, womöglich Orkan, von Osten her auftreten müssen, um diese Bäume zu entwurzeln. Doch dafür müsste sich die Erde plötzlich anders herum drehen und damit auch alles Wettergeschehen verkehren.

Da die Stadt Wildeshausen die seltsam anmutende Einschätzung des Bauhof-Sachverständigen zur Grundlage für die erteilte Genehmigung zur Fällung der Bäume machte, muss sie sich die unbequeme Frage gefallen lassen, ob man an verantwortlicher Stelle nicht wusste, aus welcher Richtung sich in Wildeshausen seit Menschengedenken Gewitterfronten, Stürme und Orkan nähern. Im Stadthaus trägt man auch die volle Verantwortung dafür, wenn sich kritische Bürger zum Fall Dr.-Klingenberg- Straße fragen, ob hier nicht etwa ganz andere Beweggründe die geschützten Bäume an die Kettensäge lieferten.

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